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Das jüdische Echo · 1915-07-09 · 27 (9.7.1915) · p. Seite 215

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
27 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 215 Josef Chazanowicz Von Dr. Heinrich Löwe, K. Bibliothekar in Berlin. Der grausame Schnitter Tod hält so grimmige Ernte, daß es genug ist an denen, die wir in jedem Augenblicke wirklich verlieren, als daß es gar noch falscher Nachrichten von schweren Verlusten bedürfte, um uns zu erschüttern. Aber gerade in solchen Zeitläuften ängstigen bekanntlich eingebildete Verluste ebenso und mehr als die wirklichen. In diesem Zusammenhange begreift mau, daß uns die Todesnachricht unseres Dr. Josef Chazanowicz zukommen konnte, die scheinbar gut verbürgt an das Zentralbureau und von dort an mich gelangte, mit der Aufforderung dem Verstorbenen einige Worte zu widmen. Die tiefe Verehrung, die in allen Nachrufen zum lebendigen Ausdruck kam, zeugte davon, daß doch allmählich eine Ahnung von der Bedeutung aufsteigt, die Josef Chazanowicz für das wieder werdende Judentum gewonnen hat. Umso größer ist meine Freude, daß ich jetzt erfahre, daß die scheinbar so verbürgte Nachricht unecht war, und daß der prachtvolle Mensch lebt und weiter wirkt, dem die Nachrufe galten. Ich wünsche nur, daß ich noch öfters Gelegenheit finden möge, so ausgezeichnet enttäuscht zu werden. Und wenn das alte Sprichwort die Wahrheit sagt, daß einmal Totgesagte Aussicht auf ein besonders langes und frisches Leben haben, so soll es mir und allen gewiß nicht leid tun, daß wir eine Zeit lang durch die falsche Nachricht herzlich betrübt worden sind. Aber dabei darf es nicht bleiben. Wir dürfen diesen Anlaß nicht unbenützt vorübergehen lassen. Die Würdigung, die Chazanowicz als Zionist und Mensch, als Jude und als Arzt empfangen hat, sollte dazu führen, daß man ihm noch bei Lebzeiten zeigte, daß man endlich die ungeheuere Wichtigkeit seines hauptsächlichsten Lebenswerkes begriffen hat. Wenn heute wir Juden Palästina friedlich durch schaffende Kultur durchdringen wollen, wenn wir ur.ter der gerechten Herrschaft seiner rechtlicher Besitzer hebräische Kultur aufwachsen lassen wollen, so ist der erste, der diesem Kulturgedanken konkrete Form gegeben hat, eben Josef Chazanowicz. Dadurch daß er erkannte, daß nur der Bücherschatz die Kulturgedanken nach Jerusalem bringen und erneuern könnte, dadurch, daß er durch Sammlung einer Jerusalem - Bibliothek diesem Gedanken greifbare Form verlieh, legte er die wahre Grundlage zu allen künftigen Kulturarbeiten im Heiligen Lande. Er verstand, daß jedes Buch, ob jüdischen oder nichtjüdischen Inhalts, dazu beitragen müßte, Kultur auf dem Wege des Judentums in Jerusalem zu wecken. Er sah es ein, daß d i e Nation im palästinensischen Völkergemisch die Führung haben werde, die in der Schaffung der Kultur vorangehen und ihre Eigenart darin zum Ausdruck bringen würde. Deshalb setzte er die Arbeit und die ganze Frucht eines reichen Lebens daran, durch die Gründung einer Bibliothek die Unterlagen einer jüdischen allgemeinen und volkstümlichen Kultur zu legen. Wer die Arbeit eines Chazanowicz nicht bloß mit Worten prüfen will, der kann ihn nicht mehr ehren, als wenn er die Lebensarbeit des greisen \Orkämpfers aufnimmt, um seinen Ideen zur Wirklichkeit zu verhelfen. Dies war auch einer der Hauptgründe, die einen kulturell und jüdisch gesinnten Kreis vermochten, zur Gründung einer zukünftigen hebräischen Universität zu Jerusalem das Fundament durch Schaffung der zukünftigen Universitäts-Bibliothek Jerusalem zu legen. In der kurzen Zeit nach Fassung dieses Beschlusses, vor dem Kriege sind immerhin an die Hauptsamnielstelle in Berlin rund 8000 Bände gelangt:;:), die hier katalogisiert, geordnet und überhaupt bibliotheksfertig gemacht werden. Der Krieg hat diese Sammelarbeit verlangsamt. Immerhin haben viele junge Leute, die ins Feld hinausgingen, vorher letztwillig ihre kleinen Büchereien der hebräischen Universitäts-Bibliothek Jerusalem vermacht und mit schwerem Herzen haben wir bereits solche Büchersendungen von jungen Freunden empfangen, die in dieser Gestalt ihren letzten unvergänglichen Gruß ihrem Lebensideal übersandten. In den Exlibris ihrer Bücher wird der Name der jüdischen Nachwelt im Lande ihrer Sehnsucht erhalten bleiben. Aber im allgemeinen traten natürlich diese Sammlungen von Büchern mit ihrem ewigen Wert hinter dringenden Aufgaben des blutigen Augenblicks zurück. Aber wir hoffen, daß die friedliche Zeit nicht mehr fern sein kann, wo wir in alter Treue die Sammelarbeit, die auch jetzt keineswegs ruht, im Sinne von Dr. Josef Chazanowicz in vollem Maße wieder aufnehmen werden, um in kurzer Zeit das Kulturgebäude der Bücher in Jerusalem errichten zu können, das, von wem und wo es immer geleistet werden sollte, doch nur eine Fortsetzung und ein Weiterbau der von Josef Chazanowicz gegründeten Bibliotheks arbeit für das Land Israel ist. Man hat Chazanowicz totgesagt, und er lebt. Aber er wird immer leben, so lange jüdische Kultur und jüdisches Geistesleben existiert. Denn dieser Mann mit dem weichen und flammenden Kindergemüt hat allein durch seinen Opfermut und seine unermüdliche Schaffenskraft, durch seinen Ideenmut und seine restlose Hingabe die Bahn gebrochen, daß jüdische umd hebräische Bibliotheken im Land Israel das Rüstzeug zu einem neuen Kulturbau des jüdischen Volkes im Lande seiner Ahnen und seiner Zunkunft sein werdjen. Wer Josef fChazanow-icz 'ehren will, trage dazu bei, daß seines Geistes und Herzens Werk ausgebaut werden. Jedes Buch, das für die Jerusalem-Bibliotheken gespendet wird, trägt dazu bei, auch den Namen Josef Chazanowicz zu ehren und mehr und mehr die Größe und Richtigkeit seiner Ideen greifbar zu machen. Die Bergjuden von Daghestan Ein unbekannter Kaukasusstamm. Von J. M. M er ich **) Der Kaukasus ist zweifellos der Felsen, an dem die russische Macht endgültig zerschellen wird. Der düstere gigantische Gebirgszug mit seinen starren Gipfeln, seinen dunklen Schluchten, seinen zackigen Kämmen, er birgt mehr als eine geheime Gefahr für den Zarismus, für das Moskowitertum. Scheinbar sind die Stämme, die in den Aulen gleich Adlern in unzugänglichen Horsten wohnen, von den Russen unterjocht und stehen unter russischer Herrschaft, doch der Geist der Freiheit, der in diesen Bergen wohnt, kann auf die Dauer *.) Hauptsammelstelle: Kgl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 52, Flemingstr. 12. **) Mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion und des Verfassers der Wochenschrift „Zeit im Bild" entnommen.

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