Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 29 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Das Jüdische Echo Nr. 5?9 Unternehmungen in Palästina gerichtet gewesen. Daß aber auch die Schulen des Hilfsvereins geschlossen, die Leiter verschiedener nichtzionistischer Institutionen in Untersuchung gezogen wurden, hat man ebenso zu übergehen versucht, wie die Erklärung des deutschen Botschafters in Washington, des Grafen Bernstorff, in der es heißt: , , „Man hat in Konstantinopel niemals antijüdische oder antizionistische Gefühle gehegt . . . Die türkische Regierung hat den Beamten abberufen, der hauptsächlich an der Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung Schuld trägt." * * * Aber nicht nur die Bekanntgabe oder Unterdrückung von Stoff trägt dazu bei, Erbitterung zu schaffen, auch die Art der Darstellung von Vorgängen vermag Unfrieden zu nähren. Es darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, daß vor zwei Jahren gegen die Zionisten offen die Beschwerde erhoben wurde, ihre Theorien — wir umschreiben und drücken uns noch milder aus, als es eigentlich geschehen — müßten zur Erkaltung patriotischen Fühlens und Unterlassung patriotischen Tuns führen. Die Angegriffenen konnten daraufhin nur mit Deduktionen oder dem Hinweis auf die Teilnahme so vieler Zionisten an den allgemeinen Werken unserer Gesellschaft verweisen. Einen vollgültigen Beweis für die Haltlosigkeit der ausgesprochenen Vorwürfe erbrachten sie in dem gegenwärtig tobenden Kriege. Die junge zionistische Generation im Felde hat sich, wie privat allgemein anerkannt wird, tadellos gehalten. Und die nichtzionistische Presse nimmt von den einzelnen Tatsachen ihrer Führung ohne darauf hinzuweisen, daß es sich um Zionisten handle, gerne Notiz. Damit ist bei der Schwere der Anklage nicht genug getan. Wenn man einer Organisation von 10 000 Menschen — wir sprechen nur von der deutschen Gruppe — vorgehalten hat, daß ihre Mitglieder kein Interesse an ihrem Vaterlande nähmen, wenn es sogar geschehen durfte, daß ein jüdischer Professor in den früheren Jahren zweimal (in einer weitverbreiteten Tageszeitung und in einem Sammelbuche) die Forderung aufstellte, es sollten den Zionisten die Bürgerrechte entzogen werden, dann müßte u. E. etwas peinlicher verfahren werden, sofern man sein Unrecht einsieht und der Augenblick gekommen ist, es gut zu machen. Was tut aber eine bekannte jüdische Zeitschrift. Sie bringt da — wir greifen willkürliche Beispiele heraus — ein Porträt mit der bombastischen Überschrift: „Eisernes Kreuz erster Klasse für einen jüdischen Helden". Wohl wahr. Aber in richtige Beleuchtung wird die Lobeshymne gerückt, wenn man dazu die Bemerkung eines anderen jüdischen Blattes hält: In bewährter Methode verschweigt das Blatt Soundso, daß dieser jüdische Held zu den Landesverrätern gehört, die sich von England zu „politischen Schritten (scilicet gegen die Zentralmächte) aufstacheln lassen", (wie es wenige Nummern früher hieß.) Ein anderer Fall. Die antizionistische Presse reklamiert durch die Bank Hugo Zuckermann für das Judentum. Mit Recht. Daß er aber seine beste Kraft aus dem Zionismus gezogen, bleibt gegenüber einem Publikum, das systematisch dazu erzogen wurde, in dessen Anhängern Schädlinge oder Narren zu sehen, wohlweislich ungesagt. Und gerade Zuckermann hätte, wie wir ihn kennen, solchen Beifall weit von sich gewiesen. * * * Wir Juden wissen nur zu gut, wie sehr wir unter der Verallgemeinerung zu leiden haben; daß wenn einer einen schlimmen Streich begeht, die Gesamtheit als verdorben bezeichnet wird. Sollten uns eigentlich diese Erfahrungen nicht lehren, unter uns etwas vorsichtiger zu sein, um Beleidigung und Verstimmung zu vermeiden? Es sind etwa zwei Monate her, da erschien in einem jüdischen Blatte mit der sensationellen Überschrift ein Leitartikel: „Der deutsche Jude in Deutschland ein Fremder?", und der Redakteur begann seine Ausführungen mit folgenden Sätzen: „Die geehrten Leser werden glauben, daß es sich darum handle, die törichte Äußerung irgend eines Antisemiten zurückzuweisen. Das ist hier nicht der Fall. Es handelt sich um die Auslassung eines Mannes, der sich Zionist nennt . . ." Dann wird der Artikel eines gewissen Max Epstein, der in der „Schaubühne" stand, unter ausreichenden Seitenhieben gegen den Zionismus sorgsam zerpflückt, bis es am Schluß der vierten Spalte heißt: „Nachdem wir soweit geschrieben hatten, fanden wir folgende Briefkastennotiz . . .", aus der kurz und gut hervorgeht, daß der betreffende Verfasser kein Jude, geschweige denn Zionist sei! Ein von der Verantwortlichkeit seines Amtes überzeugter Redakteur hätte gewußt, was er zu tun gehabt hätte, „nachdem er soweit geschrieben". Er hätte sein Elaborat in den Papierkorb wandern lassen, unbeschadet der Mühe, die ihm die Abfassung gemacht, und trotzdem er auf einen Angriff gegen den Zionismus hätte verzichten müssen. Das fiel ihm jedoch nicht ein, sondern er begnügte sich mit einem milden Verweis an die Adresse des Täuflings und dem Ausdruck der Schadenfreude über den Hereinfall eines antisemitischen Blattes, des eigenen ganz