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Das jüdische Echo · 1915-07-16 · 28 (16.7.1915) · p. Seite 223

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
28 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 223 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 223 Der Verfasser schließt das Kapitel, in dem diese Frage behandelt wird, wie folgt: „Es würden also nicht nur die Juden Rußlands alle Hoffnung verlieren, jemals ein menschenwürdiges Dasein führen zu können, sondern auch die mitteleuropäischen Juden, die seit einem Jahrhundert sich bürgerlicher Rechte erfreuen, würden entrechtet, in die mittelalterlichen Zustände, wie sie jetzt nur noch in Rußland herrschen, zurückgestoßen werden. — Das wäre die schrecklichste Niederlage und die schwerste Demütigung, die der ganze jüdische Stamm in der Welt erleiden könnte, viel schwerer als die schweren Leiden und wirtschaftlichen Verluste, die ihm der Krieg jetzt bereitet. — In erster Linie aber kann die Sache in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo die Juden zahlreich leben und in gewissen Bezirken in dichten Massen beieinander wohnen, bedrohliche Formen annehmen. — Haß und antisemitische Strömungen sind nur allzuleicht zu wecken. — Fänden die letzteren in Rußland einen zuversichtlicheren und siegreichen Helfer, der sich noch dazu auf die Unterstützung der Bundesgenossenschaft Englands und Frankreichs berufen könnte, — die amerikanischen Juden müßten einen schweren Kampf aufnehmen zur Verteidigung ihrer bürgerlichen Rechte, die sie von jeher uneingeschränkt genießen. Und wer weiß, wie dieser Kampf ausgehen würde!" Mit Aufwand großer Beredsamkeit und von hohem sittlichen Ernst getragen, bemüht sich Segel den amerikanischen Juden die Augen zu öffnen, daß sie erkennen, wessen Sache die objektiv gerechte ist und vor allem auf welcher Seite die Interessen des Gesamtjudentums zu suchen sind. Eigentlich sollte man meinen, daß es für einen Juden, gleichviel welchen Landes immer, undenkbar sein müßte, innerlich für die Sache der Entente Partei zu ergreifen. Und doch ist es Tatsache, daß nicht unbeträchtliche Teile )der Judenheit sich auf den Standpunkt Englands und damit zugleich Rußlands gestellt haben, in ungeheuerlicher Verblendung und Unkenntnis der unvermeidlichen Folgen, die ein Sieg jener Mächte zum höchsten Unglück des Oesamtjudentums nach sich ziehen müßte. England hat gleich zu Beginn des Krieges es unternommen, durch eine leidenschaftliche und unausgesetzte Propaganda das Urteil der Juden in der ganzen Welt für seine Sache zu gewinnen, indem es denselben vorspiegelte, daß der Sieg der Entente den Millionen Juden Rußlands bürgerliche Gleichberechtigung bringen werde. Und das ist ihm in weitem Umfange gelungen. (Es sei nur an die Agitation Zangwills* erinnert, gegen den Segel an mehreren Stellen mit schlagender Kraft polemisiert). In dem Buche „Der Weltkrieg und das Schicksal der Juden" ist auch viel Material zusammengetragen über die russischen Schandtaten in Rußland und Galizien seit Beginn des Krieges. Jeder Jude sollte dasselbe gründlich studieren und es sich in das Bewußtsein hämmern als erschütternde Anklage gegen den Zarismus und noch mehr gegen dessen Protektoren England und Frankreich. Segel hat als Bewohner Galiziens die russischen Greueltaten gegen die Juden dieses Landes selber mitangesehen und die Schilderungen dieser Greueltaten sind von erschütternder Wucht. Dies gilt besonders von dem Kapitel, das sich Nadworna betitelt. Es dürfte nicht überflüssig sein, hervorzuheben, daß das Buch in einem anmutigen und fließenden Stil geschrieben ist, in dem ein feiner satyrischer Ton mitklingt. Die Diktion, der hohe politische Ernst und das gründliche Wissen der Segeischen Schrift heben sie weit über die übliche Kriegsliteratur empor und machen sie zu einer überaus fesselnden und genußreichen Lektüre, Die Heuschreckenplage in Palästina Der eben aus Jaffa eintreffenden Nummer des „Hapoel Hazair" vom 2. Juni entnehmen wir folgenden Bericht über den Verlauf der jüngst ausgebrochenen Heuschreckenplage: Der Kampf gegen die neue Heuschreckengeneration nimmt in Palästina noch immer an Ausdehnung zu. Die Anstrengungen, den Besitz in den Vorratskammern vor den Kauzangen des Schädlings zu bewahren, sind außergewöhnlich. Aller Hände sind unaufhörlich an der Arbeit. Das Unglück ist um ein Vielfaches größer als die früheren. An einigen Orten gelang es jetzt, die Weinberge und Gärten vor der gänzlichen Vernichtung zu retten, an anderen arbeitet man verzweifelt, während der Schaden, der an manchen Orten schon mehr als 50 Prozent des Gesamtbesitzes betragen soll, immer größer wird. Ben-Schemen. Was wir fürchteten traf ein. Am Dienstag der vorigen Woche begannen sich gegen Abend die Heuschrecken über unser Land zu ergießen. Die ganze Nacht arbeitete man, um ihr Eindringen in das Ölbaumgebiet zu verhindern. Am Mittwoch nahm der Zustrom ab und es gelang das Kürbisfeld zu. retten. Am Abend des gleichen Tages begann von der entgegengesetzten Seite ein schrecklicher Schwärm über unseren ganzen Boden hereinzubrechen, und im Verlauf von einer halben Stunde waren die zwei Mandelbaumtäler ruiniert. Und am Donnerstag Morgen war alles zerstört: alle Ölbaumpflanzungen, der Weinberg, die Mandelbäume und die Hecken. Alles war abgefressen und nur die kahlen * Stöcke blieben. Grün blieben nur die Eukalyptusanlagen und vereinzelte Bäume. Alle unsere mühselige Arbeit war also umsonst. In den letzten drei Wochen gelang es uns, alle Schwärme, die sich von unseren Nachbarn in unser Land ergossen, zu vernichten und sogar die Mandelbäume zu retten. Aber was vermögen wir gegen einen so schrecklichen Schwärm, wie er nicht einmal in Hulda war, der keine Handbreit Erde freiläßt? Noch gibt es unzählige Heuschreckenschwärme. Die Wände der Hofmauer sind nachts vollständig von ihnen zugedeckt, so daß nichts von den Wänden zu sehen ist. Nachts suchen sich viele Leute Schlafstätten außerhalb der Häuser, denn die Zimmer sind voll Heuschrecken; von den bedeckten Dächern kommen sie in den Hof und fallen wie große Regentropfen unaufhörlich von den Wänden. Wir stehen vor einem völligen Ruin. Es gibt Bäume, deren Rinden sogar abgefressen sind. An vielen Pflanzen sind sogar die Äste völlig aufgefressen. Wir bedecken die Stämme mit dickem Papier, um sie zu retten; aber wer weiß, ob nicht der zweite Schwärm auch nicht das Papier frißt? Es waren Zwiebeln in einem Sack, und sie fraßen auch den Sack. Wenn sie auch das Papier fressen, dann ist alles verloren! Wenn wir die Stämme retten, dann ist Hoffnung vorhanden, daß die Ölbäume erhalten bleiben. Der Ölbaum kann sich erholen, auch wenn er ein halbes Jahr blattlos dasteht. Aber die 30 Dunam gepfropfte Mandelpflanzungen

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