Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 17 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Das Jüdische Echo Nr. 16 Willkür und Anmaßung. Noch ist die Stunde nicht gekommen, um das ganze Ausmaß ihrer Leiden der Welt zu sagen, noch sind zuviel der Stimmen jetzt oder für immer erdrosselt, erst nach dem Kriege wird hier eine Anklage erhoben werden müssen gegen alle, die es verschuldet und gegen die Welt, die schweigend und durch ihr Schweigen zustimmend diese Verbrechen geduldet hat. Aber auch die Flüchtigen, die in furchtbarer Diaspora über ganz Oesterreich sich verstreuten und nach Rußland zurück, soweit das Gesetz ihnen dort Heimstatt erlaubt, leben seit Monaten nur vom bittern Brot des Mitleids und der Fremde. Seit den Tagen Nebukadnezars und der Zerstörung des Tempels hat das jüdische Volk vielleicht keine härtere Prüfung bestanden. Welt-Echo Die Rede eines jüdischen Ministers. Auf einem Bankett in London erklärte kürzlich der englische Minister Herbert Samuel (ein Jude), die Tripleentente wolle allen kleinen Völkern die Freiheit bringen (wohl mit Hilfe Rußlands?). Nach dem Kriege werden die kleinen Nationen in der Türkei die Freiheit erlangen. Die jüdische Zeitung „Jewish World" bemerkt hierzu, daß man unter den „kleinen Völkern" die Juden in Palästina verstehe. Ein wichtiger Schritt der englischen Zionisten. Die englischen Zionisten veröffentlichten ein Manifest, in weichein sie sich bereit erklären, gemeinsam mit jeder jüdischen Körperschaft für das Recht der Juden in den Ländern der Unterdrückung zu arbeiten. Fs soll nämlich verhütet werden, daß das Recht der Juden verkürzt werde im Falle des Besitzüberganges eines Landes an eine andere Macht. Zaugwill wird heitig angegriffen von einer englischen Arbeiterzeitung, weil er den jüdischen Interessen zuliebe die englischen opfere. Er wird wegen seiner Veröffentlichung über die Judenverfolgungen beschuldigt, die Freundschaft zwischen England und Rußland zu gefährden, wodurch es Deutschland möglich würde, England zu besiegen. Das „Victoria Cross" für einen Juden. Wie aus London berichtet wird, ist dieser Tage das erste Mal in der Geschichte der hohe englische Orden „Victoria Cross" an einen Juden verliehen worden. Der Ausgezeichnete ist Leutnant Frank Alexander De Paß von der Indian Cavalry. Die Auszeichnung wurde ihm erst nach seinem Tode zuteil, denn er fiel an dem gleichen Tage, an dem er sich durch hervorragende Tapferkeit das „Victoria Cross" verdiente. Die jüdische Einwanderung in Amerika. Am 14. März d. J. tagte in New York die jährliche Versammlung des Hilfsvereins „Hachnasath Orchim" für jüdische Einwanderer in Amerika. Er bestand ursprünglich aus 2 großen Vereinen, die sich vor einigen Jahren zu einem einzigen großen Vereine zusammenschlössen, der in allen größeren Städten Zweigvereine hat, mit zusammen gegenwärtig 46 000 Mitgliedern, gegenüber der Zahl von 15 300 im Jahre 1913. — Wie in Amerika üblich, wurde diese Versammlung unter feierlichem Gepränge abgehalten. Verschiedene jüdische Gemeindegrößen sowie zwei hohe Beamte des Einwanderungsamtes in Ellis Island sprachen auf dieser Konferenz ihre Ansicht über die Bedeutung der jüdischen Einwanderung aus. Von den gehaltenen Reden verdienen die folgenden weitere Beachtung. Der GeneralkoMimissär des Einwände-. lungsamtes sagte in seiner Rede: Es wäre nur zu begrüßen, wenn alle andern Nationen für ihre Einwanderer so sorgen würden, wie die Juden. Das Einwanderungsamt wird immer die Rechte der Einwanderer schützen. Ein anderer hoher Beamter des gleichen Amtes, Mr. Dnester, führte folgendes in seiner Rede aus: „Es muß ein Unterschied zwischen jüdischen und andern Einwanderern gemacht werden, denn die Mehrheit der jüdischen Einwanderer kommt nicht nach den Vereinigten Staaten, um mehr zu verdienen, sondern einzig und allein, weil sie in ihrer Heimat ihres Bekenntnisses wegen verfolgt wird. Darum verdienen sie anders, d. h. besser behandelt zu werden als alle andern Einwanderer." Der Oberkommissär (High Commissioner of Emigration) sprach sich für die freie Einwanderung aus und erklärte dabei folgendes: „Ich glaube nicht an Gesetze, die einem Teile der Bevölkerung erlauben, glücklich zu leben, während ein anderer Teil in Not und Elend verkommt. Ich bin kein Kommissär, sondern Türsteher der Vereinigten Staaten von Nordamerika und ich bin stolz auf meine Mission, welche mich auf die Schwelle unserer demokratischen Republik gestellt hat, um als erster die begrüßen zu können, die hierher kommen, um sich bei uns dauernd niederzulassen." „Es ist wahr, daß zwei Prozent von den Einwanderern wieder zurückgeschickt werden, das heißt aber, daß wir 98 Prozent einladen, zu uns zu kommen und gleich allen anderen amerikanischen Bürgern glücklich zu leben. Unser Bestreben ist, daß Ellis Island nicht eine Insel der Tränen, sondern eine Insel des Erbarmens sei." Der Jahresbericht dieses Hilfsvereins enthält folgende Daten: Trotz des Weltkrieges wanderten im Jahre 1914 66 550 Juden in Amerika ein. Ueber 3000 nahmen schon auf Ellis Island die Hilfe des Vereins in Anspruch. Im letzten Jahre nahm der Verein rund 5000 Personen gastfreundlich bei sich auf, von denen er 1770 Anstellungen verschiedener Art vermittelte, außerdem stand er 26 000 Einwanderern mit Rat hilfreich zur Seite. Der Verein organisierte ferner einen sozialen Hilfsdienst, der in Krankheitsfällen den Familien der Eingewanderten beisteht. Palästina und die Tripelentente. Aus New York wird gemeldet: Aus Missionärkreisen stammenden Nachrichten zufolge finden Verhandlungen zwischen England, Frankreich und Rußland statt, in denen das Los Palästinas bei einem Siege der Verbündeten beraten wird. Englische Kapitalisten wollen bereits Pläne ausgearbeitet haben, in denen ein neu anzulegendes Netz von Eisenbahnen und der Bau eines großen Hafens vorgesehen ist, um den Verkehr zu erleichtern und eine Reihe Badeorte ins Leben zu rufen. Dieselben Nachrichten erklären auch, daß die englischen Unternehmer für den Zionismus große Sympathien hegen. Sie sind der Meinung, daß, wenn Rußland den Polen, die Autonomie geben würde, die Lage der Juden sich bedeutend verschlimmern würde, und Palästina würde dann diesen Juden zu einer Stätte der Zuflucht werden, wohin sie ungestört kommen könnten, um dort in Ruhe und Frieden zu leben. Der Staatssekretär des amerikanischen Kriegs* amtes und die Juden. Der „Hebrew" veröffentlicht ein Interview des Korrespondenten der Zeitung. „The Jewish Daily News" mit dem Staatssekretär Garrison des Kriegsamtes der Vereinigten Staaten, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Die Juden", so erklärte Mr. Garrison, „die in den verschiedenen vom Kriege betroffenen Ländern wohnen, werden selbstverständlich die gleL