Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 20 (21.5.1915)
- Date
- 1915-05-21
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Das Jüdische Echo Nr. 20 von einigen Seiten wegen seiner deutschen Abkunft zur Abdankung aufgefordert. Der Papst für die Gleichberechtigung der Juden. Kardinal Ferrara hat dem Komitee „pro causa hebraica", das bekanntlich bei der Friedenskonferenz für die politische Emanzipation der Juden in allen Ländern auftreten will, die Unterstützung des Vatikans zugesagt. Das große jüdische Hilfswerk für Palästina ist jetzt in der ganzen Welt organisiert worden. Die Hilfsaktion in Amerika, die schon im September eingesetzt hatte und sehr erhebliche finanzielle Ergebnisse zu verzeichnen hat, ward auf das energischste fortgesetzt. Sie wird von dem „Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitee" geleitet, das sich aus Vertretern des „Provisorischen Executiv- Comites für'zionistische Angelegenheiten" und des „American-Jewish-Comitee" zusammensetzt. Tn Europa erfolgt die Organisation der Hilfsaktion durch die „Zentralstelle der Jüdischen Palästina- Hilfsaktion, Kopenhagen, Vestergade 1". In fast allen Ländern beteiligen sich Juden aller Parteirichtungen in gleicher Weise am Hilfswerk. Die gesammelten Gelder werden sowohl von New York wie von Kopenhagen aus durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel, Mr. Morgenthau, an das Verteilungskomitee in Palästina überwiesen. Zeitungs-Echo Die Jüdische Presse schreibt in der Wochenrundschau vom 14. Mai 1915: „In Russisch-Polen fährt die Hetzprese mit ihrer Wühlarbeit unentwegt fort. Die Warschauer Zeitung „Zwei Groschen" (Dwa Grosze) will an der Hand der bekannten Aufsätze von Georg Brandes und Hermann Bernstein über die Schicksale der polnischen Juden und mehrerer Artikel in der „Jüdischen Rundschau" den Beweis erbringen, daß von Deutschland aus durch Juden systematisch eine Verleumdungskampagne gegen die Polen betrieben werde. Die unschuldigen Lämmer! Als ob es nie eine Boykottbewegung gegen die Juden in Polen gegeben hätte, als ob nicht die ganze Geschichte des Polenreiches den unwiderleglichen Beweis von dem fanatischen Judenhasse der maßgebenden Kreise lieferte! .... Was immer auch das Schicksal Polens nach diesem Kriege sei, eines ist sicher — wehe den Juden, wenn die Polen wieder zur Macht gelangen! Leider kann hier auch nicht verschwiegen werden", heißt es weiter, „daß das Los der jüdischen Flüchtlinge in der benachbarten Donaumonarchie von Tag zu Tag fürchterlichere Gestalt annimmt." Der Artikel schließt mit einer trüben Aussicht, deren Richtigkeit man schwer wird leugnen können: „So bestätigt dieser Krieg fast in allen Ländern wieder die alte Erfahrung, daß, was immer auch kommen mag, der Judenhaß unausrottbar ist, und die größten Opfer, die die Juden mit Gut und Blut bringen, das Vorurteil gegen sie nicht bezwingen werden . . ." Die Münchner Neuesten Nachrichten brachten in der letzten Zeit einige Male vollkommen zutreffende Bemerkungen über das - charakterlose Verhalten naturalisierter Engländer, die früher Deutsche waren. Die dabei genannten Namen vermögen den Eindruck zu erwecken, daß insbesondere Juden so schamlos sein können, ihr eigenes Nest, ihren Heimatsstaat, zu beschmutzen. Demgegenüber ist es am Platze, sich für Bedarfsfälle die Namen all der Üeberläufer wohl zu merken, die rein deutscher Abstammung sind und sich im selben wenig rühmlichen Sinne hervorgetan haben: Charles Schwab, seines Zeichens Stahlkönig, amerikanischer Heereslieferant für Deutschlands Feinde; Prof. Kuno Franke, Doktor der Münchener Universität, bedeutender deutscher Literarhistoriker, verkauft für sein Lehramt in Cambridge seine nationale Ehre; Alexander Siemens, der Träger eines nicht unbedeutenden deutschen Namens,' Ingenieur in englischer Staatsstellung, „empört" über Deutschlands Verletzung internationaler Verträge. Wir können auf Wunsch die Liste fortsetzen. Gemeinden-Echo Kitzingen. Rabbiner Salomon Bamberger feierte im Kreise seiner Familie den 80. Geburtstag. Wie bekannt, hielt er in seiner Gemeinde Sennheim im Elsaß so lange aus, bis der Ort nur mehr einem Trümmerhauien glich. München. Der „Studien - und Arbeitsbeförderungsverein für Israeliten in Bayern" erläßt die Aufforderung zur Einreichung von Gesuchen an den Schriftführer Herrn Justizrat David Mosbach er, Dienerstr. 9/II, bis längstens den 29. Mai 1915. Stipendien werden vergeben an Handwerker, Landwirte, Mittel-, Hochschüler und Seminaristen. München. Sonntag, den 16. Mai, entschlief nach langer Krankheit im Alter von fast 65 Jahren Herr Komerzienrat Karl Wassermann, Mitinhaber der Spiritusfabrik Max Wassermann. Er war Vorstandsmitglied verschiedener Fachvereinigungen und wurde 1908 wegen seiner Verdienste um die Industrie zum Kommerzienrat ernannt. Wien. Die Amtsmüdigkeit des hochbetagten Oberrabbiners Dr. Qüdemann hat schon längst die Frage nach einem Ersätze aufgeworfen. Der Vorstand der Kultusgemeinde sieht sich veranlaßt, mitten in der Kriegszeit die Besetzung des Postens vorzunehmen, wogegen sich in der Gemeinde heftiger Widerspruch erhebt. Nicht nur die Zeit, sondern auch die vorgeschlagenen Persönlichkeiten fordern zur heftigen Kritik heraus. In erster Linie werden nämlich zwei ungarische Rabbiner präsentiert, was eine Geringschätzung der Wiener Rabbiner bedeutet, die wahrlich auch geeignete Kandidaten zu stellen haben. Literarisches Echo Dr. Curt Nawratzki: Die Jüdische Kolonisation Palästinas. Verlag Ernst Reinhardt, München. 1914. Groß 8°. 538 S. Nawratzkis Buch ist die letzte, vielleicht auch in ihrer Art die erste große Zusammenfassung aller bisher .geleisteten Erforschungsarbeit in Palästina auf dem Gebiete jüdischer Kolonisationstatigkeit. Der Verfasser gibt zunächst eine Schilderung der sozialen Struktur, der damit zusammenhängenden Wanderungen des jüdischen Volkes und behandelt dann die Landesverhältnisse Palästinas, soweit sie für die jüdische Kolonisation in Betracht kommen. Im dritten Teil seines Buches spricht er von den rein wirtschaftlichen Verhältnissen der Kolonisationsbewegung und geht schließlich im vierten auf die kulturellen Erfolge der Arbeit ein. Das Buch faßt zwar alle in sonstigen Werken behandelten Spezialfragen zusammen. Aber dazu kommt, daß der Verfasser im Lande selbst eingehende Studien gemacht und trotz des großen