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Das jüdische Echo · 1915-08-20 · 33 (20.8.1915) · p. Seite 264

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
33 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 Das Jüdische Echo Nr. 33 Beinahe ausnahmslos durch alle zieht sich der Gedanke und die Absicht, die düstere Stellung der rumänischen Judenschaft zu verbessern. Als sein hauptsächlichstes Verdienst muß die Vorarbeit angesehen werden, die er mit den Führern des vorherzischen Zionismus, Leon Pinsker, Rabbiner Mohilewer und andere leistete. Er war der Hebel der rumänischen Chowewe-Zion, an deren Bedeutung die 1882 gegründeten palästinensischen Kolonien Rosch-Pinah in Galiläa und Sichron Jakob in Samaria gemahnen. Dr. Karl Lippe war vor einigen Jahren aus Jassy, wo er in angesehenster Stellung lebte und durch zahlreiche Vorträge und Wirken in den verschiedenen Institutionen einen großen, segensreichen geistigen Einfluß auf seine nähere und weitere Umgebung ausübte, nach Galizien, in sein Geburtsland, zurückgekehrt. Vor den Russen flüchtete er nach Wien, wo er in sanftem Schlafe vom Leben zum Tode überging. An seinem Leichenbegängnis nahmen Abordnungen der zionistischen Organisation teil. Rabbiner Dr. Grunwald und Adolf Stand hielten ihm Nachrufe, die das Wirken und den Wert der Persönlichkeit Lippes würdigten. N. W. Eröffnungsrede zum 1. Zionistenkongrefi in Basel Gehalten von dessen Alterspräsidenten Dr. Karl Lippe am 29. August 1897. Vor ungefähr siebzehn Jahren erhielt ich von einem hebräischen Literaten , namens A k i w a Chaschmal, ein Schreiben, worin er mir anzeigte, daß ein gewisser Lazar Rokeach aus Safed in Palästina nach Rumänien gekommen sei, um für die Bildung von jüdischen Kolonien in Palästina zu agitieren. Bald darauf wurde ich in einem bescheidenen Zimmer in einer Jaßyer Vorstadt beauftragt, für diese Sache in Wort und Schrift Stimmung zu machen. Es entstanden bald 27 Komitees in 27 Städten des Landes und ein Zentral-Komitee in Galata, zu deren Mitgliedern Herr Samuel Pin e 1 e s und ich gehörten. Das Resultat dieser Propaganda waren die ersten zwei Kolonien aus Rumänien in Palästina, Sichron Jakob und Rosch Pinah. Als diese Kolonien in bessere Hände übergingen, hörte unser Komitee zu bestehen auf. Aber Herr Pineles und ich hörten nicht auf, in dieser Sache tätig zu sein. Ich war bei der Konferenz in Kartowitz, von deren Teilnehmern sich außer mir noch die Herren J. Jasinowski und M. Moses hier befinden. Wiohl ist diese Versammlung für die zionistischen Bestrebungen grundlegend gewesen, alldin sie repräsentierte bloß einen Bruchteil des Judentums. Dieser Kongreß repräsentiert hingegen das Gesamtjudentum. Welcher gewaltige Sprung von jenem bescheidenem Stübchen in der Jaßyer Vorstadt bis zu diesem Saal in Basel, welcher unerwartete Fortschritt von Chaschmal und Rockeach bis zu He r z 1 und N o r d au! Diese Versammlung von Gesandten jüdischer Vereine und begeisterter Juden ist die erste ihrer Art seit achtzehnhundert Jahren des dritten Exils. Sie ist der Ausdruck einer internationalen Bewegung, die alle Stände Israels ergriffen, um einen nationalen Gedanken zu verwirklichen, welcher während der langen Dauer dieses Exils, des Golus Edom, im Schöße der Judenheit gebannt lag und vergebens nach Verwirklichung rang. 0, ein schöner, großer Tag, der beutige, in der Geschichte Israels, fürwahr! Der Gegenstand, der uns heute zur Beratung vorliegt, ist kein geringerer, als die Rückkehr der Juden ins Land ihrer Väter, in das heilige Land, das unser Gott, der einig-einzige, unserem Erzvater Abraham, uns, seinen Nachkommen verheißen hat. Jahrhunderte lang warten wir vergebens auf eine Erlösung aus dem harten Golus mittelst göttlicher, übernatürlicher Wunder, und nun, des Wartens müde, von allen Seiten von Feinden bedrängt, wollen wir unsere Erlösung auf dem natürlichen Wege versuchen, um in unser altes Vaterland zurückzukehren, gleich unseren Vorfahren in Mizraim und später in Babel. Auch sie gelangten in den Besitz des Vaterlandes auf dem natürlichen Wege der geschichtlichen Entwicklung. Nach dem Auszüge aus Ägypten erkämpften sich unsere Väter das Land der Erzväter auf dem natürlichen Wege der Kriegführung unter Mosche, Jehoschua, den Richtern und Königen. Die Exulanten in Babylon kehrten auf Grund diplomatischer Verhandlungen mit dem Perserkönige Cyrus und eines internationalen Traktates zurück, der in unseren heiligen Schriften wörtlich aufbewahrt ist. Wohl verhieß ihnen der Prophet Secharja eine übernatürliche Erlösung, indem er sie tröstete mit den Worten: „Dein König (der Messias) wird zu Dir kommen, bescheiden auf einem Esel reitend." Aber unsere Vorfahren warteten die Erfüllung dieser Verheißung nicht ab und benutzten die erste, sich darbietende Gelegenheit und kehrten heim. Der Prophet Jeschajahu nimmt keinen Anstand, dem Perserkönig, dem Heiden, den Messiastitel zu verleihen. Auch wir wollen gleich jenen unseren Vorfahren vor 2509 Jahren, den Eselreiter von Babel, den Messias, nicht mehr erwarten und wollen ebenfalls auf Grund eines internationalen Traktates nach Erez Israel zurückkehren. Unsere Frommen, welche noch immer den eselreitenden König erwarten, mögen auch fernerhin im Golus bleiben und auf seine Ankunft warten; aber wenn sie Bettlern, Müssiggängern und Greisen gestatten, sich im heiligen Lande anzusiedeln, und sie mit einem Bettelpfennig unterstützen, so darf auch uns nicht verboten sein, lebenskräftige, arbeitslustige junge Leute hinzubefördern, welche durch Arbeit und Fleiß das verwüstete Land in ein Eden verwandeln werden. Und sollte endlich der bescheidene König wirklich erscheinen, dann werden ihm unsere Arbeiter einen würdigeren Empfang bereiten, als jene Schnorrer. Aber wir verhehlen uns durchaus nicht, daß unsere Position weit schwieriger ist, als jene der Exulanten Babels. Zurzeit des babylonischen Exils waren sowohl Babel als auch Palästina Provinzen des persischen Reiches, Serubabel, Esra und Nehemia hatten bloß bei der persischen Regierung die Erlaubnis für die Juden zu erwirken, aus einer Provinz ihres Staates in die andere zu übersiedeln. Schwieriger ist die Aufgabe für unsere Einwanderer. Diese kommen als Angehörige fremder Staaten und verlangen Einlaß in eine Provinz des türkischen Territoriums. Allein in der wohlbekannten Gnade des regierenden Sultans, in seiner Überzeugung von der Treue seiner jüdischen Untertanen, in seiner Überzeugung, daß Juden überall Segen bringen, wo sie sich niederlassen, wird Seine Majestät der Sultan nicht verfehlen, eine größere Zahl solch emsiger, zivilisatorischer Elemente seinem Reiche einzuverleiben. Unseren Assimilanten, die mit uns nicht mitgehen wollen, die in übel angebrachter Selbstverleugung ihrem Ehrentitel „Nation" entsagen und in der zionistischen Bewegung eine Gefahr

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