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Das jüdische Echo · 1915-05-28 · 21 (28.5.1915) · p. Seite 168

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
21 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 Das Jüdische Echo Nr. 21 Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen. Erlangen. Unteroff. Salo Dorn, 5. bayer. Inf.- Regt, Bamberg. München. Leopold Borchhemer, Reservist im 5. bayer. Feldartillerie-Regt. Nürnberg. David Falk, Offizierstellvertr.; Oskar Levinsohn; Offizierstellvertr. Ernst Quttmann. * * * Unser Mitarbeiter, Herr Dr. Felix T h e i 1 - haber, hat vom Sultan für die Pflege türkischer Verwundeter den Medschidschiorden bekommen. Gefallen München. Dr. phil. Fritz Tarrasch; Dr. Ernst Rothschild. Schweinfurt. Theodor Silberstein, Ersatzreserv. Warschauer Brief Aus dem Lodzer Volksblatt. Nachdem Georg Brandes seinen zweiten Artikel über die polnisch-jüdische Frage im „Politiken" veröffentlicht hatte, ließ ein gewisser „Professor" Loninsky eine Broschüre in dänischer Sprache erscheinen, in welcher er in schroffer Form gegen Brandes* Behauptungen auftrat. Erst jetzt hat sich herausgestellt, daß der „Professor" ein galizischer Jude namens Daichis ist u. daß sich die polnischen Zeitungen umsonst darüber freuten, daß ihr Lonisky Brandes einen gehörigen Schlag ins Gesicht gegeben habe. Diese Entdeckung haben wir dem neuen polnischen Organ „Opinia schidowka" zu verdanken, das in Warschau erscheint und von den besten jüdisch-polnischen Journalisten des nationalen Lagers herausgegeben wird. Dieses Journal, das auf dem Standpunkte nationalen Bewußtseins steht, findet in den intelligenten polnisch-jüdischen Kreisen Warschaus guten Anklang. Interessant ist es auch, daß zu gleicher Zeit auch die alte assimilatorische „Israelita" wieder von den Toten auferstanden ist. Sie erscheint seit einigen Wochen und ist die Vertreterin des alten extrem-assimilatorischen Standpunktes. Das Erscheinen der „Israelita" in diesem Augenblick beweist, daß die Assimilation schon auf dem Scheideweg steht und mit ihren letzten Kräften kämpft. Die Kämpfe zwischen den Assimilanten und den jüdisch-nationalen Volksmassen haben sich in letzter Zeit sehr verschärft. Die ganze jüdische Presse führt einen schweren Kampf, soweit es die Zensur natürlich erlaubt, für den nationalen Gedanken, indem sie einerseits gegen die antisemitischen Polen, anderseits gegen die Assimilanten in schärfster Form auftritt. Man muß die aufgeregte Stimmung der Warschauer Juden kennen, um zu verstehen, mit welchem Mut gegen den polnischen Chauvinismus gekämpft wird. Einen großen Anteil an diesem Kampf nehmen die jüdischen Zeitungen „Haint", „Moment" und die „Hazephira". Die letztere wird von der polnischen Presse unaufhörlich verfolgt als Organ der polnisch-jüdischen Intelligenz. Charakteristisch für den „hohen Verstand" der Warschauer Assimilanten im allgemeinen und ihres Theoretikers Josef Wasserzug im besonderen ist es, daß die „Nowa Gazetta" einen Protest Wasserzugs gegen Georg Brandes veröffenticht hat, in wechem Brandes Aufzeichnungen als „brutale und irreführende Stellungnahme" gebrandmarkt wird. Darüber wird sich eine neue Polemik zwischen der jüdischen Presse und den Assimilanten entspinnen. Wie groß die Spannung zwischen Nationalisten und Assimilanten in Warschau ist, läßt sich auch daraus ersehen, daß der größte Teil der assimilatorischen Vereine und Gesellschaften beschlossen hatte, sich nicht an Perez' Leichenbegängnis zu beteiligen mit der Begründung, daß Perez durch seine chassidische Erzählungen „Finsternis unter die jüdischen Massen verbreitete" . . . Das Resultat dieses häßlichen Beschlusses, bei welchem die Gesellschaft „Daas" die Hauptrolle gespielt hat, war, daß sich an dem Leichenzug ungefähr 150 000 Juden beteiligten! Viel schärfer wird der Konflikt jetzt infolge der Einführung der Selbstverwaltung in Polen. Die jüdische Presse weist in zurückhaltender Form auf die Lächerlichkeit dieses Projektes hin, die Assimilanten dagegen beginnen sich schon vorzubereiten für die Uebernahme einiger „Sitze" in Jdieser Selbstverwaltung. Im allgemeinen ist die Stellung der Assimilanten zu jüdischen Fragen viel schlimmer als früher und verursacht in allen Schichten des russischen und polnischen Judentums eine allgemeine Aufregung. Welt-Echo Jüdische Vertretung bei der Friedenskonferenz. Die New Yorker jüdische Zeitung „Die Wahrheit" hat eine Umfrage bei den angesehensten jüdischen Persönlichkeiten in verschiedenen Ländern veranstaltet über ihre Meinung bezüglich des Planes, einen jüdischen Kongreß einzuberufen, der einen Vertreter zu der zukünftigen Friedenskonferenz wählen soll. Die Zeitung veröffentlicht jetzt einige Antworten auf die Rundfrage. Lord Ro t h s c h i 1 d (London) telegraphierte: „Nach meiner Meinung können die Juden Englands und Frankreichs alles Nötige tun und deshalb bin ich gegen den jüdischen Kongreß. Israel Zangwill telegraphierte: „Der Kongreß ist unpraktisch." Aus Rom kam folgende telegraphische Antwort: „Unsere Meinung bezüglich des jüdischen Kongresses ist durchaus günstig. Ein ausführlicher Brief folgt. S o r e n i, Präsident des jüdischen Gemeindebundes in Italien. Zur Vertretung der Juden bei den Friedensverhandlungen werden von der Londoner Zeitschrift „Jewish Chronicle" als geeignetste Männer Oskar Straus in New York, der frühere amerikanische Gesandte in Konstantinopel, und Sulzberg e r in Philadelphia vorgeschlagen. „Jüdische Verteidigungsliga". Die „Jüdische Verteidigungsliga", die sich m Amerika gegründet hat, begann bereits ihre Tätigkeit. Die Mitglieder dieser Liga sind alle national gestimmte Juden, die sehr populär in Amerika sind. Es wurde beschlossen, eine Konferenz einzuberufen, um gemeinschaftlich die Frage eines jüdischen Kongresses zu beraten. Die Bewegung für einen solchen Kongreß ist sehr stark und die ganze jüdische und englisch-jüdische Presse unterstützt das Projekt. Besonders kräftig tritt für diesen Kongreß der durch seine soziale Tätigkeit bekannte Dr. L. Magnes ein. Auf der gemeinsamen Konferenz soll beschlossen werden, ob man einen nationaljüdischen Kongreß einberufen soll, an welchem Vertreter aller Parteien und Organisationen des amerikanischen Judentums teilnehmen, oder eine Konferenz gewählter Personen, welche auch alle jüdischen Organisationen vertreten sollen.

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