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Das jüdische Echo · 1915-05-07 · 18 (7.5.1915) · p. Seite 144

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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144 Das Jüdische Echo Nr. 18 bender russischer Hofkreise nieder, daß die russischen Juden nach dem Kriege nicht nur keine Erweiterung ihrer Rechte erhalten, sondern daß ihnen noch einige Rechte genommen werden würden. Sie werden wahrscheinlich nur eine Begünstigung erhalten: man wird ihnen die Auswanderung nach Amerika erleichtern. „Rjetsch" drückt den Wunsch aus, daß Gott Rußland vor solchen Freunden bewahren möge. Der wandernde Ahasver. Ein Korrespondent einer englischen Zeitung berichtet seinem Blatte von der Wanderung russischer Juden, die aus ihren Wohnsitzen ausgewiesen wurden. Der Grund ist wieder einmal „Spionage und Unterstützung der Deutschen". Die Juden werden in Ortschaften verwiesen, die wenigstens 50 Meilen von der Front entfernt liegen. Judenausweisungen. In den russischen Gouvernements Radom und Kielce wurden alle Juden ausgewiesen und ins Innere Rußlands gebracht. Die russischen Juden in Aegypten haben, vom russischen Konsul vor die Wahl gestellt, nach Rußland zurückzukehren oder ins britische Heer einzutreten, das letztere vorgezogen. Jüdische Flüchtlingsfürsorge in Rußland. Die jüdische Gemeinde von Minsk erklärte dem Warschauer Hilfskomitee, daß sie bereit sei, tausend Flüchtlinge zu versorgen. Die Warschauer jüdische Gemeinde versorgt dreitausend Flüchtlinge. Die Minsker jüdische Gemeinde hat für Flüchtlingszwecke 50 000 Rubel nach Warschau geschickt. Die Reichen in Polen. Die „Hazefirah" wendet sich in einem Leitartikel sehr scharf gegen die Millionäre und Reichen von Warschau und weist nach, daß bis jetzt nur die Armen die Flüchtlinge unterstützt haben. Die Reichen täten gar nichts. Ausweisung der galizischen Flüchtlinge aus Budaoest. Das österreichische Ministerium hat sich auf Intervention der österreichisch-jüdischen Abgeordneten Löwenstein und Steinhaus zusammen mit Dr. Kalischer, Rauch und Dr. Groß bereit erklärt, die staatliche Unterstützung der Budapester Flüchtlinge weiter zu tragen und hat die ungarische Regierung davon amtlich verständigt. Die jüdische Presse Oesterreich-Ungarns bedauert, daß die Interventionisten in ihren Verhandlungen mit der Regierung nicht den Standpunkt vertreten, daß allen Flüchtlingen der Aufenthalt in Budapest erlaubt werde. Zeitungs-Echo In der Oesterreichischen Wochenschrift vom 23. April befindet sich ein „Was dann?" überschriebener Leitartikel so ernsten Charakters, daß wir daraus zwei Absätze unseren Lesern zum Nachdenken mitteilen wollen: Es ist gar nicht zu verwundern, daß gerade unter der Judenschaft des neutralen Amerika der Gedanke aufgetaucht ist, daß der Abschluß des Krieges und die im Gefolge desselben zu erwartende Neuregelung der politischen Verhältnisse in Europa die günstigste Gelegenheit darbieten, in diese Regelung auch diejenige der Judenfrage einzubeziehen. Ebenso verständlich ist es, nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, daß die in Betracht kommenden jüdischen Kreise Amerikas nur dann an einen Erfolg ihrer Aktion glauben wollen, wenn es gelingt, die Vertretung der gesamten Judenschaft als Fürsprecher für diejenigen Juden zu gewinnen, um deren politische, rechtliche und wirtschaftliche Existenz es sich handelt. Wer die Geschichte der Behandlung der Judenfrage in Europa während des verflossenen halben Jahrhunderts genau kennt, wird mit den Führern der Bewegung in Amerika mitfühlen müssen, wenn sie den Grundsatz aufstellen, daß diesmal das Plaidoyer für die bedrückten Juden bei den Friedensverhandlungen nur Juden, und diese nur namens der gesamten Judenschaft mit dem gebührenden Nachdruck, mit der natürlichen Wärme, aber auch ausgerüstet mit der erforderlichen Kenntnis des gesamten Materiales, würden führen können. Es ist hier übrigens auch der Platz, einen Irrtum richtigzustellen. Manchen Orts, besonders an manchen maßgebenden politischen Stellen, ist.man der Meinung, daß diese jüdische Bewegung in Amerika von einer bestimmten jüdischen Partei ausgehe. Man glaubt, sie sei einer Idee der Zionisten entsprungen. Sie wäre wohl deshalb nicht minder diskutabel, aber die Meinung ist falsch. Die Anregung zu einer jüdischen Weltkonferenz, aus welcher eine Vertretung der gesamten Judenschaft zu den Friedensverhandlungen entsendet werden solle, entsprang den Kreisen der aus den östlichen Ländern Europas nach Amerika ausgewanderten Juden. ... Es besteht für uns kein Zweifel, daß nach diesem furchtbarsten aller Kriege in Europa ein Judenproblem entstehen wird, wie es tiefer, bedrückender und komplizierter gar nicht gedacht werden kann. Wir möchten dieses Problem folgendermaßen formulieren: Was soll mit jenen Millionen Juden geschehen, welche teils durch den Krieg entwurzelt, ihres Heimes beraubt, andernteils durch den Krieg in noch schwerere Bedrückung und tiefere rechtliche und wirtschaftliche Not geraten sind? Es ist gar kein Zweifel, daß sich die Regierungen mit diesem Problem ernstlich werden befassen müssen. Und daß sie schließlich gezwungen sein werden, der Ueberzeugung Raum zu geben, daß die humanste Art der Lösung dieses Problems die Abwanderung eines namhaften Teiles dieser Juden werde bilden müssen, welche in ihren Aufenthaltsorten sich nicht werden erhalten können, für welche aber der betreffende Staat auch nicht wird sorgen können oder sorgen wollen. Im neuesten Heft der Sozialistischen Monatshefte bespricht Ludwig Ouessel das aktuelle Thema „Deutsche und jüdische Orientinteressen". „Eine eigenartige Verkettung historischer Ereignisse", heißt es in der Einleitung, „hat also die Zentralmächte zwar nicht zum Verbündeten des Judentums schlechthin, wohl aber zum Bundesgenossen der nationalgesinnten Judenheit gemacht, die bestrebt ist. aus Palästina ein Zentrum nationaliüdischer Kultur zu schaffen. Diese durch die Teilnahme der Türkei am Weltkrieg entstehende Bundesgenossenschaft zwischen Deutschtum und nationalgesinnter Judenheit wäre freilich von geringerer Bedeutung, wenn sie rein äußerlich und damit vergänglicher Natur wäre. Im folgenden soll jedoch gezeigt worden, daß in ihr dauerhafte Faktoren' enthalten sind, die sie zu einem geschichtlichen Ereignis stempeln, dessen Tragweite in Deutschland nicht unterschätzt werden sollte, und das der aufmerksamsten Beachtung aller Politiker wert ist." Und ferner: „Die politische Idee des Zionismus besteht nun darin, daß er das Aufgehen des Judentums im Kulturleben der anderen Völker als verhängnisvoll ansieht. Nach der zionistischen Anschauung kann es für die Juden ein würdiges Leben nur geben, wenn sie als Juden wieder zu

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