Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-05-14 · 19 (14.5.1915) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
19 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9114952--00332-9073159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

154 Das Jüdische Echo Nr. 19 eine vereinigte jüdische Aktion einzuleiten, um die Forderungen der bürgerlichen, politischen und religiösen Gleichberechtigung der Juden für diejenigen Länder zu formulieren, wo sie noch nicht besteht. 3. Eine vereinigte Aktion soll unternommen werden, um eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erlangen. 4. Alle Zionistischen Förderationen sollen dringend auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, mit anderen jüdischen Körperschaften zusammenzuarbeiten, um eine Zentralkörperschaft zu schaffen, welche für die oben erwähnten Ziele wirken soll; sie sollen dafür sorgen, daß in dieser zentralen Körperschaft die Zionistische Organisation in angemessener Weise vertreten ist. Jüdische Hilfsaktion in Palästina. Die Zionistische Organisation (Bureau Kopenhagen) hat in allen europäischen Ländern eine allgemeine jüdische Hilfsaktion für Palästina in die Wege geleitet, die von den Zionistischen Landeszentralen, meist gemeinsam mit anderen jüdischen Verbänden durchgeführt wird. In Deutschland, England, Holland, Oesterreich, Rußland und Skandinavien haben die Sammlungen bereits begonnen und die ersten größeren Ueberweisungen nach Palästina konnten schon erfolgen. — Die Aktion wird durch einen Aufruf unterstützt, den das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation (Vestergade 1), in hebräischer, jüdischer, deutscher, englischer, französischer und dänischer Sprache herausgegeben und in den jüdischen Zeitungen aller Länder veröffentlicht hat. Der Appell findet in allen jüdischen Kreisen lebhaften Widerhall. Das amerikanische Lebensmittelschiff. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihren Dampfer „Vulkan" dem „Amerikanisch-jüdischen Hilfscomite" und dem „Provisorischen Comite für allgemeine zionistische Angelegenheiten" zur Verfügung gestellt, um Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung nach Palästina zu bringen. Der „Vulkan" ist am 13. März ausgefahren. An Bord des Schiffes befanden sich mit der Vollmacht zur zweckentsprechenden Verteilung der Lebensmittel die Repräsentanten der beiden Komitees, die Herren Louis H. Levin und Dr. S. Levin-Epstein. Die Regierung der Vereinigten Staaten sowohl, wie die kriegführenden Mächte haben diesem Schiffe sichere Fahrt garantiert. Von den zur Ausrüstung dieses Schiffes gespendeten Summen seien folgende genannt: Nathan Straus 50 000 Dollar, das Provisorische Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten 25 000 Dollar, das Amerikanisch-jüdische Hilfskomitee 25 000 Dollar, Jacob H. Schiff 25 000 Dollar. Die Tatsache, daß eines der größten Kohlenschiffe, wie der „Vulkan", von Seiten der amerikanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde, ist dem persönlichen Eingreifen des Staatssekretärs Bryan zu verdanken. Da keine Schiffahrtsgesellschaft die unsichere Fahrt nach Palästina riskieren wollte, waren die Komitees gezwungen, allein 75 000 Dollar zu sammeln, um die Expeditionskosten und die Kosten der Versicherung zu decken. Diese Kosten mußten bewiligt werden, da kein einziges der momentan freien Regierungsschiffe für die umfangreiche Ladung Raum genug zur Verfügung hatte. Im letzten Augenblick hat nun das Marine-Ministerium in Washington dem Komitee mitgeteilt, daß es in Anbetracht der wichtigen menschenfreundlichen Aktion Ordre gegeben habe, ihren Dampfer „Vulkan", der schon für eine andere Reise bestimmt war, wieder auszuladen, um so die unentgeltliche Beförderung der Waren nach Palästina zu ermöglichen. Die gesamte amerikanische Presse begrüßt diese humane Handlung der Regierung. Die Orangenplantagen in Palästina. Von der wirtschaftlichen Krisis in Palästina sind auch die Orangenplantagen bedroht, deren Wert auf mehr als 30 Millionen Francs veranschlagt wird. Die von zionistischer Seite erfolgten Bemühungen zu ihrer Rettung haben ein erfreuliches Resultat gezeitigt. Der zur Erhaltung der Pflanzungen notwendige Betrag wird den Besitzern in Form einer Anleihe zur Verfügung gestellt werden. Die Zionistische Organisation hat sich durch ihre Finanzinstitute mit einem Betrage von 250 000 Francs an ihr beteiligt; der bekannte jüdische Philanthrop, Herr Jacob H. S c h i f f in New York, hat 20 000 £ für diesen Kredit gezeichnet. Das hebräische Schulwerk in Palästina. Die diesjährigen Sammlungen für den Zionistischen Zentralfonds einschließlich hebr. Schulwerk haben im 1. Ouartal 1915 den Betrag von Mark 46 000.— ergeben. In allen hebräischen Schulen Palästinas (mit Ausnähme der Mädchenschule in Jaffa) wird der Betrieb regelrecht durchgeführt. Rußland und die Juden. Der „Nowy Woschod" meldet: In der der Eröffnung der Duma vorhergehenden Konferenz zwischen einigen Duma-Deputierten und der Regierung erklärte der Minister des Innern, daß die Regierung gar nichts für die Besserung der Lage der Juden tun könne. Der „Mögen Dowid"-Tag in Rußland. Amerikanische Blätter bringen folgende Nachricht: „Rußland gestattete seinen Juden einen „Mogen-Dowid- Tag" zu veranstalten und Davidsterne in den Gassen zugunsten der Opfer des Krieges zu verkaufen. Im „Rasswjet" stand letzthin folgender Brief aus Minsk: „Der 26. und 27. Januar sind für uns außergewöhnliche Tage gewesen. In den Gassen gingen jüdische Pärchen herum und verkauften Mogen-Dowids. Die Verkäufer trugen blau-weiße Schleifen, auf denen zu lesen stand: „Gebt für die Opfer des Krieges!" Andere trugen hebräische Aufschriften folgenden Inhalts: „Wenn ich nicht für mich bin, wer soll für mich sein?" Die Mogen- Dowids fanden reißenden Absatz und bald trugen alle, sogar Offiziere und Geistliche, das jüdische Abzeichen." Wie groß muß der Geldmangel Rußlands und seine Sucht, in Amerika etwas von diesem kostbaren Stoff zu erlangen, schon sein, wenn es glaubt, der amerikanischen Oeffentlichkeit solche Märchen wie dieses von der amtlichen Propaganda des in Rußland sonst mit Gefängnisstrafe bedrohten Tragens zionistischer Abzeichen, vorlügen zu müssen? Die Leiden der Juden in Polen. Die „Hazephirah bringt folgenden Brief aus Bjalistok: „In unsere Stadt sind Tausende von Flüchtlingen gekommen, besonders aus Lomza, welcher Ort fast nur von Juden bewohnt ist. Lomza ist ein großer Trümmerhaufen. Der größte Teil der Bevölkerung flüchtete aus Lomza und viele wurden auf der Flucht von Schrapnells verwundet und getötet. Alle leiden schreckliche Not. In Bjalistok wurden die Flüchtlinge gut empfangen. In Minsk sind 2000 Flüchtlinge angekommen." Ausweisung galizischer Flüchtlinge. Die Jüdische Volkszeitung in Breslau teilt in ihrer Nummer vom 7. Mai mit, daß auch aus Oesterreichisch- Schlesien die galizischen Flüchtlinge ausgewiesen wurden und der Zuzug mit geringen, von den poli-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.