Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-08-06 · 31 (6.8.1915) · p. Seite 251

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
31 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 251 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9116225--00441-9073268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 31 Das Jüdische Echo 251 in seinem Hause. Was aber bleibt dem Vater, den seine Kinder verlassen haben?" — Des Rabbi Augen weiteten sich und leuchteten bei diesen W orten in heiligem Weh auf, von Tränen erfüllt.___ Beide Männer standen einander stumm gegenüber, sie fühlten miteinander. Endlich setzte der Rabbi noch hinzu, indem er unmerklich lächelte: „Verzeiht, es war nicht nötig, vor Euch, einem Weisen, so' viele Worte zu machen. Ich bin ein alter Mann und vergesse, was ich selbst einmal geschrieben habe: „Die Weisheit aller Völker ist vom Ewigen, der sie ihnen von seiner Allweisheit mitteilt." Welt-Echo Die Judenfrage auf der Friedenskonferenz. Die New-Yorker jüdische Tageszeitung „Tag" schreibt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf der künftigen Friedenskonferenz die Judenfrage auf die Tagesordnung zu bringen sucht. Sie wird sich bemühen, auf die europäischen Mächte dahin zu wirken, daß diese Frage in einem günstigen Sinne gelöst werde. So wurde vom amerikanischen Ministerium des Äußern verlautbart. Die amerikanische Regierung beschloß, alle Tatsachen der schrecklichen jüdischen Lage in Rußland zu sammeln. Die gesamte Presse der amerikanischen Hauptstadt vertritt den Standpunkt, daß Amerika die Judenfrage auf der Friedenskonferenz aufwerfen und dem jüdischen Volk in seiner gegenwärtigen Not helfen müsse. Jüdischer Weltkongreß. Mitte Juni fand in New- York eine Konferenz von Vertretern der größten jüdischen Organisationen statt, die das Ziel haben, ein Orgathsationskomitee zu bilden, das einen jüdischen Kongreß einberufen soll. An der Konferenz nahmen Vertreter folgender Organisationen teil: Orden „Brith Abraham", „Bne Zion", „Jüdisch-nationaler Arbeiterverband", „Zionistische Föderation von Amerika", Orden „Brith Schalom", „Vereinigung orthodoxer Organisationen", „Rabbinerverband" u. a. m. Die Konferenz beschloß sich zwecks gemeinsamer Arbeit mit dem Jüdischamerikanischen Komitee in Verbindung zu setzen. Das jüdische Emigrationskomitee, das sich vor einigen Wochen im Haag gegründet hat, heißt „Internationales Jüdisches Emigrations-Komitee". Es behält seinen Sitz im Haag. Vorsitzender wurde Staatsrat Professor Oppenheim. An den neuen Statthalter von Galizien, General der Infanterie von Colard, sandte das Exekutivkomitee der westösterreichischen, galizischen und Bukowinaer Zionisten folgendes Begrüßungsschreiben: „Euere Exzellenz! Die gefertigte Vertretung der Zionisten Westösterreichs, Galiziens und der Bukowina erlaubt sich Euere Exzellenz aus Anlaß der Ernennung zum Statthalter von Galizien aufs ehrerbietigste zu begrüßen und Euerer Exzellenz den glücklichsten Erfolg bei der Ausübung des überaus wichtigen und schweren Amtes herzlichst zu wünschen. Die von unserem gerechten und gütigen Monarchen getroffene Wahl erfüllt die gefertigte Repräsentanz der nationalen Judenschaft mit dem Vertrauen, daß die Geschicke des vielgeprüften Kronlandes Galizien im Sinne strengster Gerechtigkeit und verständnisvollen Wohlwollens allen Bevölkerungskreisen und auch dem jüdischen Volksstamme gegenüber geleitet werden. Ein glückliches Galizien im unzertrennbaren Gefüge eines starken Österreichs, ist das Ziel aller wahrhaft patriotischen Hoffnungen, daher auch der Wunsch der nationalgesinnten Judenschaft in Galizien. Bei der Arbeit und Erreichung dieses hohen Zieles werden Euere Exzellenz der willigsten und opferfreudigsten Mithilfe der national-organisierten Judenschaft Österreichs und insbesondere Galiziens sicher sein". Die Kampagne gegen Georg Brandes. Nachdem Professor Dr. Meir Balaban sich weigert, nach Polen zu kommen, um im Namen des jüdischen Nationalkomitees Tatsachen zu sammeln, die beweisen sollen, daß die Äußerungen Georg Brandes' unrichtig seien, hat sich das polnische Nationalkomitee an den jüdischen Professor Dr. Berthold Merwin in Lemberg in der gleichen Angelegenheit gewandt. Merwin ist als Werber der galizischen Legionisten bekannt und hat sich bisher als destruktiver jüdischer Politiker hervorgetan. Der wird's machen. Die Anführer der polnischen Legionisten sind nach einer Krakauer Meldung fast durchgehends Juden. Ihre Namen lauten: Mosche Scherer (Vorsitzender der Legionisten-Institution), Dr. Kot und Professor Kukiel aus Lemberg (Sekretäre), ferner die Herren Professor Boruch Menkes, Jeschaio Langrod, Jizchok Goldscheider, Awrohom Goldschneider, Dowid Ungländer, Awrohom Geschwind, Wilhelm Feldmann und Isroel Steinhaus — alles Führer des polnischen „Nationalen Hauptkomitees". Taufe aus Verzweiflung. Aus Wien meldet man: Um in ihre Wohnorte zurückkehren zu körnen, haben sich viele Kownaer Juden taufen lassen. Es hat ihnen aber wenig genützt. Sie wurden nicht zu ihren Wohnorten zugelassen. Das Lemberger „Tagblat", das uns seit der Besetzung der galizischen Landeshauptstadt durch die Russen nicht mehr zugegangen war, liegt uns in einer Nummer vom 25. Juni vor. Es enthält u. a. einen Bericht über den Empfang jüdischer Deputationen von Erzherzog Friedrich und die Anzeige des zur Befreiung Lembergs stattfindenden Dankgottesdienstes, der in großen Lettern angekündigt ist. Das „Tagblat" ist, eine Folge des Papiermangels, auf violettem Papier gedruckt. Gemeindenu. Vereins-Echo Fürth. Das Eiserne Kreuz erhielten: Ludwig Auerbach, Unteroff. d. Res. beim bayer. Feldart.-Regt. 6, Sohn des Fabrikbesitzers Gustav Auerbach; Oberarzt Dr. Dreyfuß. Den bayer. Militär-Verdienst-Orden 4. Klasse erwarb sich Oberarzt Dr. Kunreuther. Hüttenbach. Das Ergebnis des Palästinatages betrug Mk. 166.—. Kaiserslautern. Samstag, 10. Juli, beging Herr Lehrer Joseph B 1 ü t h e in vollkommener körperlicher und geistiger Frische das Fest seines 70. Geburtstags. Bliithe ist seit 35 Jahren hier Religionslehrer und Kantor. München. Der Vorstand der Anwaltskammer München erläßt an sämtliche Rechtsanwälte der Anwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk München folgendes Rundschreiben: „Die Advokaten Galiziens und der Bukowina, die infolge der russischen Okkupation genötigt waren, ihre Heimat zu verlassen, sind hierdurch in schwere wirtschaftliche Not geraten. Diese Not ist um so größer, als den Advokaten durch besondere Verordnung die Niederlassung in wichtigen Landesteilen verboten wurde. Zur Linderung ihrer Lage wird in Wien unter der Beteiligung der zuständigen Advokatenkammern eine „Advokatorische Kriegs-Kredit-Kasse, Genossen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.