Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 32 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 257 % 1 ie>t:> m iit ■ luBerhi-1: es Paris vc- Idß»; &\ $ itP k der höheren Offiziere für sich haben, ist ein offenes Geheimnis. Auch der Kriegsminister Millerand ist ihr Vertrauensmann. Bei einer solchen Unternehmung kann man es indes mit dem Widerstand der Pariser Vorstädte und republikanischer 1 ruppenteile zu tun bekommen, die umso bedenklicher sind, je mehr sie gleichartige und politisch gleichgesinnt^ Elemente in geschlossener Menge enthalten. Es gilt also, Paris von Revolutionären zu säubern. Das Blutbad der Zweitausend von Carency ist schwerlich ein unglücklicher Zufall gewesen Sie waren „enfants perdus" im furchtbarsten Sinn — verlorene Posten, die man nicht allzu ungern verloren hat, wenn man sie nicht gar zu verlieren gewünscht hat. In der Denkungsart, die einstmals in unserer Stadt als Kraftprobe für eine neue Brücke mit brutalem Witz vorgeschlagen hat, die Judenschaft darauf zu versammeln: „Hält Sie's aus, ist's gut — wenn nicht, ist's besser'1. (Prager Tagblatt.) Ein hebräisches Kriegsgebet hat Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu in München mit Benutzung der Psalmen 27, 35, 46, 120 und 121 verfaßt. Das Gebet ist von der hebräischen Buchhandlung E. Wertheimer, Westenriederstr. 4, zu beziehen. Es lautet in deutscher Übersetzung: Unser Vater im Himmel! Erbarmungsvoller König! Unsere Seele ist tiefbetrübt, unser Herz voll banger Furcht. Es ist ausgebrochen der furchtbare Weltbrand und die Stürme des größten Krieges durchtoben die Lande. Zahlreich sind die Feinde, die sich gegen uns zusammenrotten, um uns zu vernichten und unsere Heimat zu verwüsten. Wir richten daher unser Gebet vor den Thron deiner Herrlichkeit, um Erbarmen zu erflehen für die Söhne unseres Volkes und unseres Landes, die in den Kriegsreihen sich befinden. Möge es dein heiliger Wille sein, sie zu behüten vor Leiden, Krankheiten und bösen Begegnissen und sie zu beschützen von den zahlreichen Übeln und Gefahren, die über ihrem Haupt schweben! Offenbare an ihnen ein Zeichen deiner Güte und führe durch sie den großen, endgültigen Sieg herbei, den wir so sehr erhoffen! Erhöre uns, Ewiger, erhöre uns in unserer großen Herzensnot! Möge es dein heiliger Wille sein den allgemeinen Frieden baldigst herbeizuführen, damit unser Land sich fernerhin der Ruhe und Sicherheit erfreue und nicht mehr aufgeschreckt werde! Von deiner Gnade erhoffen wir dies, denn du bist der Herr alles Friedens, du erhörst die Gebete deines Volkes Israel in Barmherzigkeit. Amen, Amen! Feuilleton Jerusalemitanische Legenden Von Ludwig August Fr an kl. Wir entnehmen diese Legenden dem zu Unrecht vergessenen und längst vergriffenen Werk des österreichischen Dichters, das den Titel „Nach Jerusalem!" trägt und im Jahre 1858 in zwei Teilen erschienen ist. I. Das Feuer in der Bundeslade. In Jerusalem ist es der Brauch, daß der Synagogendiener am Freitag Abend den Wem, wenn Kidusch gemacht ist, mit In seinife Behausung nimmt und ihn, wenn der Sabbat ausgeht, zur Haidaiah wieder hinein trägt. Das hängt mit einer merkwürdägen Begebenheit zusammen, die (ich jetzt erzählen will. An einem Freitagabend schlief der Diener der Talmud-Thora-Synagoge ruhig auf seinem Lager, als er plötzlich von jemandem, den er nicht kannte, geweckt wurde. Der Fremde befahl ihm, ohne Zögern in die Synagoge zu eilen, denn im Heichel, in der Lade, wo die Thorarollen aufbewahrt werden, lodere ein blutrotes Feuer und es drohe Gefahr, daß nicht allein die Synagoge, sondern die ganze Gemeinde von ihm verzehrt werde. Der Diener eilte erschrocken in die Synagoge, öffnete die Bundeslade, wurde aber kein Feuer gewahr, doch bemerkte er im Dunkeln, daß die Flasche Wein, die er nach Kidusch, dem Freitagabend-Segen, hineingestellt hatte, von ihrem Platze verrückt sei, was ihm sehr verdächtig vorkam. Er hob die Flasche heraus und merkte sogleich beim schwachen Scheine des Ner thamid, des ewigen Lichtes, daß die Flasche vertauscht sei, und als er vom Inhalte etwas ausgoß, erkannte er, daß es Blut war. Er vernichtete die Flasche und stellte eine neue, mit weißem Wein gefüllt wieder in das Heichel, verschloß dasselbe und die Synagoge und legte sich wieder auf sein Lager und schlief. Kaum hatte der Gottesdienst am folgenden Morgen begonnen, erschien der Pascha von Jerusalem, der Bischof des griechischen Klosters, mit ihnen viele Moslemin, Griechen, Pfaffen und Soldaten. Alle Juden wurden bleich, nur der Synagogendiener nicht; er wußte, daß das schreckliche Feuer im Heichel glücklich unterdrückt und gelöscht sei. Der Pascha befahl seinen Dienern, alle Nischen und Winkel der Synagoge zu durchsuchen und da er nichts fand, was verdächtig gewesen wäre, wies ein Grieche nach dem Heichel und rief: „Dort müßt ihr suchen!" Die Diener öffneten das Heichel und fanden neben den Thorarollen alsbald die Flasche. Der Grieche schrie: „Das ist das Menschenblut von einem Christenkinde, das sie zu ihrem Gottesdienste abgeschlachtet haben." Der Bischof nahm die Flasche und fragte den Oberrabbi: „Was enthält dieses gläserne Gefäß?" Ruhig antwortete der Rabbi: „Wein, den wir zum Segenspruche brauchen." Der Bischof nahm den silbernen Becher, der in der Lade stand und goß ihn aus der Flasche voll. Es war ein goldenroter, duftiger Wein, wie er aus der Rebe von Hebron gepreßt wird. Er reichte ihn dem Pascha und allen Anwesenden, daß sie sich davon überzeugen. Nachdem der silberne Pokal allen gereicht war und alle sich überzeugt hatten, bat der Bischof den Oberrabbi wegen der Störung des Gottesdienstes um Vergebung; ein Lügner, indem er auf den Griechen wies, habe ihn betrogen. Der Pascha riß den Dolch aus dem Gürtel, um den Frevler zu töten; da hielt ihn der Bischof mit den Worten ab: „Verunreinige nicht mit Verräterblut ein Gott Vater geweihtes Heiligtum." Als sie aus der Synagoge herausgetreten waren, glaubte sich der Grieche durch das reumütige Bekenntnis retten zu können, daß er die Flasche mit Blut in die Lade gestellt habe und nicht begreife, wie sie wieder von dort weggekommen sei. Der Pascha aber ergrimmte noch mehr und streckte ihn mit dem Dolche nieder.