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Das jüdische Echo · 1915-07-30 · 30 (30.7.1915) · p. Seite 239

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
30 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 239 Ädolf Oppenheim Am vergangenen Mittwoch beging der Schriftsteller und Redakteur Adolf Oppenheim in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Dem Jubilar, der seit vielen Jahren in München als literarischer Vertreter des Verlags Ullstein und als Korrespondent von dessen Tagesblättern und der Wiener „Zeit" tätig ist, gingen von allen Seiten herzlich und aufrichtig gemeinte Gratulationen zu. Die „Münchner Neuesten Nachrichten" schrieben in der Nr. 377 über Oppenheims Wirken: „Oppenheim, dessen Hauptbedeutung auf dem Gebiete des Theaters liegt, ist durch seine Anfang der 80er Jahre mit Ernst Gettke unter Patronat der Deutschen Bühnengenossenschaft und unter Mitwirkung hervorragender Gelehrter und Fachmänner herausgegebene Enzyklopädie alles Wissenswerten der Kunst und Bühnentechnik (Verlag Karl Reißner, Leipzig) bekannt geworden. Ein Verdienst Oppenheims ist es, die Biographie bedeutender Männer und Frauen dramatisiert zu haben, um diese sozusagen dem Volke näher zu bringen; es erschienen von ihm, in den 80er Jahren auf den Berliner und zahlreichen anderen Bühnen Schauspiele, Lustspiele, Charakterbilder, in welchen geschichtlich bedeutende Männer und Frauen die Hauptrollen spielten. Oppenheim ist seiner Vorliebe für biographische Arbeiten, mit denen er viele schöne Erfolge errang, treu geblieben. Die in den verschiedensten Blättern veröffentlichten Skizzen: Theateroriginale aus der guten alten Zeit, ebenso die fürstlichen Schauspielerehen (Verlag E. & G. Eisner), Franz v. Liszt usw. sind bekannt und eine Fundgrube für Theaterhistorik. Unter dem Pseudonym S. Mosen, A. Horst, A. O. v. Pozsony usw. erschienen zahlreiche Romane. Mit C. Laufs, Julius Rosen, J. B. Schweitzer, Hans Neuert, Max Neal, Stobitzer u. a. schrieb Oppenheim als stiller Mitarbeiter eine Anzahl Lustspiele, Schwänke, Volksstücke. Neben seiner ausgezeichneten Kenntnis des ganzen deutschen Theaterwesens, sowie aller damit zusammenhängenden Persönlichkeiten von Bedeutung zeichnet sich Adolf Oppenheim durch uneigennütziges, warmfühlendes Interesse für die journalistischen Standesfragen, besonders der sozialer Natur aus. Trotz seiner 70 Jahre tritt er noch oft mit jugendlichem Eifer für seine Ideen und Pläne auf diesem Gebiete im Kreis von Standeskollegen ein und stellt für die Durchführung sozialer Verbesserungen im schriftstellerischen Berufe mit Geschick und Liebe zur Sache seine wertvolle Arbeitskraft und seine reiche Erfahrung mit restloser Hingabe zur Verfügung. Den aufrichtigen Dank seiner Berufsgenossen hat er sich dadurch für immer gesichert." Auch wir haben Anlaß, uns des Geburtstages von Adolf Oppenheim zu freuen, der Zeit seines Lebens ein stolzer, aufrechter Jude gewesen ist und zwar nicht aus Trotz gegen widrige Verhältnisse, sondern kraft seiner ins jüdische Erdreich reichenden Wurzeln. Adolf Oppenheim wurde am 28. Juli 1845 in Preßburg geboren. Ein Zweig seiner Familie führt nach Bayern zurück. Der bekannte gelehrte Preßburger Rabbiner Nathan Wolf L i e be r aus Fürth war sein Onkel. Oppenheims Vater, ein hochgeachteter Kaufmann, hätte gern gesehen, daß sein Sohn Rabbiner würde. Da aber der Onkel bald erkannte, daß aus ihm wohl ein guter Jude, aber nie ein guter Rabbiner werden dürfte, ließ ihn der Vater weltliche Studien betreiben. Oppenheim widmete sich in Wien der Philologie. Er begann schon als Student seine Laufbahn als Schriftsteller. Im „Wanderer", der von dem bekannten Schriftsteller Johannes Nordmann herausgegeben wurde, veröffentlichte er Skizzen jüdischen Inhalts. Oppenheim hat nie in seinem Leben den Zusammenhang mit dem Judentum aufgegeben. Als er schon Mitarbeiter an großen Blättern geworden war, schrieb er viele Feuilletons, in denen er sich bemühte, dem Publikum auch Werke und Leben jüdischer Gelehrter und Dichter näher zu bringen. Das war zu einer Zeit, als man noch nicht daran dachte, jüdische Männer in allen Kreisen für vollgültig anzusehen. Oppenheim lieferte auch für die Blätter des F. O. Bergs, der sich später zum antisemitischen Schriftsteller entwickelte und den heute noch krächzenden Wiener „Kikeriki" begründete, literarische Beiträge. Ludwig Barnay war es der die „Frankfurter Zeitung" Ende der 70er Jahre auf den jungen Autor aufmerksam machte, dessen Skizzen und kleine Geschichten meist aus dem Leben bedeutender Dichter und Künstler genommen waren. Auch hier hat er mit Vorliebe jüdische Persönlichkeiten aus dem Schatten ans Tageslicht gerückt. Unter den verschiedensten Pseudonymen erschienen von Oppenheim Romane, viele Novellen und Feuilletons. Deshalb hat er doch nicht verhehlt, daß er ein Jude ist. Im Gegenteil. Er lebte als solcher und hat in Wort und Schrift für das Judentum gewirkt, wo er konnte. Eine denkwürdige Episode im Leben Oppenheims bildete die Aufführung seines Theaterstückes „Lassalle" in Berlin,- das zu seiner Zeit viel von sich reden machte. Oppenheim saß in Düsseldorf eine Strafe wegen eines Preßvergehens ab und entdeckte in der Gefängniszelle, die er sich wohl zum Zeitvertreib genau besichtigte, daß in demselben Raum Lassalle gesessen habe, denn auf der Rückseite der Gefängnisordnung fand er einen Spruch, der, wie man Oppenheim mitteilte, von der Hand des großen Agitators stammte. Der Zufall wurde zum unmittelbaren Anlaß für Oppenheim, das Bühnenwerk „Ferdinand Lassalle" zu schaffen. Es entstand, während er seine Freiheitsstrafe verbüßte. Nach unendlichen Zensurschwierigkeiten wurde es Ende der 80er Jahre im Berliner Stadttheater aufgeführt. In dem Stück wurde auch das Judentum Lassalles als ein lebendiger Teil seines Wesens entsprechend unter-

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