Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 19 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- Seite 153 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 153 und wenn es sein muß, für sie das Leben zu lassen. In der Tat erzählt unsere Geschichte von Märtyrern, die, in die Thora eingehüllt, verbrannt oder ertränkt wurden. Deshalb ist die Thora unsere Thora. Sie ist und heißt unser „Erbe", aber sie will auch unser selbsterworbenes „Eigentum" sein, und kein Volk der Erde kann einen solchen unbestrittenen Besitztitel für seine Heimat, kein noch so mächtiger Alleinherrscher für sein Reich geltend machen, wie wir für unsere Thora, für die seit Jahrtausenden größere Ströme von Blut und Tränen vergossen würden, als für irgend ein materielles oder geistiges Gut. Was die Thora ist, was sie für die Menschheit ist, was sie für uns ist, habe ich zu schildern versucht, indem ich mich dazu der Bilder, der Vergleiche bediente; diese aber umschreiben nur, sie verhüllen oft, was sie enthüllen sollten. Denn auch ich bin nur einer von denen, von deren Verhältnis zur Thora ich im Eingange sagte: „Wer kennt sie nicht, und wer wagt zu sagen, daß er sie kenne?" Ohne Bild und Vergleich, in unverhüllter Klarheit ist die Wahrheit nur dem unvergleichlichen Propheten kund geworden, dem wir die Thora verdanken, unserem größten Lehrer, dem Volksbefreier und Volksbildner Mose. Er heißt der „Mann Mose", „der Mann Gottes", der „Knecht Gottes", der „bescheidenste unter allen Menschen, die auf der Erde sind" — verschiedenartige Benennungen, die aber einander ergänzen und bedingen, und die vereint das Gesamtbild dieser einzigartigen Erscheinung ergeben. Ob die Statuen, die ein Michelangelo, ein Thorwaldsen von Mose geformt haben, diese Erscheinung veranschaulichen? Ich weiß es nicht, aber das weiß ich: wenn am Schowuausfeste die zehn Worte im Gotteshause vorgelesen werden, dann erhebt sich die Gestalt Moses mitten in der Gemeinde lebendig aus diesen Worten. Die Thora hat Mose lebendig erhalten. Die Thora ist ein Abglanz von ihm, wie er selbst ein Abglanz göttlicher Herrlichkeit ist. Das ist das letzte Wort des Prophetentums, die Summe aller in ihm aufgespeicherten Weisheit und Erfahrung: „Gedenket der Thora Moses!" Ein Stimmungsbild aus Russisch-Polen Der bekannte Berliner Maler Herr Hermann Struck, der vor kurzem eine Reise nach Russisch-Polen gemacht hat, stellt uns folgenden für die Stimmung der dortigen Bevölkerung sehr charakteristischen an ihn gerichteten Brief aus Russisch-Polen zur Verfügung: .....21. März 1915. „ . . . Viel habe ich von den Mördern gelitten. Fast jede Nacht klopften sie an unsere Tür, um Fürchterliches zu begehren. Deshalb ging ich nach Lodz. Bei der Belagerung Lodz' war ich in der Stadt. Ich hatte viel mit meiner Familie auszustehen. Wir haben hungern müssen, denn es war nirgends was zu bekommen. Die hungrigen russischen Soldaten haben alles aufgegessen; sie entnahmen bei den Juden alles, was sie fanden. Es ist mir unmöglich, all die Leiden, die wir während drei Wochen zu ertragen hatten, zu beschreiben. Der Hunger war sehr groß. Ein Bauer hatte Kartoffeln zu verkaufen, und wir Juden kauften sie bei ihm am Sonnabend und trugen sie selbst nach Hause. Von den wenigen, was ich zu essen hatte, mußte ich noch meiner Mutter und meinen Geschwistern abgeben, die alles während des Krieges verloren hatten. Als ich zu meiner Mutter kam, erkannte sie mich nicht — und ich habe fürchterlich geweint ... So dauerte, die entsetzliche Lage drei Wochen, bis die Deutschen die Stadt Lodz besetzt haben. Als die Deutschen in die Stadt kamen, wurden sogleich die Geschäfte geöffnet, man hat sofort Brot gebacken, und es wurde uns etwas leichter. Wir hatten keine Angst mehr, daß die Russen uns unser Brot rauben werden. Ich selbst habe es gesehen, wie ein russischer Soldat einen armen Juden, der Brot trug, geschlagen hat und das Brot ihm wegnahm. Ich habe bis jetzt nicht den hundertsten Teil der Schrecken beschrieben, die wir erlebiten. Ich fuhr dann nach .... und öffnete meinen ärmlichen Laden, der schon von früher her durch den Boykott der Polen ruiniert war. Gott möge uns Juden vor den mörderischen Russen hüten und beschützen!!" Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen. Aschafienburg. Alfred Grünebaum, Oberleutnant d. Res., Inf.-Reg. 21; Dr. Friedr. Rosenthal, Stabsarzt. München. Dr. med. Benno Jakob, Stabsarzt d. Res. a. D.; Alfred Schlomann, Ingenieur; Julius Seligsohn, Offiziers-Stellvertr., 2. Feld-Art.-Reg.; Leopold Borchheimer, Reservist i. 5. Feld-Art.-R. Nürnberg. Fritz Neuburger, Gefreiter d. Res., bayr. Res.-Inf.-Reg. 20; Dr. Iglauer, Oberarzt d. Landwehr. * * * Nürnberg. Der Turnwart des Jüdischen Turn- und Sportvereins Nürnberg, Rechtspraktikant Nathan Kahn, welcher nach Genesung von seiner Verwundung seit geraumer Zeit wieder in der Front steht, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem bayerischen Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Nürnberg. Ingenieur Wilhelm Hecker, der früher in Nürnberg weilte und durch seine Palästina-Vorträge in jüdischen Kreisen bekannt war, hatte vor etwa Jahresfrist einen Ruf als beratender Ingenieur an das Palästina-Amt in Jaffa, angenommen. Dort stellte er sich bei Kriegsbeginn der deutschen Militärmission zur Verfügung und bekleidet z. Z. die Stellung des Chefingenieurs beim Stabe der kaiserlich ottomanischen 10. Armee in Jerusalem. Herr Hecker sendet unserem Nürnberger Korrespondenten Grüße aus der Wüste für alle Freunde, nebst einem Bilde, das ihn in der kleidsamen Uniform seines militärischen Ranges darstellt. P. O. Welt-Echo Der Krieg und die Judenfrage. Das Executivcomite der Süd-Afrikanischen Zionistenförderation hat auf seiner letzten Tagung in Johannesburg folgende Resolutionen beschlossen: 1. Die Executive der Südafrikanischen Zionisten-Förderation, welche mehr als 100 zionistische Vereine vertritt, ist der Meinung,- daß eine einzigartige Gelegenheit zur Wahrnehmung der Rechte der Juden sich bei den Friedensverhandlungen nach Beendigung des Krieges bieten wird und daß die größten Anstrengungen zur Sicherung dieser Rechte gemacht werden müssen. 2. Es erscheint dringend geboten,