Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 20 (21.5.1915)
- Date
- 1915-05-21
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Das Jüdische Echo Nr. 20 jede im Interesse des Judentums unternommene Sache, wenn ich glaube, daß sie dem Judentum irgend welchen Nutzen bringen kann und wenn ich sehe, daß es ihren Verfechtern ernst damit ist." Mergenthau ist trotz se.iner Jahre an Geist und Körper ein jugendfrischer Mann. Hoffen wir, daß er uns Juden, seinem Vaterlande und der Menschheit noch lange erhalten bleibt. Allen dreien sucht er zu dienen, allen dreien hat er dauernden Nutzen gebracht, und noch viel Gutes ist von dem Menschen, dem Amerikaner und dem Juden Henry Morgenthau zu erwarten. R. L. Der Krieg und das jüdische Schrifttum Aus einem Vortrage des Herrn Rabbiners Dr. H. Ehre n treu, München. Der Krieg ist eine ordnungsgemäße und notwendige Erscheinung im Kreise der Menschen. Das Recht der Herrenmenschen auf Beherrschung und Unterjochung der niedriger stehenden Völker, die zur Knechtschaft verurteilt sind, gelangt durch den Krieg zur Geltung. Er ist daher eine durchaus normale und nützliche Erscheinung. So lehrten die Philosophen der alten Zeit. Der Krieg ist notwendig zur Entwicklung der Menschheit, zur Entfaltung eines' sittlichen Gemeinwesens. Das ist die Anschauung neuerer Denker und Forscher. Der Krieg gehört zur göttlichen Weltordnung, der ewige Friede ist ein Traum und nicht einmal ein schöner, so lautet das Wort eines berühmten Schlachtenlenkers. Daß dies die Anschauung unserer Heiligen Schrift nicht sein kann, dafür nur einen Beweis für viele. „Höret mich an, meine Brüder, mein Volk!" spricht David zu den Aeltesten der Nation. „Ich hatte im Sinne, ein Haus der Ruhe zu bauen, einen Tempel für die Bundeslade und hatte bereits Vorbereitungen für den Bau getroffen. Da sagte Gott zu mir: Du sollst nicht das Haus meinem Namen zu Ehren bauen, denn du warst ein Mann der Kriege und hast Blut vergossen. Dir wird ein Sohn geboren, der wird ein Mann der Ruhe sein, denn Schlomo ist sein Name, und Frieden und Ruhe werde ich Israel in seinen Tagen verleihen. Er soll das Haus meinem Namen bauen." Das ist die Anschauung der Heiligen Schrift vom Kriege. Ihre Wege sind Wege der Anmut, und alle ihre Pfade sind Friede. Alle ihre Verheißungen gipfeln in dem Segen des Friedens. „Ein himmelschreiendes Verbrechen" sagen wir. Der Ausdruck stammt aus der Thora, und nur e i n Verbrechen wird so bezeichnet: die Vernichtung eines Menschenlebens, das Vergießen von Menschenblut. „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir zum Himmel empor", heißt es auf den ersten Blättern der Thora. Unschuldig vergossenes Blut macht die Erde ruchlos und entweiht den Boden. Daher heißt es auch dort an jener Stelle, wo die erste Vernichtung eines Menschenlebens geahndet wird: „Verflucht seist du von dem Erdboden, der seinen Mund öffnete, um das vergossene Blut deines Bruders aus deiner Hand aufzunehmen." Dabei gebraucht dje Schrift nicht die Einzahl, sondern die Mehrzahl „die Blute . . . schreien" (was sich im Deutschen nicht gut wiedergeben läßt), denn — so lautet die Erklärung der alten Lehrer — nicht nur das Blut des Gemordeten, auch das Blut seiner Nachkommen, die in ihm vernichtet wurden, lastet auf deiner Seele. So sprach Gott zu Kajin. Aber nicht nur die Blutschuld Kajins, der seinen leiblichen Bruder und eine halbe Welt gemordet hat, sondern jede Blutschuld wird so genannt. Dennoch verzeichnet die Heilige Schrift eine Fülle von kriegerischen Ereignissen und schon in uralter Zeit gab es ein Buch, das den Namen führte: Buch der Kämpfe des Ewigen. Wem das als Widerspruch erscheint, dem entgegnen wir mit den Worten des Psalmensängers: Ich bin der Friede, doch wie ich auch reden mag, sie sind für den Krieg. Gar viel haben sie mich angefeindet von Jugend auf, mag Israel sprechen, gar viel der Feinde sind vorhanden! Unsere Heilige Lehre steht auf dem Boden der Wirklichkeit, sie verkennt, nicht die Notwendigkeiten, die unabwendbaren Forderungen des Lebens. Sie verwirft jene verstiegene Morallehre, die in der realen Welt keinen Boden hat. Sie sagt: wenn jemand dir befiehlt: töte diesen Menschen, sonst hast d u dein Leben verwirkt, so mußt du dein Leben preisgeben und du darfst deine Hand nicht beflecken mit dem Blute deines Nebenmenschen; denn — so lautet die Begründung — dein eigenes Blut ist nicht roter als das Blut der andern. Ganz anders liegt der Fall, wenn dieser andere der Angreifer ist; da lautet das Gebot: will der andere dir ans Leben, so suche du ihm zuvorzukommen. Noch mehr, der Fall kann auch so liegen, daß du selbst gar nicht bedroht bist und dein Leben gar nicht gefährdet ist, aber dein Nebenmensch ist in Gefahr, er wird verfolgt und bedroht am Leben, so darfst du nicht untätiger Zuschauer bleiben bei dem Blute deines Nächsten. Du mußt den Verfolgten beschützen und den Angreifer zunächst in irgend einer Weise unschädlich machen. Du darfst und sollst ihm die Hand abschlagen, die er in mörderischer Absicht gegen seinen Nebenmenschen erhebt. Wenn es dir aber nicht möglich ist, ihn in irgend einer Weise unschädlich zu machen durch Verletzung eines seiner Körperteile, so darfst du ihn auch töten. Das ist das Rechtder N o t w e hr und das Recht der Schutzwehr im Sinne der Thora. Was für den einzelnen gilt, das gilt auch für die Gesamtheit eines Volkes. Dort wo der Gesamtwille eines Volkes einheitlich gefaßt und zusammengeballt zum Angriff auf ein anderes Volk gelangt, da tritt das Recht der Notwehr ein, da ist es eine sittliche Pflicht, ein heiliges Gebot, mit allen Kräften einzustehen, um den Feind zu vernichten. Das ist der Abwehrkrieg. (Schluß folgt.) Zur Lage in Palästina Mitte März sind in ganz Palästina, von Gaza bis Tiberias>, ungeheure Schwärme der Wanderheuschrecke aufgetreten und haben sich überall, auch fast in allen jüdischen Kolonien, niedergelassen. Diese geflügelte Heuschrecke selbst richtet nur geringen Schaden an, sofern sie keine Brut zurückläßt, die das Getreide vernichtet und die jungen Triebe der Bäume benagt. Von den jüdischen Kolonien sind Rechoboth, Wadi el Chanin, Rischon le Zion und zum Teil auch Pethach Tikwah durch die Heuschreckenbrut heimgesucht worden, von den Farmen des Jüdischen Nationalfonds bisher nur Benschemen und Hulda. Seitens der Regierung sowohl wie der jüdischen Kolonien wurden energische Mittel angewandt, um die durch die jungen Heuschrecken drohende Gefahr abzuwenden, und auch der Nationalfonds hat, um seine Pflanzungen vor schweren Beschädigungen zu bewahren, Geldmittel bewilligt. Ist der durch das