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Das jüdische Echo · 1915-07-30 · 30 (30.7.1915) · p. Seite 242

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
30 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
Seite 242 (sequence 6)
Language
German
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242 Das Jüdische Echo Nr. 30 tun oder auch nur an den Marquis, der in Potsdam wohnte, etwas darüber wollte gelangen lassen. Im Julius 1763 sprach der Marquis von ohngefähr mit einem von Moses Freunden und von dessen erhaltenem Schutzprivilegium. Dieser sagte mit Achselzucken: Der König habe auf die Bittschrift nicht einmal geantwortet. Der Marquis wollte dies erst gar nicht glauben; da es ihm aber auch von anderen bekräftigt ward, so geriet er in großen Zorn und rief mit seiner gewöhnlichen Lebhaftigkeit aus: „Nein, das ist zu arg! Da erkenne ich ihn gar nicht! Wenn's aber so ist, so soll er mir es Rieht umsonst getan haben!" Als der Marquis denselben Abend zum Könige kam, fing er schon beim Eintritt ins Zimmer an zu schelten. Der König, der nicht wußte, was er wollte, bezeugte ihm sein Befremden. „Ach!" rief der Marquis aus, „Sire, Sie sind doch sonst gewohnt, Wort zu halten. Sie wissen, daß ich so sehr selten etwas von Ihnen-bitte. Nun habe ich einmal etwas von Ihnen gebeten, nicht für mich, sondern für den rechtschaffensten, würdigsten Mann. Sie versprachen auch, es zu gewähren, und hernach tun Sie es doch nicht. Nein! das ist zu arg! darüber muß ich wohl unzufrieden sein." Der König versicherte, Moses habe das Schutzprivilegium erhalten. Der Marquis aber versichert, Moses habe auf seine Bittschrift keine Antwort bekommen. Endlich zeigte sich, daß ein bloßes Mißverständnis bei der Sache war. Der König sagte, die Bittschrift müsse durch einen ungewöhnlichen Zufall verloren gegangen sein. Moses solle nur noch eine Bittschrift übergeben, sodann wolle er das Privilegium auszufertigen befehlen. „Gut, Sire!" sagte der Marquis, „ich werde Ihnen selbst eine Bittschrift machen. Aber verlieren Sie sie nicht wieder!" Moses schrieb auf wiederholtes Verlangen des Marquis unterm 19. Julius seine Bittschrift nochmals ab, und der Marquis fügte unter seinem eigenen Namen folgendes hinzu: „Un Philosophe mauvais catholique, supplie un philosophe mauvais Protestant, de donner le privilege ä un philosophe mauvais juif. II y a dians tout ceci trop de Philosophie, pour que la raison ne soit pas du cöte de la demande." („Ein schlechtkatholischer Philosoph bittet einen schlecht-protestantischen Philosophen, einem schlecht-jüdischen Philosophen das „Privileg" zu gewähren. Es liegt darin allzuviel Philosophie, als daß die Vernunft nicht auf der Seite der Bitte wäre!") Daraufhin erhielt Moses unterm 26. Oktober das Privilegium. Die Ch'argenklasse verlangte von ihm verordnungsgemäß tausend Reichstaler Gebühren. Diese erließ ihm der König auch im folgenden Jahre 1764. Im Jahre 1779 supplizierte Moses, aus Liebe für seine Kinder, beim Könige unmittelbar: „Sein Privilegium auf seine Nachkommen beiderlei Geschlechts auszudehnen, nach Inhalt der General-Schutz-Prüvilegien." Dies schlug ihm der König ab. Aber König Friedrich Wilhelm II. erteilte es auf Ansuchen der Witwe des Philosophen im Jahre 1787. Mitteilung des Verlags Wir machen unsere Bezieher nochmals darauf aufmerksam, daß der Verlag für eine regelmäßige Zustellung unseres Blattes nicht verantwortlich gemacht werden kann. Beschwerden darüber sind zuvörderst bei dem Postamt selbst anzubringen, das für die Beförderung der von uns stets in Ordnung aufgegebenen Nummern zu sorgen hat. Zeitungs-Echo Die Süddeutschen Monatshefte haben ihrem ersten Sonderhefte Rußland ein zweites mit dem Titel „Rußland von Innen" folgen lassen Es liefert viele Beiträge zu dem großen Problem, das dieser Riesenstaat darstellt. U. a. enthalt es eine markante Abhandlung von Wlad. W. Kaplun- K o g a n über „die Lage des jüdischen Proletariats in Rußland", dessen verdienstvolles Werk über „die Wanderbewegungen der Juden" und dessen Programmschrift „Der Krieg, eine Schicksalsstunde des jüdischen Volkes" bei dieser Gelegenheit in empfehlende Erinnerung gebracht seien. Dr. R. Claus schreibt über „Die Völkerzusammensetzung Rußlands". Der Absatz über die Juden lautet: „Groß ist die Zahl der Juden in Rußland; sie haben die Hand der russischen Gewalt schwer zu fühlen; 5,2 Millionen wurden 1897 gezählt, 7 Millionen mögen es vor dem Kriege gewesen sein. Die starke Vermehrung durch ihren Kinderreichtum ist wohl zum Teil durch die Auswanderung aufgehoben worden. Die Lage der Juden ist im ersten Russenheft (Februar durch Alexander E 1 i a s b e r g und Josef Hofmiller, Anm. d. Red.) und in diesem Heft an anderer Stelle ausführlich behandelt. Ihr Ansiedlungsgebiet, in dem sie wohnen, die polnischen, litauischen, weiß- und kleinrussischen Landesteile, sind zum großen Teile die Aufmarschgebiete der Russen oder Kampfplätze. Schon in Friedenszeiten war das Elend unter den Juden groß; wer einmal einen Einblick in die Ghettos Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat, wird das Bild des Grauens so leicht nicht los. Ich habe Armut auf dem Balkan, in ost- und westeuropäischen Groß- und Hafenstädten gesehen, nur einmal fand ich das Elend erschreckender als in den Ghettos der russischen Juden — im Londoner Hafenviertel. (Ähnlich äußerte sich der vielgereiste Publizist Kurt A r a m im vorigen Jahr in seinem Buche „Der Zar und seine Juden": „Das jüdische Elend in Warschau ist doch noch viel gräßlicher als alles andere, was ich sah." S. Nr. 8 des J. E. 1914, Anm. d. Red.) Die Vertreibung vieler Tausender „der lieben Juden" aus ihrer Heimat, alle sonstigen Bedrückungen müssen ihr Los furchtbar gestaltet haben. Ein Teil dieser Blutschuld kommt auf die jüdischen Financiers diesseits und jenseits des Ozeans, welche die russische Regierung unterstützen". Mit diesem Satze deutet der Verfasser auf eines der traurigsten und beschämendsten Kapitel unserer Geschichte. Es sei nur an die unmittelbar nach dem Kischinewer Pogrom von dem Wiener Kultusvorstand Ritter v. Taussig vermittelte 5%ige Anleihe erinnert, mit der Rußland in den Stand gesetzt wurde, seine Vernichtungspolitik gegen die Juden fortzusetzen. Welt-Echo ' Die jüdischen Arbeiter Englands für die russischen Juden. Nicht nur die jüdischen Arbeiterorganisationen Amerikas protestieren gegen die unmenschliche Behandlung der Juden in Rußland, auch in London hat sich ein zeitweiliges Komitee gebildet, in welchem sich Vertreter verschiedener .indischer Arbeitervereine befinden und zu dem auch Vertreter der englischen Arbeiterschaft zugezogen wurden. Es soll möglichst bald eine öffentliche Konferenz einberufen werden. Das Komitee

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