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Das jüdische Echo · 1915-05-28 · 21 (28.5.1915) · p. Seite 170

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
21 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
Seite 170 (sequence 6)
Language
German
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170 Das Jüdische Echo Nr. 21 Vereins-Echo Frankfurt a. M. Das provisorische Komitee der Ägudas Isroel verschickt ein Rundschreiben an die Presse, in dem es Mitteilungen über seine bisherige Tätigkeit während des Krieges macht. Sie umfaßte die Hilfeleistung für die vom Kriege in Deutschland überraschten russischen Juden, die galizianischen Flüchtlinge und die bedrohte palästinensische Bevölkerung. Besondere Verdienste erwarb sich dabei Herr Fabrikant ürünbäum in Nürnberg, der sich zum Studium der Verhältnisse nach Wien begeben hatte. Es wurde dort ein „Komitee zur Wahrung der Interessen der galizischen Flüchtlinge" ins Leben gerufen, dessen sicher noch schwere Aufgaben zur Erledigung harren. Auch der Not in Polen wandte die Agudah ihre Aufmerksamkeit zu. Sie wirkt dort unmittelbar und ist auch in dem interkonfessionellen Hilfskomitee vertreten. Die Jugendgruppen wurden mit Erfolg für die Soldatenfürsorge in Anspruch genommen. Der Bericht atmet den Geist hervorragender Tatkraft, dem man die Anerkennung nicht versagen kann. München. Am 17. d. M. fand der erste E1 - ternabend des Jüdischen Wanderbundes „Blau- Weiß" statt. Die einleitenden Ausführungen des 2. Vorsitzenden, Herrn Dr. Raphael Straus, galten der Darstellung der Ziele, die den Wanderbünden zugrunde liegen. Nachdem die Führerin Frl. Henny Feuchtwanger und der Führer Herr stud. med. Weil über Gestalt und Verlauf der Wanderungen und über die Wanderererziehung Mitteilungen gemacht hatten, setzte eine lebhafte Aussprache ein. Ein Vater erzählte von der erfreulichen pädagogischen Wirkung, die der Wanderbund auf seine beiden Söhne ausgeübt hatte. Seine Darlegung unterstrichen noch mehrere andere Herren, deren Kinder die Wanderungen mitmachen. Allgemein wurde der Wunsch geäußert, derartige Zusammenkünfte zu wiederholen, die dazu beitragen würden, das Interesse der Eltern am Wanderbunde zu beleben, da sie auf diese Weise erst mit den Bestrebungen des Vereins vertraut würden. Z'bi. Nürnberg. Der Verein Israelitisches Mädchenstift versendet seinen zwölften in der ordentlichen Mitgliederversammlung vom 16. Februar durch Herrn Realschuldirektor M. Qorabrich, erstatteten Jahresbericht. Das Stift hat bekanntlich den Zweck, herangewachsenen einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, welche in Nürnberg oder dessen näherer Umgebung beruflich tätig sind, den Schutz eines Hauswesens zu gewähren sowie auch die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. Herr M a x H e i m in Frankfurt a. M. und seine Frau Elise legten s. Z. den Grund zu dieser Anstalt durch eine Schenkung von 125 000 Mark. Der Krieg hat auch das Mädchenstift betroffen. Zu Beginn des Krieges kehrten acht Pfleglinge ins Elternhaus zurück, ein Teil davon fand sich später wieder ein. Die normale Zahl der Pfleglinge ist 23. Zur Zeit der Generalversammlung waren es 17, und zwar 3. Kassierinnen, 5 Kontoristinnen, 2 Verkäuferinnen, 1 Modistin, 1 Kleidermacherin, 1 Schülerin der Frauenarbeitsschule und 4 Handelsschülerinnen. 457 Mitglieder zahlten an Beiträgen 2280 M. Die Ausgaben betrugen 17 153.05 Mark. Das Vermögen des Stifts beläuft sich auf über 150 000 Mark. * * * Literarisches Echo Dr. Eugen Tannenbaum: Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Neuer Verlag, Berlin W. 15. Klein 8°, 155 S, M. 2.50. Man wird sich immer besinnen müssen, Briefe anders als gelegentlich, in Zeitungen oder Zeitschriften, zu veröffentlichen; denn der Brief, als literarisches Produkt nur sehr bedingt betrachtbar, schließt eigentlich die Oeffentlichkeit wesensmäßig aus, private Mitteilung, die er ist und sein soll, und empfängt seinen deutlichsteil Wert mehr aus dem persönlichen Verhältnis des Schreibers zum Empfänger, das ihn hervorrief, als aus dem Was seines Inhaltes und dem Wie seines Aussagens. Der gedruckte Brief, vor allem aber ein Buch aus Briefen, braucht daher stets den zureichenden Grund seiner Publikation; er findet ihn im vorliegenden Falle im Gebrauch des Briefes, als Zeugnis; und die unmittelbare, jeder Absicht ferne, jedem überlegt formenden Stile unzugängliche Eile der Niederschrift von Briefen aus dem Felde soll Zeugnis ablegen vom Verhalten der Juden in diesem Kriege; dies der Sinn des Buches, das der „Neue Verlag" auf gutem Papier gut gedruckt herausgibt. Man kann sich fragen, ob er sich nicht noch hätte Zeit lassen können; ob die Abwehr vorweggenommener Angriffe, die es im Grunde doch darstellt, nicht noch zurechtgekommen wäre, wenn diese Angriffe selbst angefangen oder gedroht hätten; aber da es nun schon vorhanden ist, wollen wir uns seiner freuen, denn zur Freude ist Grund: tritt doch das Judentum selbst, unzerbröckelt und unzerstörbar, vor den Leser hin, und hält ihm seine steinernen Flächen entgegen, wie die Seiten einer ewigen Pyramide, die, an der Basis von einander entfernt und nur in Kanten sich schneidend, oben dennoch die eine gewaltige Spitze bilden, die aufwärts weist, benachbart den Sternen. Noch immer ist der Grundklang des Buches religiös, und wie könnte es anders sein bei diesem Volke, dessen weltformende Kraft sein Geist der Gottesanbetung ist; aber die Riten, die im Alltag historisch erscheinen, im Felde gewinnen sie lebendige Kraft, die große Kraft der Erschwerung: wer seinem Gotte unter Mühsal dient, der ist ihm unverbrüchlicher verbunden als jener, der nur zum Himmel aufzublicken braucht. Ich sage nicht, daß dies das Wesen der Religion treffe; aber von der Festigkeit religiösen Sinnes, jüdischen Sinnes, zeugt es entscheidend. Und dann ist da die Bewährung des Judentums als Volk, wenn der russische oder französische Bürger und der deutsche oder österreichische Soldat einander mit Selbstverständlichkeit darin begegnen, daß sie Juden sind, Kinder desselben Volkes, vertraut und unzweideutig, getrennt und doch verbunden. Oft aber erhebt sich dieses Wiedererkennen zur Bewußtheit der nationalen Idee: daß wir als Juden diesen Krieg führen und mit gewollter Klarheit, in überlegter Entscheidung, die Sache des Zweibundes und der Türkei zu der unseren machen; daß kein Zwiespalt da ist zwischen dem Juden und dem Soldaten, jener Zwiespalt, von dem allerlei Leute so kläglich gefaselt hatten; oft auch sinkt dies Bewußtsein der Bewährung des Juden herab zur Trotzgeste, die den Anderen, den Anklägern von einst, zeigen will, was der nationale Jude längst wußte: daß in keiner Art menschlichen Tuns der Jude schlechter ist als der Nichtjude, der ihn nur an Glück und Zahl, nicht an Wesen und Leistung übertreffen kann auch im Kriege. Und endlich ist in diesem Buche der Jude als Sohn seiner Familie, ganz wie einst, innig und vielfältig verbunden mit seinem Blute.

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