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Das jüdische Echo · 1915-05-21 · 20 (21.5.1915) · p. Seite 161

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
20 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 161 Auftreten der Heuschrecken bisher verursachte Schaden auch nicht bedeutend, so leidet doch die Bevölkerung sehr unter der Steigerung der Weizenpreise, welche infolge der mit dem Erscheinen der Heuschrecken für später verbundenen Befürchtungen verursacht worden ist. Hundert Kilo Weizen, die zu Anfang des Krieges zum Preis von Frs. 20 aus den Nationalfondsfarmen nach Jaffa verkauft wurden, kosten heute schon etwa 35 Frs. Selbstverständlich leidet die arme Bevölkerung in den Städten unter diesen hohen Brotpreisen außerordentlich. In etwa dürfte sich die Lage inzwischen durch die Ankunft des Lebensmitteldampfers aus Amerika gebessert haben, der Mitte April in Jaffa eintraf und dessen Ladung u. a. 8000 Sack Mehl enthielt. Die vom Jüdischen Nationalfonds mit leider einstweilen beschränkten Mitteln in Angriff genommenen Notstandsarbeiten beschäftigen auf dessen Farmen, abgesehen von den dort regelmäßig tätigen Arbeitskräften, 10 Personen in Benschemen, 30 in Merchawjah, und 40 in Kinereth. Leider wurde die vom Nationalfonds eingeleitete Notstandsaktion noch nicht in allen Kreisen genügend gefördert, um einer größeren Anzahl Arbeiter lohnende Beschäftigung zu gewähren. Der Stand der Saaten und des Getreides in den Kolonien, der bis Ende Februar recht gut war, hat sich inzwischen etwas verschlechtert, weil es in der letzten Zeit in Palästina fast gar nicht oder nur sehr wenig geregnet hat. Im April sind jedoch in Jaffa und Umgegend, sowie in Galiläa starke Regen niedergegangen, so daß anzunehmen ist, daß sich die Felder wieder erholen und auf eine gute Ernte gerechnet werden kann. Die militärischen Requisitionen, unter denen auch die Nationalfonds-Betriebeim Anfang sehr litten, und bei denen ein Teil des Zugviehes überhaupt weggenommen, ein anderer Teil für Militär-Transporte wochenlang verwendet wurde, haben seit einigen Wochen beinahe gänzlich aufgehört. Trotz der Requisitionen ist es in allen Farmen gelungen, das Pflügen der Felder, wenn auch teilweise mit einiger Verspätung, durchzuführen. In einigen Nationalfondsfarmen waren einige Zeit hindurch viele Soldaten einquartiert. Sie kampierten jedoch nicht in den Häusern der Kolonie, sondern in Zelten, und ihre Beziehungen zu den Farmen, überhaupt zur ganzen Kolonie", waren die denkbar besten. Das Militärkommando sorgte dafür, daß die Felder in keiner Weise litten und der Kolonie nicht der mindeste Gegenstand entzogen wurde. Im Laufe der Kriegsmonate hat sich die allgemeine Stimmung unter den Juden Palästinas wieder gebessert. Auch in wirtschaftlicher Beziehung sind die Verhältnisse jedenfalls nicht schlechter geworden, teils weil erhebliche Geldbeträge aus Amerika eingetroffen sind, teils auch weil die Administration der ICA den Kolonien Kredite gewährt hat, und schließlich, weil es den Kolonisten selbst gelungen ist, wenigstens in beschränktem Umfange Wein und Mandeln nach dein Auslande zu verkaufen. Die Orangenernte muß jetzt allerdings als gänzlich verloren betrachtet werden. Die Frucht ist entweder überhaupt nicht von den Bäumen heruntergenommen worden oder wurde im Lande zu einem Preise, der kaum die Kosten für das Abpflücken deckt (100 Stück für 20—30 Centimes) verkauft. Von der städtischen Bevölkerung leiden am meisten die armen Juden in Saffed, Tiberias und in Jerusalem, d. h. also die Elemente, die auch in normalen Zeiten ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Erwerb decken, sondern auf die Chalukkaspende von außen her angewiesen sind. Da diese Spenden jetzt nur kümmerlich einfließen, so sind diese Leute ohne das Allernötwendigste geblieben. Hier wurden nun aus den Geldern des amerikanischen Hilfsfonds Brot und andere Lebensmitel gratis verteilt, Darlehen gegen Pfänder gewährt und auch Kredite zur Beschäftigung von Arbeitern bei Privatunternehmungen und Notstandsarbeiten hergegeben. Bisher ist so das Schlimmste verhütet worden. Trotzdem jetzt eine gewisse Konsolidierung der allgemeinen Verhältnisse eingetreten ist, wird die Lage doch immer kritischer werden, da die Krisis nun schon acht Monate dauert, und die Bevölkerung bald ihre letzten Reserven verbraucht hat. ^iscf^haza^ Dr. Josef Chazanowicz, einer der populärsten Männer in jüdisch-nationalen Kreisen, ist im Alter von 70 Jahren verschieden. Er gehörte zu den eifrigsten Zionsfreunden in der Zeit vor Herzl und schloß sich, als Herzl die politische Bewegung hinaufführte, dieser ohne Einschränkung an. Die Sympathien, die Chazanowicz so reichlich zuflössen, galten ebenso sehr seiner Person als seinem Werke: der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem, deren eigentlicher Name Midrasch Abarbanel lautet. Aus kleinsten Anfängen hat Chazanowicz eine Sammlung von ungefähr 40 000 Bänden zusammengebracht, darunter viele Seltenheiten und Handschriften. An die Bibliothek, die in einem Bau steht, dessen Trakte aus Mangel an Mitteln nicht fertig gestellt werden konnten, schließt sich eine Lesehalle, die den geistigen Mittelpunkt Gesamt-Jerusalems bildet. Chazanowicz' Wunsch war es, die von ihm beinahe allein geschaffene Bibliothek, für die sich kein Mäzen fand, in den dauernden Besitz des jüdischen Volkes überzuführen dadurch, daß sie Eigentum des Jüdischen Nationalfonds würde. Er mußte sterben, ohne sein Lebenswerk gesichert so zu sehen. Die Teilnahmslosigkeit dafür ist ein trauriges Bild des Judentums, das seine verdienstvollsten Söhne und besten Schätze nicht zu würdigen weiß. Welt-Echo Die Judenfrage nach dem Krieg. M. Kamianski aus Kiew teilt der „Hazephira" mit, daß er mit dem bekannten Philanthropen Brodsky, der in diesen Tagen von Paris zurückkehrte, eine längere Unterredung hatte. Brodsky sagt, daß auf dem Kongreß, der nach Beendigung des Krieges stattfinden wird, sich ganz Europa ernstlich mit unserem Volke beschäftigen wird, und daß man, wenn die Grenzen der verschiedenen Völker festgelegt werden, auch die Juden in Palästina einordnen wird. In Italien arbeitet dafür energisch der frühere Premierminister Luigi Luzatti. Palästinensische Flüchtlinge. Aus Saloniki kommt die Nachricht, daß laut einer Mitteilung aus Alexandrien die heimatlosen Juden aus Palästina, die bisher in den leeren Kasernen wohnten, von dort verschickt wurden, weil Militäreinquartierung kam. Viele Flüchtlinge führte man nach Tanger, einer Station der Kairoer Bahnlinie. Antigermanismus oder Antisemitismus? Arthur Strauß, Mitglied des englischen Parlaments, wurde

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