Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 17 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 137 Die russischen Behörden lassen unter dem Vorwande die Juden aus Städten und Flecken vertreiben, daß sie der Spionage zugunsten der Deutschen und Oesterreicher verdächtig seien. In wenigen Stunden sind 50 000 Juden, darunter auch Wöchnerinnen und 100jährige Greise, nach Warschau expediert worden, bei welcher Gelegenheit sie 50 Kilometer — mitunter auch mehr — täglich in Regen und Schnee zu Fuß zurücklegen mußten. Zu alledem gesellt sich der in den letzten Jahren gewachsene Gegensatz zwischen Juden und Polen, den die russische Regierung immer von neuem schürte. In Galizien, wie in Russisch- Polen vertreten im polnischen Lager gerade jene Gruppen am schärfsten den Antisemitismus, die für die Verständigung der Polen mit dem Zarismus eintreten. Eine naturgemäße Reaktion gegen diese russophile antisemitische Strömung, welche die Polen sowohl in Galizien, wie in Russisch- Polen (ebenso wie die Juden, wenn auch nicht im selben Maße) schädigte, ist der besonders in der Wiener austrophilen Zeitschrift „Polen" scharf zum Ausdruck kommende Standpunkt, neuerlich eine Verständigung zwischen Juden und Polen herbeizuführen. Die oberste Voraussetzung hiezu wäre, daß man im polnischen Lager die Juden Galiziens und Russisch-Polens als gleichberechtigte Nation anerkennen würde, und auf alle Polonisierungsbestrebungen verzichtete. Die Auffassung, „den Juden als Menschen alles zu gewähren, als Nation aber alles zu verweigern", — die der Schriftsteller Leon Wasilewski in einer Reihe von Artikeln in der Zeitschrift „Polen" vertritt, ist nicht geeignet, die Judenfrage zu lösen und Polen sowie Juden zu einem Block gegen den beide Völker in ihren Lebensinteressen bedrohenden russischen Zarismus zusammenzuschmieden. Nicht die durch den Zionismus wachgerufene jüdisch-nationale Bewegung und die hierdurch gestörte Assimilation verhindern eine jüdisch-polnische Kooperation, sondern die all polnisch-antisemitischen Chauvinisten, welche nach dem Urbilde der Allrussen in den Juden eine inferiore Rasse erblicken, diese zu Staatsbürgern zweiter Klasse herabdrücken und wirtschaftlich boykottieren. Wollen die Polen zu ihrer Einigung und nationalen Autonomie gelangen und sich von dem Joch der russischen Knute emanzipieren, dann müssen sie sich unter Oesterreichs und Deutschlands Banner auf demokratischer Grundlage mit den Juden, Ruthenen und Deutschen in allen polnischen Gebieten unter der Devise „suum cuique" verständigen. Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen. Äschaffenburg . Dr. Paul Unna, Oberarzt, Ritter des Eisernen Kreuzes, erhielt den bayr. Militär- Verdienst-Orden 4. Klasse. Augsburg. Dr. med. Robert Lerchenthal, Oberarzt im 1. bayr. Landsturmbataillon „München", erhielt den bayr. Mil.-Verd.-Orden 4. Klasse. Fürth. Arthur Bärlein, Off.-Stellvertreter im i. bayr. Res.-Feldart.-Reg., erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Günzenhausen. Dawid Feldmann, Infanterist, erhielt das bayr. Militär-Verd.-Kreuz 3. Klasse mit Krone und Schwertern. Hof. Dr. Martin Kirschner, Stabsarzt, und Dr. James Lippmann, Oberarzt, erhielten d. bayr. Mil.-Verd.-Orden 4. Klasse. Ichenhausen . Albert Heidelberger, Gefreiter im 2. Feld-Art.-Reg., erhielt das bayr. Militär-Verd.- Kreuz 3. Klasse mit Schwertern. München. Benedikt Nußbaum, Unterarzt im 1. bayr. Reserve-Armeekorps, 5. Res.-Division Inf.- Reg. Nr. 7, erhielt das Eiserne Kreuz (A. H. der „Jordania", München); Dr. Hugo Hirsch, Stabsarzt z. Z. Chefarzt eines Res.-Feldlazaretts, erhielt d. bayr. Milit.-Sanit.-Orden 2. KL; Dr. med. Ernst Rosenberg, Oberarzt bei d. 5. Sanit.-Komp. d. 1. bayr. Landwehr-Div., erhielt d. bayr. Mil.-Verd.- Orden 4. Klasse mit Schwertern. Nürnberg. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielten: Leo Frank, Vizefeldw.; Dr. Ernst Gerst, Stabsarzt im 22. bayr. Feldart.-Reg.; Isaak Grünbaum, Feldlaz.-Insp.; Dr. Julius Heßdörfer, früherer Ass.- Arzt im städt. Krankenhaus. Den bayr. Militär- Verdienst-Orden 2. Klasse erhielten: Jakob Emden, Vizewachtmeister bei der 2. Munit.-Kol. des 3. bayr. Armeekorps; Hechinger, Feldmagazininspektor; Leo Sturm, Feldmagazininspektor, Ritter des Eisernen Kreuzes; Albert Schloßheimer, Offiz.- Stellvertr. im 7. bayr. Landw.-Inf.-Reg., Ritter des Eisernen Kreuzes. Schönsee (Oberpfalz). Emil Eben, Unteroff. beim Kommando einer Munitions-Kol., Sohn des Gemeindebevollmächtigten Wilhelm Eben, erhielt d. bayr. Mil.-Verdienst-Kreuz 3. Kl. m. Kr. u. Schw. Schopfloch. Julius Lauchheimer, Sanit.-Unteroffizier d. Res., erhielt d. b. Mil.-Verd.-Kr. 3. Kl. mit Krone und Schwertern. Wassertrüdingen. Ludwig Kohn, Gefr. beim 1. Chevauxleger-Reg., erhielt d. b. MiL-Verd.-Kreuz 3. Klasse mit Krone und Schwertern. Würzburg. Siegfried Borchheimer, Feldwebel, erhielt das b. Mil.-Verd.-Kr. 3. Kl. m. Kr. u. Schw. Zeitungs-Echo In der Osternummer der „Neuen Freien Presse" (4. April) erschien ein langer Aufsatz von Stefan Zweig als „eine Frage an die Neutralen": Warum nur Belgien, warum nicht auch Polen?. Es heißt darin an einer Stelle: „Und in diesem (polnischen) Volk ist wiederum ein Volk, das den Kelch der Qualen bis zum Rande geleert hat, auch sie sind seit Jahrhunderten Leidensgewohnte und doch nie so geprüft: die Juden. Denn dort in Galizien, in Russisch-Polen ist das Judentum noch Volk, ein Volk mit eigener Sitte, Gebräuchen, Sonderheit und Sprache. Innerhalb aller anderen Nationen ist die Judenfrage in diesem Kriege gleichsam aufgezehrt worden im Feuerbrand der Geschehnisse. In Deutschland, in Frankreich, in England und Oesterreich sind die Juden unterschiedslos eingegangen in die Leidenschaften der Völker, aber im russischen Polen und in Galizien, so weit es die Russen besetzen, ist ihr Schicksal sofort ein Sonderschicksal, ein Proletenschicksal geworden. Alle Rechte sind ihnen genommen worden, und alle Leiden aufgehäuft. Wenn sie flüchteten, konnten sie noch sehen, wie hinter ihnen ihr Hab und Gut von Flamme und Raub vernichtet wurde, wenn sie blieben, hatten sie ihre Liebe zu Oesterreich unter der Anschuldigung der Spionage und des Verrates zu büßen. Sie waren es, die von der Bevölkerung den einrückenden Russen gleichsam als Opfer dargebracht wurden, an denen ihr erster Zorn sich kühlen, ihre böseste Lust sich entladen sollte, sie waren die besten Geiseln ihrer Forderungen, das sicherste Unterpfand ihrer Raubgier, weil sie nach dem Gesetz des Landes und des Krieges vogelfrei waren für jede