Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 29 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102856-9116213--00417-9073244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1—, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Änzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 23. Juli 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 29 1915 Wochenkalendcr (5675) njDn Juli Hb lom "to pnntfi Gottesdienste: Samstag 24 13 Morgens Haupsyn. 8'/a Herzog Rud.-Str. 7V2 Sonntag 25 14 Sabbath-Äusgang 8.48 Montag 26 15 TO nt^Dn Dienstag 27 16 Mittwoch 28 17 Donnerstag 29 18 Freitag 30 19 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6V4 Herzog Rud.-Str. 7 V4 Inhalt! N. W.: Friede im Innern. — Binia- —— min Segel: Nadwörna. — Dr. Joachim Friedenthal: Pogrom in Polen. — Bayerische Spendenliste für das Hilfswerk in Palästina. — Welt-, Zeitungs-, Literarisches Echo usw. Friede im Innern Das „Hamburger Israelitische Familienblatt" veröffentlicht an der Spitze seiner letzten Nummer aus der Feder des Syndikus der Hamburger Gemeinde, Dr. M. N. Nathan, einen Artikel unter dem Titel „Gegen den inneren Feind. Zu Tischah be-Aw." Darin mahnt der Verfasser angesichts der Größe des Unglücks, das mit dem Krieg das jüdische Volk in seiner Gesamtheit betroffen hat, zur Eintracht. „Die politischen Kämpfe im deutschen Judentum, wie sie sich durch die verschiedene Stellung zum Zionismus entwickelt haben, müssen verschwinden." Wir nehmen mit Vergnügen den Faden auf, den Herr Dr. N. M. Nathan zu spinnen begonnen. Denn allzu schroff sind sich nicht nur bis zum Ausbruch des Krieges, sondern bis heute, wir wir sagen müssen, weil wir nichts beschönigen dürfen, unsere Parteien gegenüber gestanden. Nicht daß es solche gibt, ist zu beklagen — das ist eine zur Binsenwahrheit gewordene Einsicht. Aber daß sich manche davon in der Wahl der Mittel vergreifen, wo es gilt, die Synthese zu finden, und in der Leidenschaft ganz und gar vergessen, daß wir trotz allen Unterschieden der Auffassung über Aufgaben und Zukunft des Judentums untrennbar zusammengehören, das ist so schmerzlich bei der Betrachtung dessen, was sich jahrelang unter uns abspielt. Nicht die gringste Schuld an den von Dr. N. M. Nathan bedauerten Zuständen trägt die jüdische Presse, dieselbe, die sich als Medium ebensowohl in den Dienst guter wie böser Absichten zwischen Autor und Leser stellen kann. Wir wissen zur Genüge, daß in der Zeitungswelt nicht alles engelrein ist. Das ist aber, sollte man annehmen, kein Grund, daß sich das jüdische Zeitungswesen, dem in überwiegendem Maße die Verteidigung gemeinsamer Interessen zufällt, von Auswüchsen nicht frei halte. Auch wir hoffen, daß es so wie bisher nicht weiter gehen werde, weil uns Arbeiten von noch unermeßlicher Größe bevorstehen, für die alle Kräfte zusammengefaßt werden müssen. Aber mit dem Wunsche allein ist es nicht getan. Um eine Besserung herbeizuführen, muß schon eine Aussprache über die Punkte, die bereinigt werden sollen, stattfinden. * * * Wenn die Presse, um zu konkreten Fällen aus jüngster Zeit überzugehen, ihre kulturelle Aufgabe erfüllen will, ist sie verpflichtet, auch dann, wann sie Partei ergreift, noch immer ein zutreffendes Spiegelbild der herrschenden Strömungen zu sein, d. h. sie darf nicht einseitig hervorheben, was ihr in den Kram paßt, und unterdrücken, was die andere Seite rechtfertigt. Das Gegenteil davon ist beispielsweise vor etlichen Monaten geschehen, als Nachrichten über eine zionistenfeindliche Haltung der türkischen Regierung verbreitet worden sind. Man stellte die Handlungen des Behaeddin-Bey so hin, daß weite Kreise der jüdischen Bevölkerung in Deutschland heute noch des Glaubens sind, sie wären ausschließlich gegen die zionistischen