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Das jüdische Echo · 1915-04-25 · 16 (25.4.1915) · p. Seite 130

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
16 (25.4.1915)
Date
1915-04-25
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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130 Das Jüdische Echo Nr. 1« Wie sich J. L. Perez europäische Bildung aneignete Von J. Rehberg. In Samoschz lebte ein Mann namens Michel „Feldscher". Er war ein geachteter, aber armer Mann und ernährte sich kümmerlich. Da gewann er durch ein Los eine bedeutende Summe und wurde so über Nacht zum Reichen. Nun kaufte er sich ein großes, schönes Haus am Hauptplatze der Stadt und eröffnete einen großen Bücherladen mit Büchern in vielen Sprachen. Außerhalb der Stadtmauer aber erwarb er eine niedliche Villa zum Somnierauienthalt. So lebte er ein Leben voll Reichtum und Bequemlichkeit. Doch es währte nicht lange und mit dem Manne, der so plötzlich emporgekommen war, begann es nach und nach bergab zu gehen. Der Buchhandel trug nichts ein und auch seine übrigen Unternehmungen schlugen fehl. Schließlich war er gezwungen, sein großes Haus und seinen Laden zu vermieten. Die vielen Bücher wurden in einem Dachstübchen, das ihm der jetzige Bewohner des Hauses überließ, aufgehäuft. Lange Jahre lagen nun die Bücherstöße unbenützt hinter Schloß und Riegel. Der alte Michael aber zog sich auf sein Landhaus vor der Stadt zurück und vergrub sich dort in das Studium der Kabbala. Eines Tages spazierte der junge Perez mit einem Kameraden in der Umgebung der Stadt und kam auch beim Hause des Alten vorbei, der gerade bei seinen Folianten saß. „Komm her, mein Sohn," rief der Gelehrte dem Knaben durchs Fenster zu. Perez näherte sich. „Du bist doch ein kluger Junge," sagte der Greis zu ihm. „Sag", verstehst du diese Stelle hier?" Der Knabe sah ins Buch und gab die Erklärung. Auch auf andere Fragen gab er kluge, treffende Antworten. „Fürwahr, du bist ein aufgeweckter Bursch," sprach endlich der Alte mit väterlichem Wohlwollen. „Ich will dir etwas geben, was dir Freude machen wird." Er erhob sich und ging ins anstoßende Zimmer. Nach wenigen Augenblicken brachte er einen großen, verrosteten Schlüssel und sprach: „Nimm diesen Schlüssel. Er gehört zum Dachstübchen in meinem Hause drin in der Stadt. Geh hin und öffne es. Da wirst du finden, wonach dein Herz begehrt." Der Knabe säumte nicht, zu tun, wie ihn der greise Feldscher geheißen hatte. Mit einer wahren Leidenschaft warf er sich auf die vielen verschiedenen Bücher und las. Mit brennender Wißbegierde durchstöberte er den ganzen Bücherschatz, ohne Ordnung, ohne Reihenfolge — nur lesen und lesen. Und eine neue Welt enthüllte sich der zarten, großen Seele des „klugen Jungen". Und diese Welt zog das Herz des Knaben mit Zauberbanden an sich. Auf einem so merkwürdigen Wege erwarb Perez sein Wissen. Aus einem Lehrbuchc der Physik lernte er die deutsche Sprache. Dann lernte er die Gedichte Heines auswendig, las Shelley, später auch Hauptmann. L. p 1851- Ferner lernte er Polnisch und Russisch und beschäftigte sich eifrig mit Philosophie und den Wissenschaften. Perez, der jüd. Yolksdichter,- über die Kenntnis der hebräischen Sprache CAus einem Artikel „Bildung".) „Wir wollen, daß aas gesamte Volk Hebräisch kann, damit es die Bibel nicht vergißt; die Bibel ist die Quintessenz unserer Nationalität und unserer Ethik . . . Das Hebräische hat aber für uns noch einen anderen Wert. Das Individuum ist kein freier, einzelner Punkt auf der Welt; es ist eine Masche im Netze seiner Generation, es ist gleichzeitig ein Glied der Kette, welche sich von Beginn der Geschichte bis zum jüngsten Tage erstieckt. Sobald die Juden aller Länder die hebräische Sprache verstehen, so ist diese das Band, welches die einzelnen Menschen zusammenhält. Die hebräische Sprache hält auch die Ringe der Entwicklungskette zusammen, sie verbindet uns mit Moses, den Propheten, der Mischnah und Gemarah, mit all unseren großen Sternen, welche auf unserem Himmel geleuchtet haben. Die hebräische Sprache verbindet uns mit denen, welche die Pyramiden bauten, mit denen, welche ihr Blut auf Zions Mauern vergossen, und auch mit denen, welche auf brennendem Scheiterhaufen „Schema Jissroel" schrieen. Die hebräische Sprache vergessen heißt die Thora, die Propheten, die Geschichte vergessen, heißt wie ein Zweig vom Baume gerissen werden, um eine kurze Zeit zu modern und dann zu verschwinden." Ein Disput Von J. L. Perez. Das ist ein warmer, echter Jomtow-Tag, da gehen Reb Schachne — ein hochgewachsener dürrer Jude, ein letzter Abkömmling der alten Kotzker — und Reb Serach, auch ein dürrer, aber nie- E r e z -1915

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