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Das jüdische Echo · 1915-07-02 · 26 (2.7.1915) · p. Seite 210

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
26 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 210 (sequence 6)
Language
German
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210 Da« Jüdische Echo Nr. 26 Aber es kam die Zeit, unsere Zeit, wo auch die Flucht aus der Religion den Juden nicht mehr von der Solidarität mit Mauschel befreien kann. Die Rasse! Als ob Jude und Mauschel von derselben Rasse wären. Der Gegenbeweis war freilich schwer zu erbringen, und vor dem Antisemitismus schienen Jude und Mauschel für immer unauflöslich, rettungslos verbunden. In solchen Zeiten pflegt wohl mancher Mauschel vom Judentum abzufallen, ein Jude sicher nicht. Da trat der Zionismus auf — Jude und Mauschel mußten zu dieser Frage Stellung nehmen. Und jetzt, jetzt zum erstenmale hat Mauschel dem Juden einen moralischen Dienst von unverhoffter Größe erwiesen. Mauschel sagt sich von der Gemeinschaft los, Mauschel ist — Antizionist. Man möge uns nicht mißverstehen. Wir sind nicht so verbohrt und verrückt, wie man uns gerne darstellen möchte. Wir erklären nicht jeden Gegner unserer Ansichten und unserer Bewegung für einen schlechten Kerl. Es gibt sehr hohe, sehr respektable Gründe, aus denen ein Jude an dieser Volksbewegung für seine Person nicht teilnehmen kann, oder will; aber darum braucht er sie noch nicht zu verdächtigen und zu bekämpfen. Die Haltung eines Juden, der nicht mit der zionistischen Bewegung gehen will, ergibt sich eigentlich von selbst; er stellt sich abseits. Er ist seiner andersgläubigen Umgebung so vollkommen assimiliert, daß ihn die Geschicke der Juden nichts mehr angehen. Er hat vielleicht nur aus Anständigkeit, aus Stolz das äußere Band nicht zerrissen. Er kümmert sich nicht um die ehemaligen Volksgenossen, so kann er sicher sein, daß auch sie nichts mehr von ihm wissen wollen. Doch je weiter er vom Judentum schon abgekommen ist, um so achtungsvoller wird er die Regungen dieses ihm fremden Volksbewußtseins betrachten müssen. Vielleicht versteht er auch, daß seine Lage durch diese Bewegung nicht schlechter, sondern besser wird. Sie ermöglicht ihm die Lossagung vom alten Volke, den Anschluß an ein anderes, dem er sich verwandter fühlt ohne beschämende Konzessionen. Er ist einfach kein Zionist, er ist aber auch kein Antizionist. Er bleibt neutral, kühl, fremd. Und wenn er innerlich ganz im Gleichgewicht ist, wird er als Fremder die menschenfreundlichen Absichten der Zionisten billigen und unterstützen, wie es unsere christlichen Freunde tun, die den verschiedensten Völkern angehören. Mauschel hingegen ist Antizionist, und zwar in lärmender, belästigender Weise. Mauschel höhnt, schimpft, verleumdet und denunziert. Denn Mauschel spürt, daß es ihm jetzt endlich an den Kragen geht. Er hat das sofort, noch bevor der Zionismus alle Batterien demaskierte, auf eine beinahe geniale Weise erraten. Mauschel hat auch eiligst ein tückisches Schlagwort gegen die Zionisten ausgegeben: sie seien jüdische Antisemiten. Wir? Wir, die uns ohne Rücksicht auf unsere erworbene Stellung und unser Vorwärtskommen vor aller Welt als Semiten bekennen, die Pflege unseres alten Volkstums hochhalten, zu unseren armen Brüdern stehen. Aber er hatte blitzschnell heraus, was wir sind. Mauschelfeinde sind wir! Mauschel hatte sich mit dem Antisemitismus schon so gut wie abgefunden. In den Kulturländern geht es ja den Juden nur an die Ehre. Mauschel zuckt die Achseln: was heißt Ehre? Wozu braucht man die Ehre? Wenn die Geschäfte gehen und man gesund ist, läßt sich das Übrige ertragen. Für den schlimmsten Fall richtet Mauschel seinen Blick ins Weite, aber nicht nach Zion, sondern nach irgend einem Lande, wo er allenfalls bei einer anderen Nation unterschlüpfen könnte. Dort angelangt, spielt er sich nach kurzer Zeit auf den Chauvinisten hinaus, erteilt Unterricht im neuen Patriotismus und verdächtigt alle, die nicht sind wie er. Dabei begeht er die wunderliche Inkonsequenz, sich von den Juden loszusagen und zugleich in ihrem Namen zu sprechen. So kommt es, daß wir manchmal vön ernsten Freunden unserer Sache die Bemerkung hören müssen: „die Juden selbst wollen ja vom Zionismus nichts wissen." Die Juden? Nicht doch! Nur Mauschel nicht! Kein wahrer Jude kann Antizionist sein, nur Mauschel ist es. Wohlan, er sei es. Das macht uns von ihm frei. Das ist eine der ersten, eine der wohltätigsten Folgen unserer Bewegung. Wir werden erleichtert aufatmen, wenn wir diese Leute, die wir mit heimlicher Scham als Volksgenossen behandeln mußten, ganz und gar los sind. Sie gehören nicht zu uns — aber wir auch nicht zu ihnen! Sieht man nun schon allmählich, welch eine gesunde Volksbewegung unser Zionismus ist; wie wir dahin gelangen werden, uns von den schmachvollen Elementen zu säubern? Weg mit der faulen Duldung. Wir brauchen über Mauscheis Streiche nicht mehr zu erröten, wir brauchen sie nicht zu verschweigen, nicht empfindsam zu verteidigen. Ah, wir sind Narren? Nun so verrückt sind wir nicht, noch länger für Mauschel die Verantwortung zu tragen. Mehr noch: der Feind soll wie ein Feind behandelt werden. Herunter von der Kanzel, Mauschel, die du als Protestrabbiner mißbrauchst, wir wollen erst wieder in die gereinigten Synagogen gehen, in denen gute Juden als Rabbiner auch für die. Armen beten. Hinaus, Mauschel, aus allen Vertretungen des Jüdischen Volkes, das du nicht zu kennen behauptest. Und ist es wahr, daß nur die Gedrückten, nicht die Mächtigen am Zionismus hängen, dann soll die versammelte Kraft der Unglücklichen aufgeboten werden. Wir wollen sehen, wie sich die Dinge gestalten, wenn wir den Boykott auf allen Gebieten gegen Mauschel ausgeben. Wenn wir alle die förmlich von uns absondern, die sich gegen unsere Volksgemeinschaft verwahren, wird man in diesen Ausgeschiedenen eine seltsam gemischte Gesellschaft zu sehen bekommen. Da ist der Finanzier, der so viel Butter auf dem Kopf hat, daß er sich vor einem ebenso verdächtigen Mauschel, vor dem journalistischen Erpresser, fürchtet und diesen füttert. Da ist der Advokat mit seiner Kundschaft, die sich an den Grenzen der Paragraphen aufhält. Da ist der rotgeschminkte Politiker, der jetzt den Sozialismus betreibt, ausnützt und entwertet. Da sind die zweifelhaften Geschäftsleute, die falschen Ehrbaren, die heuchlerischen Frommen, die verlogenen Biedermänner, die findigen Ausbeuter . . . Mauschel, nimm dich in acht! Da ist eine Bewegung, von der selbst die Judenfeinde gestehen, daß sie nicht verächtlich ist. Es soll ein Abfluß unglücklicher, wirtschaftlich und politisch schwerbedrohter Menschen nach einer dauernden Heimstätte, unter rechtlichen Sicherheiten eingeleitet werden. Dagegen sträubst du dich, Mauschel? das willst du durch Perfidien verhindern, weil du keinen unmittelbaren Vorteil für dich siehtst? Was hast denn du jemals für deine „Brüder" getan? Entehrt hast du sie, geschadet hast du ihnen, und wenn sie sich nun selbst helfen wollen, fällst du ihnen in den Arm. Mauschel, nimm dich in acht! Der Zionismus könnte es halten, wie Teil in der Sage. Wenn sich Teil anschickt, den Apfel vom Haupte seines Sohnes zu schießen, hat

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