Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 30 (30.7.1915)
- Date
- 1915-07-30
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 243 veröffentlicht folgende Resolution: „Das jüdische Proletariat, als ein Teil eines Volkes, das durch den Krieg am wenigsten gewinnen und am meisten verlieren kann, drückt den Wunsch aus, daß die sozialistische Internationale, deren Mission es ist, die Verbrüderung der Völker anzustreben, sich möglichst bald wieder konstituiere. Die westeuropäischen Völker, welche behaupten, daß sie einen Krieg gegen den „preußischen Militarismus" führen, gehen trotzdem mit Rußland, welches die reaktionärste Macht Europas ist, Hand in Hand. Es ist die heiligste Pflicht der westeuropäischen Völker, ihre Regierungen anzuweisen, daß die russische Regierung den Völkern in den von Rußland okkupierten Orten nicht die elementarsten Rechte entziehe und daß sie aufhöre, die jüdische Bevölkerung zu unterdrücken und Pogrome zuzulassen.." Amerikanische Juden lehnen die Lieferung von Munition an den Vierverband ab. Aus St. Louis meldet „The Hebrew": George W. Heller, der Besitzer eines hiesigen Stahlwerkes, hat Anfang Juni einen unbegrenzten Auftrag der französischen Regierung auf Schrapnells abgelehnt. Die Bestellung hatte wöchentlich auf 90 000 Dollar gelautet. Mr. Heller lehnte den Auftrag aus, Opposition gegen den Krieg ab. Einige Tage früher hat ein anderer amerikanischer Jude aus derselben Stadt, Theodore Philipps, eine Bestellung im Werte von 900 000 Dollars auf Maschinen zur Herstellung von Kartätschen abgelehnt. Die Todesstrafe Leo Franks, dem das Schickeines Dreyfuß drohte, wurde vom Gouverneur des Staates Georgia einen Tag vor dem festgesetzten Vollstreckungstermin in lebenslängliches Gefängnis verwandelt. Der Aufklärungsarbeit seiner Verteidiger wird es nunmehr gelingen, die Unschuld Franks zu erweisen. Dr. M. E. Schwartzfeld, Generalsekretär der Jewish Colonisation Association (Ica) starb vor kurzem. Ein Rumäne von Geburt, wurde er 1885 wegen seiner politischen Tätigkeit ausgewiesen, siedelte nach Paris über, wo er zuerst im Wohltätigkeitsbureau von Baron Hirsch arbeitete und später zur Ica überging. Dr. Schwartzfeld setzte auch in Paris seine publizistische Tätigkeit zugunsten der rumänischen Juden fort; bekannt ist sein Werk: „Die rumänischen Juden seit dem Berliner Vertrage". Der rumänische König und die Juden. In letzter Zeit hat König Ferdinand die Führer der Juden, Rabbiner Dr. Beck, Rabbiner Dr. J. Niemirower und Advokat Dr. Stern, nacheinander in Audienz empfangen. Beck huldigte ihm namens seiner Gemeinde. Mit Niemirower unterhielt sich der König über Judentum und Juden; Dr. Stern überbrachte die Wünsche der von ihm geleiteten Union einheimischer Juden. Rumänische Antisemitenabwehr. Ein bedeutender Professor der Theologie namens Nazarie verdächtigte in einer Broschüre „die Moral des Talmuds". Die Rabbiner Dr. Niemirower und Ch. Schor antworteten in einer Broschüre, Rabbiner Dr. Beck in der Presse. „Europa, Rußland und Rumänien" heißt eine ethnisch-politische Studie von Demetr. A. S t u r d z a , dem ehemaligen, 1911 gestorbenen „liberalen" Ministerpräsidenten, die vor kurzem im Verlag Puttkammer und Mühlbrecht in Berlin erschienen ist. Sturdza hatte sie kurz vor seinem Tode geschrieben. Wie er die Juden für die Politik Osteuropas einschätzte, mögen folgende Zeilen dartun: „Die Israeliten des europäischen Ostens werden in die russisch-slawische Gruppe eingerechnet, denn sie wohnen in der Mehrzahl in Rußland, von dort sich nach Österreich-Ungarn, Rumänien und die Balkanhalbinsel verbreitend; da sie sich mit keiner andern Nationalität verschmelzen, dienen sie, wenn sie die Grenzen des nordischen Kaiserreichs überschreiten, durch ihren antinationalen Einfluß als auflösender Faktor jeder nationalen Aspiration; sie dienen der Schwächung der Widerstandskraft der politisch in organisierten Staaten gruppierten Völker und dienen folglich als Werkzeug (?) den Ausbreitungsgelüsten Rußlands." Davon stimmt kaum ein Satz mit den Tatsachen überein, während der letzte geradezu sinnlos ist. Gemeindenu.Vereins-Echo Bamberg. Es wird uns berichtet, daß der von uns und anderen jüdischen Zeitschriften genannte, fürs Vaterland gefallene cand. jur. Daniel Mayer, kein Jude gewesen sei. Berlin. Fern vom Sitz seines Wirkungskreisesstarb in Berlin am 15. Juli im besten Mannesalter Rabbiner Dr. Stein aus Memel. Der Verstorbene, der aus Harburg in Bayern stammte, erfreute sich weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus großer Beliebtheit. Günzenhausen. Das bayer. Militärverdienstkreuz 3. Klasse erhielt Adolf Erlanger, Vizefeldwebel im bayer. Landsturm-Bataillon Günzenhausen. Den bayer. Militärverdienstorden 4. Kl. mit Schwertern erhielt Leopold Levy, Rittmeister der Res. Kitzingen. Eine in der Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen am Purim zugunsten der notleidenden Juden Galiziens und Polens veranstaltete Samlung ergab die Summe von 1500 Mk., welche auf die das Hilfswerk des Ostens leitenden Organisationen verteilt wurde. Die übrigen Gemeinden des Rabbinatsdistriktes Kitzingen haben ca. 900 Mk. für den gleichen Zweck durch freiwillige Spenden aufgebracht. Außer den im Laufe des Jahres der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung aus der jüdischen Gemeinde Kitzingen regelmäßig zufließenden Summen, wurden an den beiden letzten Tagen des Peßachfestes und späterhin nochmals ca. 700 Mk. von den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Kitzingen 'für die notleidenden Juden Palästinas gespendet. München. Montag und Donnerstag verkehrt die Elektrische Straßenbahn zum jüdischen Friedhof in Schwabing um 10, 10.15, 10.30, 10.45 und 11 Uhr vormittags. München. Der Studienu. Arbeitsbeförderungsverein für Israeliten in Bayern versendet seinen Rechenschaftsbericht für 1914. Der so oft genannte Herr Josef Krön heim er hat dem Verein ein Vermächtnis von 20.000 M. in 4%iger Mühchener Stadtanleihe zugewandt. Aus den Erträgnissen dieses Kapitals, welches als Josef, Kronheimer-Stiftüng gesondert zu verwalten ist, haben bestimmungsgemäß alljährlich vier Stipendien zur Verteilung zu gelangen. Den außergewöhnlichen, durch den Weltkrieg geschaffenen Verhältnissen wurde auch seitens unseres Vereins Rechnung getragen. Eine von der Vereinsleitung auf 19. November 1914 berufene außerordentliche Mitgliederversammlung beschloß einstimmig, die Summe von 6000 Mk. für Kriegszwecke zur Verfügung