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Das jüdische Echo · 1915-05-07 · 18 (7.5.1915) · p. Seite 143

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 143 sehen Gedanken und Absichten zum mindesten eindämmen; — aber diese „zoologische" Feindseligkeit gegen den Juden hört nicht auf — es ist schändlich; wir aber wollen mit aller Kraft gegen diese Erscheinung, die unser Gewissen bedrückt, ankämpfen und wenden uns an alle ehrlichen und vernünftigen Menschen mit der Bitte, uns auf die nachfolgenden Fragen Antwort zu geben; wir werden di%Antworten gesammelt in einem Buche herausgeben und hoffen, dadurch manchem, der über diese Fragen noch nicht nachgedacht hat, Anhaltspunkte und Mittel zu geben, um den Juden in seinem Kampf um die Gleichberechtigung zu unterstützen, er, der der Freiheit und Kultur unseres Landes dient, wie die besten unseres Volkes; die Fragen lauten: Ist der Antisemitismus bei uns unter dem Einfluß des west-europäischen entstanden? Was bedeutet er für die Entwicklung des russischen Volkes und für seine wirtschaftliche Entwicklung? Wie beeinflußt ihn die Rechtlosigkeit der Juden und ist er in Ansehung der großen Völkerverschiedenheit Rußlands nicht ein gefährlicher Keim für Rassen- und Nationsvoreingenommenheiten? Was haben die Juden in der Kunst und Wissenschaft geleistet, und was für Maßregeln gibt es, um einen aktiven Widerstand gegen die Verbreitung der Rassenfeindseligkeiten zu leisten?" Unterzeichnet ist der Aufruf von Leonid Andre j e w , Theodor S o 1 o g u b u. Maxim G o r k i. In derselben Zeitung polemisiert der bekannte Nationalökonom P. B. S t r u v e gegen den Plan dieser Umfrage, geht aber trotzdem auf die gestellten Fragen ein und glaubt, daß der Antisemitismus in Rußland dann aufhören werde, „wenn die Leidenschaften der Stimme der Vernunft untergeordnet werden im Interesse der Existenz eines Volkes und im Interesse des Staates." So wohltuend auch manchen russischen Juden dieser Aufruf berühren muß, so illusorisch ist er in beziig auf seinen praktischen Wert. — Die „Stimme der Vernunft" verhallt kläglich über der endlos hingestreckten Fläche von 20 Millionen Quadratkilometern, und der Strom jüdischen Blutes, der in dem dunklen Erdreich Rußlands versickert, verliert sich in unterirdischen Rinnen und Höhlen, ohne eine Heimat zu finden in dem Boden, für den er starb. Aber auch in England, jenem vielgepriesenen Lande, wo die Freiheit und die Gleichberechtigung nur so an den Bäumen wächst, hat man den bübischen Mut gefunden, in diesen Tagen Steine zu werfen auf ein Volk, das seine Geschichte in einer schmerzenden Folge tragischer Ereignisse hinaufgeführt hat bis in den Wirbelsturm dieses Tages. Man hetzt natürlich nicht gegen den englischen Juden, man ist ja Gentleman und weiß es zu würdigen, daß jüdisches Geld und jüdische Freiwillige Dinge sind, die man nicht verachten darf. Aber man hetzt auf fremdes Konto und hofft dadurch, sich bei diesem und jenem ein Steinchen ins Brett zu setzen: „Die englischen Juden sind gute Patrioten — aber die Libauer — die 'haben angefangen, deutsch zu reden in dem Momente, als sie auf .dem Meere die ersten deutschen Schiffsschornsteine sahen" (Morningpost), oder: „Die Türken hätten den Schritt zum Kriege nie unternommen, wenn in Konstantinopel die Herren der Situation Muselmänner wären; der Sultan und seine Familie, das sind wohl reine Türken, die wollen keinen Krieg — verantwortlich für den von der Türkei begangenen Wahnsinnsakt sind Verbrecher, Mitglieder des Komitees für Einheit und Fortschritt, das heißt in der Hauptsache Juden und Atheisten, die von den Deutschen gekauft wurden, um ihr Vaterland zu verraten" (Times). Dabei träumte dieser und jener noch vor kurzem von dem Verständnis der englischen Politik und Presse für unser Volk. Man hatte die vor ein paar Jahren eingeschlagenen Fenster und geplünderten Judenladen drunten am Meere vergessen, wo englische Handwerker eine so herrliche Arbeit lieferten, daß ihre heutigen Bundesgenossen vom Schwarzen Hundert sie nicht besser hätten leisten können. . . . Wenn man die ausländische jüdische Presse liest, dann steigt einem viel ohnmächtiger Zorn auf gegen die russische Horde und gegen die Fischgesichter der englischen Reporter, gegen dieses ganze dunkle Volk, das seinen Mut aus der Verleumdung und seine Kraft aus der Notlage und Schwäche seines Gegners bezieht. Man sieht den reichen Kranz junger Hoffnungen welk vor sich liegen, und der Glaube an die Erlösung und den Erlöser will morsch in sich zusammenfallen. Friedrich Hebbel schrieb 1839 in sein Tagebuch: „Aufgeklärte Juden: in welchem Verhältnis stehen sie zu der messianisehen Idee? Und ohne diese Idee — sind sie noch Juden?" — Welt-Echo Der Plan eines jüdischen Kongresses. In der amerikanischen Presse wird der Plan der Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses, der die Forderungen des jüdischen Volkes für die spätere Friedenskonferenz Annullieren und die Schaffung einer legitimen Vertretung des jüdischen Volkes vorbereiten soll, weiter eifrig diskutiert. Auf einem vor kurzem abgehaltenen Meeting in New York wurde ein fünfziggliedriges Komitee gewählt, das für die Einberufung eines jüdischen Kongresses tätig sein soll. Die leitende Persönlichkeit dieses Kongresses ist der bekannte Zionist Herr Josef Barondes. Mit dieser Frage beschäftigte sich auch die unlängst in New York abgehaltene Konferenz der sozialistisch-zionistischen Arbeiterpartei Poale-Zion. Auch hier wurde beschlossen, eine große Aktion in Bewegung zu setzen, um den Kongreß unter Beteiligung der großen jüdischen Organisationen zustandezubringen. Eine ähnliche Konferenz fand jüngst in Mailand statt. Sie wurde von dem bekannten jüdischen Politiker L u z z a t i, dem ehemaligen italienischen Finanzminister, geleitet. Zangwill und kein Ende. Die Idee, auf den kommenden Friedenskongreß die Frage der Schaffung eines jüdischen Palästina zu bringen, hat in England bereits eine lebhafte Diskussion hervorgerufen. Zangwill, der noch bis vor kurzer Zeit auf die Schaffung eines jüdischen Paradieses in Rußland seine Hoffnung gesetzt hatte, hat seine unnatürliche Sympathie für das Zarenreich aufgegeben und redet voll Ueberschwang einer politischen Palästinaaktion das Wort. „Freunde Rußlands" nennt sich eine neu gegründete Gesellschaft in England, die eine Annäherung an Rußland herbeiführen will. Ihr Spiritus rector ist der bekannte Stephan firaham. Er wird wegen seiner Stellung zur russischen Gesellschaft und zu den russischen Juden heftig angegriffen. Die „Ruskija Wjedomosti" berichtet über einen Artikel, den Graham in der „English Review" geschrieben hat. Er legt darin die Absicht maßge-

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