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Das jüdische Echo · 1915-05-21 · 20 (21.5.1915) · p. Seite 158

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
20 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 Das Jüdische Echo Nr. 20 war, haben wir in der vorigen Nummer wiedergegeben. Auch hier wird von Berthold Bürger „die Förderung der jüdischen Siedlungsarbeit in Palästina als eine höchst beachtenswerte Aufgabe" hingestellt. Wir haben es mit Urteilen von sechs völlig voneinander und von den Zionisten gänzlich unabhängigen, unvoreingenommenen Männern zu tun. Es sind durchwegs Nichtjuden, sie stehen deshalb der Judenfrage an sich weit objektiver gegenüber als Zionisten und Antizionisten. In dieser Lage könnten sie also, um für die entgegengesetzten Richtungen zwei Schlagwörter anzuwenden, entweder für die Assimilation oder für den Zionismus Partei ergreifen. Tun sie das zweite, so werden sie dafür — da wohl jeder Schein antisemitischer Unterströmungen fehlt — gute Gründe haben. Diese Gründe sind darin zu suchen, daß sie aus einer rein menschlichen Betrachtungsweise heraus durch die Beobachtung der tatsächlichen Verhältnisse, in denen das jüdische Volk für sich und mit den anderen lebt, zu denselben Schlüssen kommen wie die Zionisten. Wohl hat sich die Lage der Gesamtjudenheit durch den Krieg nicht so geändert, daß die Einsicht in die Dinge bei den oben genannten Persönlichkeiten nicht schon früher hätte sich einstellen können. Denn im Wesen bleibt das Problem immer und überall gleich, nur die Grade unserer inneren und äußeren Not und Hilflosigkeit unterliegen im Lauf der Zeiten mehr oder minder großen Schwankungen. Allerdings hat ja durch den Krieg das Elend unter den Juden eine Stufe erreicht, die an keiner Katastrophe im ganzen verflossenen Jahrhundert einen Vergleich findet. Mag das auch dazu beigetragen haben, daß sich Nichtjuden mit den abnormen Daseinsbedingungen der Juden beschäftigten, so löste ihnen doch etwas ganz anderes die Zunge. Die ideale Seite des Zionismus hat schon vor dem Krieg viel Anerkennung im christlichen Lager gefunden. Wir erinnern nur an die anläßlich des Sprachenstreits in unserer Zeitschrift (Jahrgang 1914, Nr. 3 und 4) veröffentlichten Beiträge von Ricarda Huch, Wilhelm W e i - g a n d, Emanuel von B o d m a n , M. G. C o n - r a d u. a. Das wiederholt sich zwar bei unseren heutigen Fürsprechern, es tritt aber insofern ein neues Moment hinzu, als sie den Nachdruck auf die praktisch-politische Bedeutung des Zionismus legen. Es bleibe dabei ganz dahingestellt, ob sie dazu die Anregung aus England und Frankreich bekommen haben, Ländern, die bei ihrer Suche nach Bundesgenossen nicht vergessen haben, dem dort schon viele Jahre in die politische Rechnung gezogenen Zionismus Sympathien für sich abzugewinnen. Und es wäre verbohrt, anzunehmen, daß England, mag es was immer beabsichtigen, in seinen Verhandlungen wegen Abtretung von Landgebieten, daß Frankreich, das mit Hilfe der Alliance orientalische Schul- und Expansionspolitik getrieben ihat, das jüdische Volk nur durch Vorspiegelung einer Fata morgana betrügen wollten. Die Sache liegt vielmehr so, daß man in Deutschland auf Grund einer natürlichen Entwicklung erst seit wenigen Jahren alle realen Faktoren zur Ausnutzung in einer großzügigen Weltpolitik heranzuziehen sich besonnen hat, daß man heute erkannt hat, wie stark unterschätzte Energien im Zionismus zur Auswirkung drängen, und sich bewußt ist, daß Palästina, auf das sich jüdischer Wille und jüdische Sehnsucht nach geschichtlichem Gesetze projiziert, der Angelpunkt des auf Jahrhunderte hinaus zu befestigenden englischen Imperialismus werden könnte. Diesen zu schwächen und nicht zu unumschränkter Herrschaft kommen zu lassen, ist aber der Sinn des Dramas, das sich vor unseren Augen abspielt. Das haben die deutschen und türkischen Politiker eingesehen und deshalb sind sie der Stärkung des zuverlässigen jüdischen Elementes in Palästina günstig gesinnt. Auf diese Weise, durch Schaffung einer bodenständigen jüdischen Bevölkerung in Palästina, würde einem unglücklichen Volke geholfen, ein zu steter Besorgnis für die europäische Kultur veranlassender Konfliktsstoff (wirtschaftlicher Tiefstand, Pogrome, Wanderungen usw. usw.), ausgeschaltet, und die Kraft berechtigter deutsch-türkischer Forderungen für die Weltgeltung gesichert. Das ist die Ansicht der von uns genannten Persönlichkeiten, wenn wir ihre Ausführungen auf die Grundlinien zurückführen. N. W. Henry Morgenthau Der Mann, der gegenwärtig die Vereinigten Staaten von Amerika als Botschafter in Konstantinopel vertritt, wurde im Jahre 1856 in Mannheim geboren. Er stammt aus einer jüdischen Familie Süddeutschlinds, kam im Alter von neun Jahren nach New York, besuchte die öffentliche Schule und wandte sich dann dem juristischen Studium zu. Zunächst Advokat, später Geschäftsmann, mit sicherem Blick für die Entwicklung New Yorks begabt und durch diese riesenhafte Entwicklung selbst emporgetragen, erwarb er sich an der Spitze großer Qrundstücksgesellschaften ein bedeutendes Vermögen. Er wurde in das Präsidium einer Bank berufen, beschäftigte sich dabei mit Fragen der öffentlichen Wohlfahrt und nahm insbesondere an jüdischen Wohltätigkeitsbestrebungen lebhaften Anteil. In verhältnismäßig späten Jahren erst trat er der Politk näher. Er gehörte zwar seit langem der demokratischen Partei an,, doch spielte diese bis zur letzten Präsidentenwahl in New York keine bedeutende Rolle. Als aber Woodrow Wilson zum Gouverneur von New-Yersey gewählt wurde, war

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