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Das jüdische Echo · 1915-04-25 · 16 (25.4.1915) · p. Seite 126

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
16 (25.4.1915)
Date
1915-04-25
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 Das Jüdische Echo Nr. 16 sammengepfercht wurde, daß man sich um die religiösen Forderungen der Schützlinge nicht im geringsten bekümmerte. Das alles würde uns nicht so stark erregen, wenn wir nicht als Quelle vieler Maßnahmen eine unbegründete Feindseligkeit gegen Unschuldige annehmen müßten. Die österreichischen Juden sehen sich schon im Frieden einem organisierten Antisemitismus auf christlich-sozialer und nationaler Basis gegenüber. Er ist nichts im Vergleich zu den Er- JÜDISCHE ZEITUNG jftfi« NflTIDNRL -JÜDI5CHE5 ORGAN »gftj Mit Beilage: «DER JÜDISCHE NATIONALFONDS" ift U^(f^"vo«iWM^','^j''l>ir *7«rtT«<ft *gtnT^" < V^^'*nji<lCnitl 'm"'"^'^"^ i "m^^'^* m ' ^r^1'1''' 1 scheinungen, die der Antisemitismus jetzt mitten im Kriege zeitigt. Und wenn die österreichischen Juden die Zustände der Öffentlichkeit durch die Presse bekannt geben wollen, sich verteidigen gegen die maßlose Hetze der Antisemiten, verschließt ihnen der Zensor, statt unparteiisch die Angreifer zu maßregeln, den Mund. Die also in ihrer Ehre als Staatsbürger Gekränkten müssen schweigend dulden. Deshalb sehen die jüdischen Zeitschriften in Oesterreich beinahe jede Woche so aus wie die obenstehende Reproduktion. Aber nicht nur auf einer Seite, sondern auf vielen. Mitten im Satz sind Artikel unterbrochen oder abgebrochen, bald bleibt von ihnen nur der Titel im Inhaltsverzeichnis stehen, bald ist überhaupt nichts mehr von dem ersichtlich, das keine Gnade vor den Augen des Zensors gefunden hatte. Allerdings ist die eine oder andere jüdische Zeitschrift schon zahm geworden und läßt die früheren allen gemeinsamen weißen Felder vermissen. Allein dieser Zustand läßt erkennen, in welcher Lage sich die österreichischen Juden befinden, da ihnen Bevölkerung und Beamtenschaft ganz gleich gesinnt sind. Allmählich beginnen sich auch die jüdischen Zeitschriften im Deutschen Reiche mit den Vorgängen in Oesterreich-Ungarn zu befassen, nicht nur in der Weise, daß sie bestimmte Fälle zitieren, sondern indem sie sie auch beleuchten. In der letzten Nummer des „Israelit" ist an leitender Stelle eine Zuschrift von „angesehener Seite" aus Oesterreich abgedruckt, die zeigt, welcher Unwillen und Groll sich bei den österreichischen Juden ansammelt — vor allem aber ihre gänzliche Rat- und Hilflosigkeit erkennen läßt: „Aus den Tiefen der antisemitisch verhetzten Volksseele in Wien und in ganz Oesterreich steigt das Gespenst gesteigerten Judenhasses ... Es wird verleumdet, Anschuldigungen werden erdichtet, um abzulenken von wirklichen Verrätern . . . Man kann ruhig sagen — und dies haben Minister öffentlich bestätigt — die Juden Oesterreichs bewährten und bewähren sich glänzend, daheim und im Felde, wie nicht anders zu erwarten war ... Sie wollen dafür keinen Lohn . . . Verdienen sie aber das Gegenteil? . . . Sollte da nicht ein kraftvolles „videant consules" aus dem Reiche zu uns herüberklingen? . . . Man muß selbst in der furchtbarsten Gegenwart das Auge für die Zukunft offen haben . . . Das Schicksal der Juden in Rußland, Polen und Galizien ist es, das diese Riesenaufgaben zu stellen beginnt. Geradezu niederdrückend ist der Gedanke, die Juden der Welt sähen dem Kommenden müßig zu. Bevor aber an das Große geschritten wird, muß das Kleinere geleistet werden ... Es möge nicht vergessen werden, den Schutt des verblödenden Judenhasses auch in Oesterreich wegräumen zu helfen. Wir sind Genossen, willige Genossen der Leiden, wir wollen auch Genossen des Segens sein." Die Opfer des Krieges als ungebetene Gäste zu betrachten, ist Ungarn vorbehalten. Es ist unglaublich, aber wahr: Ungarn, doch die eine Reichshälfte, will die galizianischen Juden, da sie Oesterreicher seien, nicht dulden und befördert sie im Einverständnis mit der cisleithanischen Regierung „per Schub", wie der Terminus lautet, nach Mähren und Böhmen, noch dazu just an den Pessachfeiertagen beginnend — damit das Freiheitsfest umso inniger empfunden werde. Die „Allgemeine Jüdische Zeitung" in Budapest bringt Schilderungen von der Behandlung der Flüchtlinge. Eine möge hier zur Kenntnis der Notlage dienen. Massenverhaf hingen „In Furcht und Angst haben die in Budapest befindlichen galizischen Flüchtlinge die ersten Pessachtage verbracht. Am Tage vor den Ostern

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