Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 32 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9072829-9102856-9116226--00450-9073277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Łomża 1× ep/1048190
OCR text
Nr. 32 Das Jüdische Echo 259 id, lesen * fett lAifo „f »#■ I** Herr SÄ» jfiSS i^V* , p schnft zu erscheinen beginnen, die die bekanntesten hebräischen Schriftsteller und Männer des öffentlichen Lebens zu ihren Mitarbeitern zählen wird Das Wochenblatt wird unter dem Namen „A t i d o t erscheinen. Neue jiddische Zeitungen. In W i 1 n a erscheint seit neuem die tägliche Zeitung „Das Wort" In Odessa wird „Das freie Wort", ebenfalls eine Tageszeitung, herausgegeben. Ein jüdisches Wochenblatt in dänischer Sprache. Der Verlag des Kopenhager Tageblattes „Jüdische Volkszeitung" hat beschlossen, ein jüdisches Wochenblatt in dänischer Sprache herauszugeben. Zu Perez' Andenken. Der bekannte jüdische Verleger Kletzkin hat den Vorschlag gemacht, Perez' Andenken zu verewigen, indem man in der Krim auf seinen Namen eine Villa baut, die als Erholungsheim für arme jüdische Schriftsteller dienen solle. Kletzkin hat eine ganz bestimmte Villa in Aussicht, die er für diesen Zweck geeignet hält. Die Verwirklichung dieses Planes soll die Gesellschaft „Mefize Haskolo" und die jüdische Sanitätsgesellschaft übernehmen. Die Kiewer Verehrer des verstorbenen Dichters haben den Vorschlag mit großer Wärme aufgenommen. Jüdische Kulturorganisation in Bulgarien. Die „Organisation für hebräische Sprache und Kulur" in Berlin erhielt aus Sofia ein Begrüßungstelegramm der jüdischen Kulturvereine Bulgariens, die ihre erste Konferenz in Sofia abhielten, um den Grund einer Organisation für hebräische Sprache und jüdische Kultur zu legen. Jüdische Erzieherinnen in der holländischen Königsfamilie. Zur Erzieherin der sechsjährigen Kronprinzessin wurde Fräulein Bertha Cohen- Stuart bestellt. Auch die Königin Wilhelmine hatte jahrelang eine jüdische Erzieherin, Frau Winter. Womit die Russen ihre Unterstände abdichten. Die Kriegsausstellung des Deutschen Buchgewerbe- und Schriftmuseums in der Betonhalle des Ausstellungsgeländes wird täglich bereichert. Zahlreiche im Felde stehende Freunde des Museums sammeln, was für das Museum von Interesse ist. Nicht wenig überrascht war die Museumsleitung, wie das „Leipz. Tageblatt" berichtet, als sie kürzlich von dem früheren technischen Direktor der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, dem Kaiserlichen Baurat Dr. Nicolaus, der als Hauptmann im Osten steht, ein Blatt einer hebräischen Pergamenthandschrift mit der Bemerkung übersandt erhielt: „Inliegend eine hebräische Pergament-Handschrift, von den Russen zur Dichtung ihrer Unterstände verwandt." Es ist eine große, schön geschriebene Pergament- Handschrift, die leider in ihrem oberen Teil durch Sand und Erdreich etwas gelitten hat und durch Nässe beeinträchtigt wurde, im großen und ganzen aber recht gut erhalten geblieben ist, so daß sie mühelos gelesen werden kann. Sie hängt nun neben anderen „Kulturleistungen" der Russen in dem Raum „Das Kriegsjahr 1914/15" und wird manchem Besucher der Ausstellung so recht vor Augen führen, wie es um die „Bildung" des russischen Heeres bestellt ist. („Börsenblatt für den deutschen Buchhandel", Nr. 176). Juden als Sühnopfer der russischen Niederlagen. Die Russen fahren fort, die Juden des Hochverrats zu bezichtigen. Wie grundlos ihre Verdächtigungen sind, zeigen Militärgerichte der letzten Zeit. Ein Militärprozeß in Lomscha ergab folgende Tatsachen: Die drei angeklagten Militärbeamten Czupranyk, Doroschenko und Mitzkewitsch, „entdeckten" in der Kinematographenhalle eines Juden namens Eisenbiegel in Lomscha einen Telegraphenapparat. Eisenbiegel wurde beschuldigt, feindlichen Truppen vermittels des bei ihm aufgefundenen Apparats Dienste geleistet zu haben und wurde natürlich sofort ins Gefängnis gesteckt. Aber noch im Untersuchungsstadium wurde vom Staatsanwalt festgestellt, daß der Apparat von Czupranyk selbst heimlich in das Lokal Eisenbiegeis gebracht worden war. Ferner wurde auch nachgewiesen, daß bei Auffindung des Apparats Czupranyk von Eisenbiegel 5000 Rubel verlangte mit dem Versprechen, ihn dafür auf freien Fuß zu lassen. Von den angeklagten Mililtärbeamten wurden zwei zu sechs Jahren Korrektionshaus verurteilt, der Dritte, der dem Gericht offenherzig über eine große Anzahl ähnlicher Fälle berichtete, wurde freigesprochen. Das Gerichtsprotokoll enthält u. a. die Feststellung, daß auf Beschuldigungen Czupranyks in gleichartigen Fällen 17 Juden bereits gehängt worden sind. Eine ähnliche Sache kam vor dem Warschauer Militärgerichtshof zur Verhandlung. Auch hier erwies sich das ganze Anklagematerial als vollständig aus der Luft gegriffen. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde vom Gericht selbst der Prozeß annulliert, sämtliche Angeklagten wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. Der Ausgang dieser Gerichtsverhandlungen berechtigt ,aber leider diie russischen Juden keineswegs zu irgend welchen optimistischen Hoffnungen. Der Verfolgungen dauern fort und bereiten dem russischen Judentum sehr düstere Aussichten. Lutostansky gestorben. In diesen Tagen starb in Petersburg im Alter von 80 Jahren der Altmeister der russischen Pogromliteratur Hippolit Lutostansky, Autor der berüchtigten Schriften „Der Talmud und die Juden", „Über den Gebrauch von Christenblut durch Juden-Talmudisten" u. a. m. Lutostansky war Jude von Geburt und trat in frühester Jugend zum Katholizismus über, lebte längere Zeit in Litauen in einem katholischen Kloster, besuchte ein katholisches Priesterseminar und brachte es zum römisch-katholischen Geistlichen. 1867 wurde er wegen gemeiner Verbrechen seines Amtes enthoben und seines geistlichen Standes als verlustig erklärt. Er trat dann in die lutherische Kirche über. Da er sich aber fortgesetzt kriminelle Verfehlungen zu schulden kommen ließ, konnte er sich auch hier nicht halten und ging schließlich zur prawoslawischen Religion über. Hier fand er recht bald, was er suchte. Seine unrühmliche Tätigkeit ist noch vom Beilisprozeß her bekannt, wo er für die Blätter des Schwarzen Hundert Artikel schrieb. Schutz bedrohter Menschheitsinteressen. Im Rathaus von Lausanne versammelten sich am 11. Juli die Vertreter zahlreicher Kulturvereine aller kriegführenden und neutralen Staaten, um an die Bildung jener internationalen Kommission, die von der Berner Konferenz im Mai beschlossen worden war, heranzutreten. Vierzig Verbände aller Länder hatten ihren Beitritt erklärt. Unter anderem wurde auf Antrag der Herren Epstein und Dr. Klatzkin nachstehende Resolution angenommen: „Die Kommission fordert die intellektuellen und liberalen Schichten Rußlands auf, sich dafür einzusetzen, daß den Grausamkeiten, die die russische Regierung seit Beginn des Krieges bis auf den heutigen Tag an der jüdischen Bevölkerung verübt: Massenausweisungen, Plünderungen und Metzeleien, die unter dem Namen Pogrome bekannt sind, sowie Mißhandlungen verwundeter jüdischer Soldaten — ein Ende gemacht werde."