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Das jüdische Echo · 1915-05-07 · 18 (7.5.1915) · p. Seite 145

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 145 eigener nationaler Leistung gelangen. Dieser Wille zu nationaler Entwicklung wird im Zionismus zur schöpferischen Tat: Im Einklang mit den religiösen Hoffnungen des alten Judentums stellt er sich die Aufgabe, Palästina mit Juden zu besiedeln und damit der Judenheit der ganzen Welt einen allgemein anerkannten nationalen Mittelpunkt zu geben. Im vorigen Jahre habe ich in dieser Zeitschrift bereits zum Ausdruck gebracht, daß diejenigen, die wirklich international fühlen, das heißt, die anerkennen, daß die verschiedenen Nationen berufen sind, durch eigenartige Leistungen ihrer spezifisch nationalen Begabung die allgemeine Kultur der Menschen fortzuentwickeln, das zionistische Streben gutheißen müssen." An der Hand einer soeben neu erschienenen Publikation von Davis Trietsch „Juden und Deutsche, eine Sprach- und Interessengemeinschaft" erörtert Quessel diese Sprachgemeinschaft, die in gewissem Sinne eine Interessengemeinschaft zwischen Deutschtum und Judentum bedeute. Für die aktuellen Probleme bedeutsam erscheint Quessel vor allem, daß ein Interesse des Zionismus für die Erhaltung der Türkei vorhanden ist. „Wie die palästinensische Judenheit selbst, so sind auch die Zionisten der Alten und Neuen Welt überzeugt, daß der türkische Staat trotz seiner Mängel der geeignetste Rahmen für die Erreichung des zionistischen Zieles darstellt und somit die Erhaltung der Türkei direkt im zionistischen Interesse liegt." Die Zentralmächte und die zionistischen Organisationen scheinen dem in den kolonialpolitischen Fragen gut orientierten Autor nicht nur an der Erhaltung, sondern auch an der wirtschaftlichen Kräftigung des türkischen Staatswesens in hohem Grad interessiert. Die jüdische Presse in Amerika. In New York erscheinen fünf jüdische Tageszeitungen, von denen alle jetzt für Oesterreich und Deutschland sind. (Ein einziges jüdisches Blatt stand am Anfang des Krieges auf Seite der Entente, es verlor aber die Hälfte seiner Leser, der Redakteur mußte resignieren und das Blatt seine Richtung gründlich ändern.) Der sozialistische „Vorwärts", das verbreitetste Blatt im Jargon, stand vom ersten Moment an entschieden auf Seite der Zentralmächte. Seinen Standpunkt präzisierte der Chefredakteur des Blattes kürzlich klar und entschieden in folgender Kundgebung, die wir hier zum Abdruck bringen: „Unser Standpunkt ist von Anfang an der gewesen, daß ein Sieg Rußlands nicht nur ein Unglück für die Juden, sondern auch eine Katastrophe für die ganze Welt bedeuten würde. Jedesmal, wenn Rußland geschlagen wurde, erhielt das russische Volk etwas mehr Freiheit. Als Rußland 1855 die Niederlage von Sebastopol erlitt, wurde die Regierung gezwungen, die Bauern zu befreien und die Leibeigenschaft 'abzuschaffen. Nach dem Zusammenbruch Rußlands im Kampfe gegen die Japaner sah sich die Regierung des Zaren genötigt, dem russischen Volke die Konstitution zu geben. Nachher kam aber Frankreich und gab dem Zarenreiche Milliarden, um seine vernichtete Heeresmacht zu reorganisieren, und sofort fühlte sich der Zarismus stark genug, die Konstitution zu zertreten. Es kam die Zeit der „dritten" Duma, d. h. der Duma der Schwarzen Hundert. Wenn Rußland nun im gegenwärtigen Weltkriege siegen sollte, würde die Finsternis, die bisher schon über dem Reiche der Pogrome lagert, nur noch tiefer werden." * * Frau Rahel Fränkel s. Ä. Am Dienstag, 4. Mai, ist Frau Rahel Fränkel hier entschlafen. Eine Greisin von sechsundsiebzig Jahren und doch eine Frau, die bis in ihre letzten Lebenstage sich eine Frische des Geistes und Herzens und einen tatkräftigen Willen bewahrt hatte, Eigenschaften, wie sie manche junge Menschen nicht besitzen. Rahel Fränkel entstammt einer berühmten Rabbinerfamilie: Ihr Urgroßvater, Rabbi David Sinzheim, einer der bedeutendsten Talmudisten zu Anfang des 19. Jahrhunderts, ist in weiten Kreisen berühmt durch seine hervorragende Tätigkeit in dem von Napoleon I. im Jahre 1806 in Paris zusammenberufenen großen Synhedrion. Der Vater der Verstorbenen, der frühere Darmstädter, später Halberstädter Rabbiner Benjamin Hirsch Auerbach, ist bekannt als der Verfasser des „Nachal Eschkol", eines der hervorragendsten Werke der hebräischen Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Sein vor fast anderthalb Jahrzehnten verstorbener Sohn und Amtsnachfolger Dr. Selig Auerbach, Mitbegründer und Vorsitzender der Vereinigung der traditionellen Rabbiner Deutschlands, war der einzige Bruder der verstorbenen Frau Fränkel. Frau Rahel Fränkel hat gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Großhändler WÄlhelm Fränkel, der ihr um mehrere Jahre im Tode vorausgegangen ist, ein Haus begründet und verwaltet, das den von ihren Vorfahren überkommenen Sinn altjüdischer Tradition in vorbildlicher Weise gepflegt hat. Das Fränkelsche Haus wurde durch das Wirken der Verstorbenen zu einem Mittelpunkt für das jüdische Leben unserer Stadt. So wurde es vor allem auch von den zahlreichen jungen Menschen empfunden, die als Studenten oder junge Kaufleute sich in München aufhielten und denen die herzliche Gastfreundschaft der Frau Rahel Fränkel in der Fremde ein Stück Heimat zu schaffen verstand. Die Fürsorge für andere, für den Kreis ihrer Verwandten und Freunde, wie für die unendlich große Zahl Armer und Hilfsbedürftiger war ihr ein Herzensbedürfnis, das sich bei der von rastlosem Schaffenstrieb erfüllten Natur der Verstorbenen an jedem Tag ihres Lebens in neue Taten der Nächstenliebe auswirken mußte. So ist auch der Kreis, der um die Heimgegangene trauert, nicht auf die Familie und deren nächsten Freunde beschränkt. Er geht weit darüber hinaus und umfaßt all die vielen, denen die Verstorbene in ihrem Leben Gutes erwiesen. Rahel Fränkel hatte die Genugtuung — die „Sechijoh", wie der altjüdische Ausdruck lautet — es zu erleben, daß ihre Kinder und Enkel allesamt in dem Geiste weiter schaffen und wirken, den sie ihrem Hause aufgeprägt hat, und daß ihre Söhne heute als Vorkämpfer dastehen für die Ideen, denen sie und ihre Vorfahren ihr Leben gewidmet. So wird das Werk ihrer Kinder ein dauerndes Denkmal sein für Frau Rahel Fränkel, die M u 11 e r eines jüdischen Hauses. Es. Eiserne Kreuze München. Ludwig Levyen, Gefr. im 81. Res.- Inf.-Reg., Innenarchitekt, Mitinhaber der Firma Paul Lange u. Co., erhielt für große Tapferkeit auf dem östlichen Kriegsschauplatz das Eiserne Kreuz erster Klasse; Dr. Julius Adler, Unterarzt, Landw.-Inf.-Reg. 124, Sohn der Wwe. M. L. Adler.

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