Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 26 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102856-9116045--00396-9073223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 26 Das Jüdische Echo 211 er noch einen zweiten Pfeil in Bereitschaft. Mißlänge der erste Schuß, dann soll der andere der Rache dienen. Freunde, der zweite Pfeil des Zionismus ist für Mauscheis Brust bestimmt! Welt-Echo Jüdische Arbeiterkonferenz in New-York. Am 18. April wurde in New-York eine Konferenz von Delegierten aller jüdischer Arbeiterparteien abgehalten, um über eine gemeinsame Aktion aller jüdischen sozialistischen Parteien für die Rechte der Juden in Osteuropa zu beraten. Leider ist aber der Zweck der Konferenz, die Vereinigung der Parteien zu einer gemeinsamen Aktion, nicht erreicht worden. Durch das kleinliche und parteimäßige Vorgehen derjenigen Gruppen, welche den nationalen sozialistischen Parteien (Poale-Zion, Sozialisten-Territorialisten und nationaler Arbeiterring) nicht das Recht zugestehen wollten, im gemeinsamen Exekutivkomitee gleichmäßig vertreten zu sein, waren die Delegierten der genannten drei Parteien, welche die Initiatoren der Konferenz waren, gezwungen, die Konferenz zu verlassen. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Es ist eine nationale jüdische Arbeiterkörperschaft in den Vereinigten Staaten zum Kampf für das jüdische Recht zu schaffen. 2. Es ist die Sympathie der amerikanischen Arbeiterschaft zugunsten der jüdischen Rechte zu erwerben. 3. Es ist auf die amerikanische Regierung zu wirken, daß sie bei dem kommenden Friedenskongreß ihren Einfluß dahin geltend macht, daß die Juden in Rußland, Rumänien usw. die politische, bürgerliche und nationale Gleichberechtigung mit den übrigen Einwohnern der entsprechenden Länder erhalten. 4. Man wende sich an die Sozialisten aller Länder, daß sie sich bei den jeweiligen Regierungen für die jüdische Gleichberechtigung einsetzen. 5. Es ist eine Protestbewegung der ganzen jüdischen Bevölkerung New-Yorks gegen die Barbarei des Krieges und gegen die russischen Judenverfolgungen in Rußland, Polen und Galizien zu organisieren. Ueber ihren Austritt aus der Konferenz haben die Delegierten der Poale-Zion eine Erklärung abgegeben, in welcher darauf hingewiesen wird, was die Poale Zion taten, um die Parteien zu einigen und die Konferenz zustande zu bringen. Die anderen sozialistischen Parteien hätten aber, gegen jedes Prinzip von politischer Ethik, hinter dem Rücken der drei nationalen sozialistischen Parteien das sozialistische Arbeiterkomitee gebildet, von dem sie die drei Parteien ausgeschlossen hätten. Die Erklärung protestiert gegen diejenigen, welche aus der nationalen Sache Parteikapital schlagen wollen. Sven Hedin über die jüdische Frau. Der berühmte schwedische Forschungsreisende Sven fiedin hat bekanntlich infolge einer Einladung der deutschen Heeresleitung sowohl den östlichen wie den westlichen Kriegsschauplatz besucht. Von seinem Besuch an der Ostfront erzählt ein Korrespondent folgende Episode: Als wir morgens beim Frühstück saßen, kamen plötzlich die Eigentümer unserer Wohnung, welche vier Tage früher geflüchtet waren, aus Furcht vor dem Straßenkampf, der in der Stadt getobt hatte. Die Eigentümer der Wohnung waren Juden. Ein hagerer junger Mann kam in Begleitung seiner Frau und einem kleinen Mädchen. Zwei schöne blonde Zöpfe hingen über dem Kleid des Mädchens herab und auf dem Kopfe trug es ein Tuch, wie es die polnischen Frauen tragen. Das junge Mädchen fragte mich, ob wir die Wohnung in diesem Zustande gefunden hätten, ich antwortete ihr, daß das deutsche Militär die Stadt Lodz ja im Gouvernement Sulwalki erst gestern besetzt hatte und wir die Wohnung so getroffen haben, wie sie ist. Das Mädchen erzählte mir darauf von der Grausamkeit der Russen gegen die Juden und nannte die Namen von einigen Juden des Ortes, welche ermordet worden sind. Über ihr kluges Gesicht war der Ausdruck einer großen Trauer und Sorge gebreitet. Ich sprach mit ihr polnisch, mein Kollege deutsch und Sven Hedin russisch. Sven Hedin hat das Mädchen mit forschenden Augen .angesehen und uns dann später über es folgendes gesagt: „Sie ist überaus schön und in ihrem Gesicht liege eine solche Lieblichkeit und Reinheit, die ich bei Mädchen und Frauen der frommen Juden, in Polen schon vielmals gesehen habe und welche mich fortwährend erinnert an die jüdischen Gestalten der Bibel". „Die Juden in Rußland", fuhr er weiter fort, „leben in schwerer Bedrängung, äußerlich sind sie arm, innerlich aber reich, davon sprechen sehr deutlich ihre Gesichter. Viele bemerken ihre Schönheit nicht, weil sie nur die Frau in ihnen sehen. Um die Schönheit zu sehen, muß man sie mit den Augen des Künstlers betrachten". Der Korrespondent beendigt seinen Artikel folgendermaßen: „Ich werde niemals das Bild vergessen, wie der berühmte Forscher, der in aristokratischem Geist erzogen und mit. Salondamen zu verkehren gewohnt ist, sich mit dem armen, aber sehr schönen jüdischen Mädchen in ein Gespräch einließ und von ihr einen solch tiefen Eindruck empfing". (Aus dem „Lodzer Volksblatt.") Ein Kriegsfreiwilliger aus Palästina. In einem der Krakauer Festungsspitäler befand sich durch einige Wochen der Korporal Scharfsohn, dessen bisheriges Curriculum vitae ebenso interessant als rühmlich erscheint. Seine Eltern waren infolge der russischen Judenverfolgungen nach Galizien geflohen, wo sich der Vater als Handwerker redlich durchbringt. Der junge Scharfsohn wanderte vor drei Jahren nach Palästina aus und arbeitete als landwirtschaftlicher Arbeiter in der Kolonie Merchawja. Zu Beginn des Krieges meldete er sich, obwohl noch russischer Untertan, freiwillig zur Dienstleistung im österreichisch-ungarischen Heere und wurde vom österreichisch-ungarischen Konsulat in Jerusalem mit anderen Wehrpflichtigen auf dem Landwege über die Türkei nach der Monarchie befördert. Die Reise dauerte mehrere Wochen und war mit großen Schwierigkeiten verbunden. Scharfsohn wurde in einem steirischen Städtchen beim Infanterie-Regiment Nr. 30 abgerichtet und meldete sich nach kurzer Zeit zu der eben abgehenden Marschkompagnie. Er verbrachte vier Monate im Schützengraben und machte die Offensivaktion im Mai mit. Trotzdem er in den letzten Wochen an heftigen Fieberanfällen litt und ihn der Regimentsarzt ins Spital schicken wollte, weigerte er sich, die Truppe zu verlassen. In kurzer Zeit wußte er sich durch seine Tüchtigkeit, Strammheit und Unerschrockenheit die Sympathien seiner Vorgesetzten zu erwerben. In einer schweren Situation meldete er stich freiwillig zur Brotfassung hinter der Schwarmlinie und versorgte die Kompagnie unter Lebensgefahr mit Proviant für die nächsten Stunden. Er wurde hierfür zum Korporal befördert und für die silberne Tapferkeits-