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Das jüdische Echo · 1915-06-18 · 24 (18.6.1915) · p. Seite 191

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
24 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 191 für das Leben des jüdischen Volkes und des Einzelnen, und versteht die Absichten, die in unserem Qaluth verwirklicht werden sollen, aus ihnen heraus ohne weiteres. Die Kenntnis des biblischen Schrifttums, der Prophetenworte und besonders der biblischen Geschichte darf bei einem Leser der jüdischen Geschichte nachgerade vorausgesetzt werden. Im weiteren fesselt daran besonders die Darstellung der Parteien: Pharisäer, Sadduzäer und Essäer unsere Aufmerksamkeit in ihrer Neuartigkeit, wie wir sie aus den hebräisch geschriebenen Arbeiten des leider so plötzlich heimgegangenen Hamburger Historikers Isaak Halevy kennen, deren Resultate Kottek eben einem großen Leserkreis zugänglich machen will. Nach dieser Auffassung überschätzen wir die Bedeutung der Sadduzäer, wenn wir sie als Vorkämpfer des Hellenismus betrachten. Der Ausgleich zwischen den heimischen und hellenischen Anschauungen war nicht ihr Ziel: ihr Motiv war ein rein egoistisches, es lag in der Herrschsucht, in dem eisernen Willen, unter allen Umständen die Staatsgewalt in Händen zu halten. Ueber den Kampf zwischen Hellenismus und Judentum erfahren wir konkret und anschaulich aus den Schilderungen der Kämpfe gegen Antiochus und die Syrer, und ebenso empfinden wir auch die inneren Gegensätze zwischen Rom und Juda aus den Darstellungen der Römerzeit bis zum zweiten Untergange von Staat und Tempel, wie sie uns der Verfasser darbietet. Zu weit ausholenden kulturhistorischen Betrachtungen über „Hellenismus und Judentum" und „Judentum und Rom" war deshalb keine Veranlassung, ganz abgesehen von der Raumfrage; noch weniger war die reiche Literatur über diese Fragen zu berücksichtigen; bekanntlich besitzen wir von verschiedenen Autoren recht brauchbare Arbeiten über diese Gegenstände. In dem 2. Buche dieses Werkes: „Von der Zerstörung des Tempels bis zum Erlöschen des Gaonates" tritt uns aufs neue der Geist der Halevyschen Arbeiten entgegen, die Kottek in anschaulicher Gestaltungskraft darbietet. Es ist speziell der jungen Generation von unschätzbarem Nutzen für das Verständnis der talmudischen Diskussion, daß hier in leichtfaßlicher Form die Zeitalter der einzelnen Gelehrtengeschlechter dargeboten werden, und so kann gerade dieses Kapitel besonders der heranwachsenden Jugend, die wir dem Talmudstudium zuführen, nicht eindringlich genug empfohlen werden. Aehnliches gilt auch für einzelne Teile des 3. Buches. Wir denken dabei an das Kapitel über die Tossafisten. Neuartig in diesem 3. Buche ist auch die Schilderung der „vier Gefangenen", die im Gegensatz zu den bisherigen Darstellungen diese Großen aus Italien kommen läßt. In der Charakteristik all der Großen in Israel im Mittelalter und in der Neuzeit bemüht sich Kottek mit Recht, stets das Verhältnis der einzelnen zu den Quellenschriften des Judentums ausführlich darzustellen, so daß wir dadurch vertraut gemacht werden mit der Art und Weise, der Methode, wie in den einzelnen Jahrhunderten der Lehrinhalt des Judentums zum Gegenstande der Forschung gemacht wurde. Der Leser liest nicht bloß Namen von Autoren und Büchern, sondern vor seinem Auge erstehen plastisch die Großen Israels in ihrer Bedeutung für das Judentum. Ganz von selbst drängt sich uns der Gedanke auf: Wer wissen will, was Judentum ist. der muß zu diesen Werken greifen, sich von ihnen. führen und beraten lassen. Da wird er auf alle Fragen des sittlichen und sozialen Lebens des Einzelnen und der Gesamtheit Antwort erhalten, kurzum er wird erfahren, daß das Judentum verstehen, es leben heißt. Die Werke, die mehr über das Judentum als vom Judentum sprechen, werden wohl von Kottek beachtet und erörtert, Philosophie und schöngeistige Literatur stehen aber nicht im Vordergrunde — „praktisches Judentum" isit die Devise des Buches. Objektiv gerecht ist auch die Stellungnahme des Autors zu all jenen tiefgehenden Differenzen zwischen Jden Großen der einzelnen Jahrhunderte, den geistigen Strömungen und dergleichen. Geradezu Kabinettstücke historischer Darstellung sind die Kapitel über die Juden in Polen, Jonathan Eibeschütz, Jecheskel Landau, über den Chassidismus. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß solch posthume Werke vielfach noch der verbessernden Hand des Autors bedurft hätten zur Vermeidung mancher Mängel, die aber dem Ganzen keinen wesentlichen Abbruch tun. Und so sei es gestattet, für eine 2. Auflage des Werkes auf einzelnes hinzuweisen. Das Buch bedarf im ganzen einer strafferen Systematik, besonders zu dem Zwecke, den Synchronismus nach einzelnen Ländern der mittelalterlichen Geschichte klarer zu stellen. So wird es vermieden, etwas heterogene Kapitel von einander fernzuhalten und möglich sie qualitativ zu ordnen, statt sie zu koordinieren, wie z. B.: Josef Karo, die Vertreter der Kabbala, R- Jesaia Hurwitz, Sabbatai Zebi. Diese Zusammenstellung muß vermieden werden. Daraus erklären sich manche Mißverständnisse über das Buch. Wir vermissen manche Tatsachen, die Purimgeschichte u. a. Es fällt auf, daß im vorletzten Kapitel über „das alte Judentum" Markus Lehmann und Samson Raphael Hirsch in der Ueber- Schrift ohne „Rabbi" angeführt sind im Gegensatz zu ihren großen Zeitgenossen und Vorgängern in diesem Kapitel; aber wir konstatieren mit Genugtuung, daß Lehmann in Zeile 16, S. 450 und Hirsch Zeile 26, S. 452 dieses Titels nicht verlustig gegangen sind. Wir trösten uns ferner über jene Unterlassung mit dem Wort: Gadol merabban Sch'mo! Daß S. R. Hirsch, der 1808 geboren, nicht zum mindesten hinter R. Jakob Ettlinger, dessen Schüler er war, (geb. 1798), dem dann alle Größen aus 1807 und 1808 folgen sollten, seinen Platz gefunden hat, ließ uns in Anbetracht der wirklich feinsinnigen würdigen Charakteristik'Hirschs durch Kottek für alle daran anstoßnehmenden Kritiker tröstend und beruhigend an den Satz denken: Acharon acharon chabib!, was uns immerhin noch als ein würdiges Motiv nach allen Seiten erschien, vor allem auch Kottek h")Zl gegenüber, der es wahrlich nicht verdient hat, daß man sein, selbst zugegeben, abweisendes Urteil über Hirsch mit öden, allerdings eines ernsten Blattes unwürdigen Randbemerkungen traktiert, ohne zu ahnen, wie sehr gerade Hirschs Andenken damit herabgesetzt wird. Auch der letzte Abschnitt des Buches bedarf für eine Neuauflage einer gänzlichen Umarbeitung in seinem sachlichen Inhalte. (Wir glauben, daß besonders die innere Motivierung des Zionismus für revisionsbedürftig ist. Anm. d. Red.) Zum Schlüsse empfehlen wir das Buch aufs wärmste, mit dem sich Kottek ein bleibendes Denkmal errichtet hat, und der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft und den Herausgebern sagen wir in-

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