Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 32 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- Seite 260 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Das Jüdische Echo Nr. 32 Gemeindenu.Vereins-Echo Fürth. Bei Ausbruch des Krieges hat die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde dem Magistrat gegenüber sich bereit erklärt, die Armenunterstützung für minderbemittelte Glaubensgenossen in ausreichender Weise zu übernehmen. Die Gesamtausgabe, welche sie innerhalb 11 Monaten an in bedrängten Verhältnissen lebende und erwerbsbeschränkte Arme der Kultusgemeinde aus ihrer Kasse leistete, hat den Betrag von 25 000 Mark bereits weit überschritten. Wie 1870 das jüdische Hospital zur Verwundeteupflege bereitgestellt wurde, so ist auch diesmal in demselben ein Saal mit 20 Betten zur Aufnahme von verwundeten und erkrankten Kriegern der Militärbehörde zur Verfügung übergeben worden. Außerdem wurden zur Verwundetenfürsorge benötigte Räume, wie z. B. die neue Einrichtung eines Operationssaales geschaffen, Aufwände, die ebenfalls mehrere Tausend Mark erforderten. -U.¬ München. Der Verein Bne-Jehuda hielt am Samstag, 31. Juli, einen öffentlichen Vortragsabend ab, in welchem Herr Schriftsteller Josef Löwy über „Die Aufgaben des Vereins" sprach. Die Rede gipfelte in einigen scharfumrissenen Thesen, die der Vortragende dem Publikum zur Diskussion vorlegte. Die Diskussion selbst ergab manche fruchtbare Anregung, die die Vorstandschaft des Vereins dankbar aufgreifen wird. München. Die Kgl. Bayer. Militärverwaltung hat die Genehmigung erteilt, daß die vielen jüdischen russischen Gefangenen rituell beköstigt werden dürfen. Von den zahlreichen Kriegsgefangenen werden ungefähr 500 von dieser edelmütigen Tat Gebrauch machen. Es kommen hierfür drei Zentralstellen in Betracht, zwei für Bayern und eine für die Pfalz (Germersheim). Um das Zustandekommen dieser religiös-würdigen Wohltat haben sich die Herren Rabbiner Dr. Werner- München und Dr. P. Cohn- Ansbach verdient gemacht. -U.¬ München. Vor einigen Tagen starb nach langem, schwerem Leiden Herr Abraham Schochor im Alter von 58 Jahren. Die Beerdigung fand unter zahlreicher Beteiligung der ostjüdischen Kolonie statt. Die Grabrede hielt Rabbinatssubstitut Dr. Israel Finkelscherer. Neumarkt. Die hiesigen Gemeindewahlen hatten folgendes Ergebnis: Herr Arnold Dreichlingcr, Kultusvorstand; Herr Martin Kraus, Kassier; zu Verwaltungsmitgliedern wurden gewählt die Herren Adolf Baruch, Philipp Wassermann, Samson Wilmersdörfer. Nürnberg. Das Eiserne Kreuz erhielten: Stefan Aal, Unteroff. im L bayer. Res.-Inf.-Regt., Sohn des Kaufmanns Hermann Aal; Ernst Blank, Unteroffizier im 14. bayer. Inf.-Regt., Sohn des Julius Blank; Dr. med. Kronheimer, Chirurg im bayer. Res.-Feldlazarett Nr. 12; Max Levy, Mitglied des bayer. freiw. Kraftfahrer-Korps, Fabrikbesitzer; Dr. med. H. Liebstädter, Stabsarzt im bayer. Landsturmbat. 2 Regensburg; Dr. med. Wilhelm Müller, unter Beförderung zum Stabsarzt, Sohn des Rentners Salomon Müller in Herleshausen; Dr. Maximilian Otto Steinhardt, Kriegslazarett der 1. bayer. Landw.-Division; Fritz Vorhaus, Mitglied des freiwilligen Automobil-Korps. Das bayer. Militär-Verdienst-Kreuz 3. Klasse erhielt Michael Wangersheim, Kanonier im 6. bayer. Feldartill.-Regt., Sohn des Kaufmann Hermann Wangersheim. Das bayer. Militär-Verdienst-Kreuz 3. Klasse mit Schwertern erwarb sich Hermann Heinemann, Kanonier im Feldart.-Regt. 8. Mit dem bayer. Militär-Verdienst- Orden 4. Klasse wurde ausgezeichnet Stabsarzt Dr. Strauß. Würzburg. In der hiesigen Synagoge fand am 1 August vormittags 9 Uhr unter außerordentlich großer Beteiligung von Zivil und Militär feierlicher Gottesdienst anläßlich des Jahrestages des Kriegsbeginns statt. Nach einleitendem Gesang eines Psalms durch den Kantor bestieg Distrikts- Rabbiner Bamberger die Kanzel, um die Bedeutung des Tages darzulegen. Der Redner schilderte in eingehender Weise die Kriegsereignisse der letzten 12 Monate, die Unschuld Deutschlands an dem Kriege, das treulose Benehmen der feindlichen Mächte gegen Deutschland, die wunderbaren großen Siege auf deutscher Seite, gedachte der im Kriege Gefallenen und forderte auf, in erneuter Weise zur Hilfeleistung für die durch den Krieg heimgesuchten Familien bereit zu stehen. Die formvollendete Rede schloß mit dem Bittgebete, den deutschen bewährten und berühmten Waffen einen endgültigen Sieg zu verleihen. Mit einem Gebet für König, Kaiser und Reich endigte die würdige Feier. In Verbindung mit dieser Feier fand die Eidesbelehrung der jüdischen Mannschaft statt. Anzeigen-Echo München. Verein Bne - Jehuda. Samstag, 14. August, abends 9 Uhr 15: Vorlesungen aus Dr. S c h m a r j a L e w i n s „In Milchome-Zaiten". Hotel Reichshof. Gäste herzlich willkommen. München. Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß". Mädchen: Sonntag, 15. Aug. Alle drei Züge: Treffpunkt 7 Uhr 30, Turnverein Jahn, Bogenhauserbrückc. Ismaning — Johanniskirchen. Kosten 5 Pfg. Buben: Sonntag, 15. Aug.: 2. Zug. Fahrt ins Blaue. Harras (Sendling), 8 Uhr. Kosten 5 Pfg. 3. Zug: Fahrt ins Blaue. Treffpunkt: Rotkreuzplatz. 8 Uhr. Kosten 5 Pfg. München. Jüdischer Turn- und Sport-Verein. Wanderung: Sonntag, den 15. August. Treffpunkt: 1.30 Uhr München Starnbergerbahnhof. Gauting. Schwimmanzug. Rituelle Kriegskochrezepte 11. Kartoffel-Speise. Die weichgekochten Kartoffel werden in Scheiben geschnitten, eine feuerfeste Form ausgebuttert, eine Lage Kartoffel hineingegeben, dann Tomaten, wieder Kartoffel, Gemüse jeder Art, zuletzt Kartoffel, obenauf Butter. Rasch gebacken. Statt Gemüse verwendet man sehr gut Pilze. 12. Gersten-Spatzen. Die Gerste wird mit Salz und Wasser sehr weich und trocken gekocht, etwas Tomatenmus, geröstete Haferflocken und so viel Mehl dazu gegeben, daß es eine Masse, so fest wie Spatzenteig wird; wenn man Eier dazu verwendet, muß man mehr Mehl oder auch Semmelbrösel dazu geben. Die Spatzen werden dann mit dem Löffel in heißes Fett (nicht schwimmend) eingelegt, auf der Herdplatte gebacken. 13. Bohnenpudding. Die weich gekochten grünen Bohnen (auch Konserven) läßt man gut abtropfen und gibt sie dann zweimal durch die Hackmaschine. Aus Butter, Mehl und dem Bohnenwasser macht man eine tunke, gibt, wenn sie ausgekühlt ist, zwei Eßlöffel geriebenen Käse und die Bohnen dazu und etwas Mehl. Die Masse wird in der gut gebutterten gestreuten Form gebacken oder im Wasserbad gekocht. (Auch Fleischpudding mit Fett und Tomaten statt Käse.) Druck und Verlag: B. Heller, Buchdruckerei, München, Herzog Maxstr 4 Verantwortlich für Redaktion u. Anzeigenteil: Dr. Max Mayer, München, Schwanthalerstr. 95.