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Das jüdische Echo · 1915-07-02 · 26 (2.7.1915) · p. Seite 208

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
26 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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208 Das Jüdische Echo Nr. 26 Zweig der Hilfe für unsere armen palästinensischen Juden gibt, der nicht seit Jahren gerade von dieser ältesten Institution gefördert wird: Schulen, Handwerk, Gewerbe, Suppenküchen, Kolonisation, Darlehenskassen usw. Da sollte man doch glauben, wenn es sich um ernstliches Organisationsbestreben handelt, daß man Mittel und Wege sucht und findet, sich dieser Vereinigung, welche die älteste ist und in allen Kreisen der orientalischen Judenheit das ungeteilte Vertrauen hat, anzuschließen. Allerdings müßte man dann eo ipso zugeben, daß alle Unternehmungen, wirklich jüdisch, d. h. auf der Grundlage des Religionsgesetzes geführt würden. Dieser Gedanke lag dem Gründer des Zionismus durchaus nahe. Ich werde nie eine Unterhaltung vergessen, die ich mit dem sei. Dr. H e r z 1 hatte, dessen Jahrzeittag ja nächster Tage ist, wobei der Verstorbene in seinem bekannten Idealismus auch den Einwand erhob, warum die Orthodoxen sich nicht geschlossen dem Zionismus anschlössen, um daselbst die Dinge eben nach den religiösen Prinzipien zu leiten. Und als ich ihm entgegnete, das sei nicht möglich, solange das Statut nicht klipp und klar das Religionsgesetz als führende Macht anerkenne, meinte er, das müsse später selbstverständlich kommen, man wolle nur erst die indifferenten Massen dem Judentum wieder näherbringen, eine jüdische Organisation von der gedachten Größe müsse jüdisch arbeiten-- Jahre sind seitdem vergangen, wohl wurden Massen dem Zionismus zugeführt, aber Sie werden mir zugeben, die große Masse der Ostjuden könnte nur einer wahrhaft jüdischen Organisation beitreten und erst* dann könnte im Geiste der jüdischen Religion all unsern armen Brüdern geholfen werden und eir, Zusammenschluß leichter von Statten gehen, was allen Organisationen so sehr Not tut. Möge unsere ernste Zeit alle zu diesem Schritt aufrütteln! Ein solcher Gedanke am Jahrzeittage Herzls wäre im Sinne des Verklärten. * * * Nachwort der Redaktion: Herr Abraham Grünbaum, der sich als Führer der Agudas Israel außerordentliche Verdienste um das bedrängte Palästina und in der Fürsorge für die galizischen Flüchtlinge in Österreich-Ungarn erworben hat, sendet uns die obigen Zeilen, die zeigen, daß wir mit unserer Kritik an der Art, wie die zahlreichen Sammlungen ohne Zentralstelle verwendet werden, den Hebel am richtigen Ort eingesetzt haben. Ohne die Worte des geschätzten Einsenders abschwächen zu wollen, sei uns gestattet, auf zwei Punkte in aller Kürze hinzuweisen, in denen wir verschiedener Ansicht sind. Wir haben in unserem Leitartikel keinen Ausdruck gebraucht, der die Meinung aufkommen lassen könnte, daß wir die gerade in Kriegszeiten getane Arbeit der „Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung" nicht als höchst ersprießlich für ganz Palästina ansehen. Es fällt uns auch nicht ein, die historische und gegenwärtige Bedeutung der Chalukkah zu bezweifeln, wir geben auch gerne zu, daß sie in den letzten Jahren durch die an ihr vielfach geübte Kritik tatsächlich einen Systemwechsel zum Bessern vollzieht, sind aber noch immer der Ansicht, daß er nach der sozialpolitischen Seite vollkommener werden kann und muß zu Nutz und Frommen der Nachkommenschaft des alten Jischubs. Und was das Verhältnis der Gesetzestreuen zum Zionismus betrifft, steht durch die Angehörigkeit gar vieler solcher, die unentwegt in der zionistischen Organisation ausharren und mitarbeiten, fest, daß das Fernbleiben der frommen Kreise aus religiösen Gründen sich wohl nicht rechtfertigen läßt. Denn die offiziellen zionistischen Institutionen nehmen auf ihre Gefühle durch Beobachtung der Tradition ebenso Rücksicht wie die Leitung den religiös liberalen Zionisten als; Privatpersonen die Freiheit der Überzeugung lassen muß. Der Zionismus darf nach keiner Seite einen Gewissenszwang ausüben, soll ihm die Absicht, die Judenheit für ein gemeinsames Ziel zu begeistern, gelingen, womit einer inneren, von einem äußerlichen Druck freien Entwicklung der Zionisten zu einer religiösen Kultur in keiner Weise vorgegriffen wird. Daß dieser Grundsatz der Unparteilichkeit weise ist und stichhalten kann, möge dem verehrten Verfasser der vorhergehenden Zeilen dadurch klar werden, daß er selbst in toleranter Gesinnung für ein Zusammengehen aller Vereinigungen eintritt, ohne nach der Stellungnahme der einzelnen Personen zum religiösen Problem zu fragen, wenn nur nicht in der Ausübung der Aufgaben gegen die Gebote der Thora Verstössen wird. Und dabei kommt es, wie Theodor Herzl zutreffend bemerkt hat, nur darauf an, daß die Thoratreuen den ihnen kraft ihrer Leistungen zukommenden Einfluß zu erlangen suchen, ohne daß sie die anderen vergewaltigen wie diese wiederum zweifellos jenen durch Zugeständnisse die gebührende Achtung nicht versagen werden. Wir hoffen, daß die Mahnung des Herrn Grünbaum nicht wirkungslos verklingen wird, wie ja auch unsere Ausführungen erfreulicher Weise günstigen Widerhall gefunden haben, da sich schon einzelne Stimmen hervorwagen, die ein Zusammenwirken der verschiedenen Körperschaften befürworten (s. auch das Zeitungs-Echo). Und wir zweifeln nicht, daß die maßgebenden Persönlichkeiten dem Rufe nach Einigkeit ihr Gehör nicht versagen werden, wenn die Spender selbst sie wissen lassen, diaß sie ihre Gaben aus herzlichem Mitleid zur Linderung von Notständen und nicht zu dem Zwecke gegeben haben, daß die Vereinigungen damit eine dem Geist der Zeit und der Größe der Not unangemessene kleinliche Politik der Eifersüchtelei und des Wettrennens betreiben. Zeitungs-Echo „Der Israelit" schließt sich, was wir mit Genungtuung verzeichnen, in einem redaktionellen Artikel vom 17. Juni, betitelt „die Hülfsaktionen für Erez Israel und den nahen Osten" durchaus unseren Ansichten an, die wir bereits am 11. Juni an leitender Stelle mit der Überschrift „Zersplitterung oder Vereinigung" ausgesprochen haben. Im selben Sinne wie wir begrüßt er die Zweckmäßigkeit getrennter Sammlungen, bespricht er das Auftreten der A. J. K. O. und beurteilt die Gefahr, welche die unzusammenhängende Arbeit der großen Vereinigungen in einer gemeinsamen Angelegenheit heraufbeschwören kann und sicherlich wird: „Neuerdings ist nun ein viertes Comite in die Öffentlichkeit getreten, das sich den etwas anspruchsvollen Namen „Zentral-Hülfskomite für Palästina" beilegt, das aber keineswegs die vorhandenen Organisationen und Sammlungen zusammenfassen oder in Fühlung bringen will, sondern einfach eine vierte Sammlung den drei anderen hinzufügt. . . An sich erblicken wir in der Vielfältigkeit kein Übel, weil dadurch sicherlich letzten Endes mehr Kräfte mobil gemacht und

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