Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 24 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Das Jüdische Echo Nr. 24 1\Jlll» Hot« Ii 21 fr rTncnitlirfl auf eine regelmäßige Zusendung des Jüdischen ilur uer "aL fin^pruui Echo^ der cs be.m Yerlag bestellt oder den Bezugspreis für das nächste Vierteljahr bei der Post erlegt. Die Lektüre von jüdischen Zeitschriften ist jetzt notwendiger denn je. Das Problem des Jüdischen Volkes ist durch den Weltkrieg brennender geworden als jemals. Nicht nur um die Lösung von Teilfragen wie die wahrhafte Gleichstellung der deutschen Juden geht es, vielmehr macht uns die Lage der Juden auf dem östlichen Kriegsschauplatz, das Schicksal der östlichen Juden besorgt. Mag der Krieg wie immer enden, so werden wir und alle beteiligten Mächte sich noch lange mit der Zukunft der ökonomisch zusammengebrochenen, völlig entwurzelten Juden des Ostens beschäftigen müssen. Das sind Dinge, die uns so stark berühren, daß wir alle uns damit befassen müssen. Das Jüdische Echo ist bestrebt, seine Leser zuverlässig und rasch über alle Vorgänge im In- und Äuslande, die die Judenheit betreffen, zu unterrichten. Darum empfiehlt sich für Jedermann ein Abonnement auf unser Blatt. Der Bezugspreis beträgt Mk. 1.- vierteljährlich. Postscheckkonto München 3987. Der Verlag des Jüdischen Echos München, Herzog-Maxstr. 4 den ungarischen Behörden eine entsprechende Behandlung verdient hätten. Wie wenig dies der Fall war, zeigt die traurige Tatsache, daß am Vorabende des Pessachfestes galizisch-jüdische Flüchtlinge ins Pester Polizeigefängnis wanderten. Doch all' dieses war den magyarisch-jüdischen Ässimilanten noch zu wenig, sie wollten ihr Endziel erreichen — die Ausweisung der galizischen Juden aus Ungarn — was ihnen auch tatsächlich gelang.*) Eine Hauptschuld an diesen traurigen Verhältnissen zwischen den herrschenden magyarisch-jüdischen Kreisen und den übrigen Juden der Monarchie hat die Zeitung „Egyenlöseg" mit allen ihren Hintermännern. Mit Verleugnung der jüdischen Solidarität und Ignorierung der Tatsache, daß Ungarn ebenso polyglott ist wie die cisleithanischen Länder, huldigen sie einem unjüdischen magyarischen Chauvinismus und verwechseln diesen mit ungarischem „Patriotismus". Und doch gebieten die wohlverstandene ungarische Staatsidee, ebenso wie die Lebensinteressen des jüdischen Volkes und der Habsburgischen Gesamtmonarchie die gegenseitige Duldsamkeit in allen Teilen des Reiches in nationaler wie in konfessioneller Hinsicht. Ein ansehnlicher Teil der ungarischen assimilatorischen Juden bildet sich aber ein, magyarischer sein zu müssen als die eigentlichen Magyaren; sein seltsamer ungarischer Patriotismus gipfelt in Unduldsamkeit gegen die nichtmagyarische Mehrheit in Ungarn-Kroatien und gegen Österreich, sowie speziell gegen die *) Äls Deputationen gegen diese Maßregel Schritte unternahmen, wurde ihnen von Regierungsbeamten entgegengehalten, daß ungarische Juden selbst die Ausweisung wünschten und betrieben hätten. Änm. d. Red. österreichischen Juden. Für die absolute Verständnislosigkeit der jüdisch-magyarischen Chauvinisten gegenüber unseren Bestrebungen ist es bezeichnend, daß „Egyenlöseg" schon wiederholt unser jüdisch-österreichisches Programm der — „Luegerei" gleichgestellt hat und unter anderem der „Jüdischen Zeitung" vorwarf, sie sei ein „pseudo-jüdisches österreichisches Organ mit dem Tone Luegers." Sapienti sat! Aus dieser seltsamen „jüdischen" Politik, die nicht dem Interesse der jüdischen Volksmassen in Ungarn-Kroatien entspricht, erklärt sich auch das Bestreben, die galizischen Juden von Ungarn fernzuhalten, und der vergebliche Versuch, deren Ausweisung als Wunsch der österreichischen Regierung hinzustellen. Es ist heute nicht an der Zeit, sich noch gründlicher mit diesen Angelegenheiten auseinanderzusetzen; nur das eine sei bereits heute aufs nachdrücklichste betont: Es ist eine Lebensfrage für die 21/» Millionen Juden des Donaureiches, daß die ungarischen Juden endlich erkennen, daß wahrer Patriotismns und magyarischer Chauvinismus nicht identische, sondern gegensätzliche Begriffe sind. Dr. H. Kotteks Geschichte der Juden*) Von Dr. Is"ak Bamberget, Nürnberg. In einem einleitenden Kapitel behandelt der leider allzu früh dahingegangene Verfasser, der frühere Rabbiner von Homburg v. d. Höhe, das babylonische Exil und zeigt, daß sich die jüdische Geschichte so entwickelt, wie es die Propheten vorausgesagt hatten. Und der denkende Leser weiß, daß also in den Prophetenworten die Bedingungen enthalten sind, die maßgebend sein müssen *) Verlag der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1915. Groß-8°. 457 S.