Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 26 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 26 Das Jttdlsche Echo 207 weil auch sie in ihm die einzige Lösung der Judenfrage sehen, ist im Grunde genommen belanglos, weil es nicht allein den Ausschlag gibt. Denn „auf die treibende Kraft kommt es an. Und was ist diese Kraft? Die Judennot", wie Herzl in seiner Einleitung zum „Judenstaat" sagt. Und in diesem von Herzl in die Welt hinausgestossenen Schrei der Erkenntnis liegt die Bedeutung des „Judenstaates" für uns Juden von heute. „Wer wagt zu leugnen, daß diese Kraft vorhanden sei?" N. W. Theodor Herzl mit Vertretern der kaukasischen Bergjuden auf dem sechsten Kongreß „Vereinigung od. Zersplitterung" Von Abraham Grünbaum in Nürnberg. Mit großem Interesse las ich Ihren Leitartikel in Nr. 23: „Vereinigung oder Zersplitterung". Denn in der heutigen Zeit des namenlosen Jammers unserer Brüder des Ostens, nicht nur der Palästinenser, sondern auch der polnischen, russischen und galizischen Juden, sollte man wirklich glauben, alle führenden Geister kennten kein höheres Gebot, als vereint einzutreten für die Linderung solchen Elendes. Aber zu meinem Leidwesen glaube ich zu bemerken, daß selbst heute bei vielen Vereinigungen die Politik über die praktische Arbeit geht. _ Wie sehr wir unter dem Mangel an jeder Einheitlichkeit und Organisation leiden, kann man am besten beobachten in den großen Flüchtlingszentren der österreichisch-ungarischen Monarchie. Alle großen und alten Organisationen versagten angesichts der ungeheueren leiblichen und geistigen Not, die da herrschte, jede arbeitete auf eigene Faust. Die einzige Vereinigung, welche systematisch nach beiden Seiten mit Erfolg eintrat, ist die junge Agudas Israel, die noch nicht einmal fest gefügt ist. Ihr Leitartikel, der das Bedürfnis des Zusammenschlusses in hohem Maße anerkennt, zeigt aber, daß dieser noch sehr ferne ist. Denn auch Sie führen wiederum irrtümlicherweise die Tätigkeit der Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung als eine reine Chaluka-Institution vor, um, bewußt oder unbewußt, deren Tätigkeit als minderwertig einzuschätzen. Nun ist aber bekannt, daß es keinen