Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 16 (25.4.1915)
- Date
- 1915-04-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]'. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. mwMm^m Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto! München 3987. 23. Äpril 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 16 1915 Wochenkalender (5675) njnD Äpril Ijar T'K Samstag 24 10 nwip nn« Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 8'/2 Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Ausgang 7.59 Sonntag 25 11 Montag 26 12 yty ti Dienstag 27 13 Mittwoch 28 14 Donnerstag 29 15 Freitag 30 16 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6V2 Herzog Rud.-Str. 7 V4 Inhalt! N. W.: Wie der Burgfrieden in Oester- * reich-Ungarn aussieht! — Dr. Nathan Birnbaum: Perez. — J. Rehberg: Wie sich J. L. Perez europäische Bildung aneignete. — Perez über die Kenntnis der hebräischen Sprache. — J. L. Perez: Ein Disput. — Literarisches Echo, Vereins- Echo, Anzeigen-Echo usw. Wie der Burgfrieden in Österreich-Ungarn aussieht! Es ist nicht zu vermeiden, daß die Zivilbevölkerung, die sich gezwungen sieht, in dem Gebiet der Kriegsoperationen zu bleiben, besonderer Unbill ausgesetzt ist. Man dürfte aber füglich meinen, daß die vor dem Feinde geflohenen Mitbürger auf das Verständnis derer rechnen könnten, die das Glück haben, weitab hinter dem schützenden Wall der Waffen vor dem drohenden Ansturm des Feindes bewahrt worden zu sein, die keine Sorge hatten, ihr Heim zu verlieren, in Lebensnot zu geraten oder bettelarm dem nicht beneidenswerten Lose zu verfallen, die öffentliche und private Wohltätigkeit in Anspruch nehmen zu müssen. In Deutschland betrachtet man den Unterschied, wie die flüchtigen Ostpreußen aufgenommen wurden und wie Rußland seine jüdischen Landeskinder — das Wort ist Hohn - behandelt, wie es die Juden der Grenzgebiete zu Paaren zusammentreibt, eskortiert, mißhandelt, wie es im Dienst des Vaterlandes verwundete jüdische Soldaten den Wohnrechtsbeschränkungen unterwirft als Zeichen dafür, daß die kriegerische Auseinandersetzung mit Rußland mehr als politische Bedeutung hat, daß sie wahrhaft für die Menschheit ein entscheidender Kampf von Kultur gegen asiatische Barbarei sei. Diese weit verbreitete Ansicht erweist sich als Irrtum, wenn man das Verhältnis der Nationalitäten in Oesterreich-Ungarn zu den einheimischen Juden beobachtet. Es ist kein Wunder, daß die galizischen Juden, soweit sie noch krauchen konnten, vor den Kösackenhorden Reißaus nahmen, vor denselben Russen, die schon in Friedenszeiten die Todfeinde der Juden jenseits der Grenze sind, die bei ihren ersten Einbrüchen in Ostpreußen, also noch vor der Besetzung Galiziens gezeigt haben, daß ihre Kriegshorden jedes Völkerrecht verachten und, wie man heute weiß, über all den Juden, welche ihren Platz in Galizien nicht zu räumen vermochten, die Kriegsgeißel in unmenschlicher Weise schwingen. Wir glaubten, daß niemand, und sei es der größte Tor oder haßerfüllteste Antisemit, den galizischen Juden daraus einen Vorwurf machen würde, daß sie ihr nacktes Leben zu retten versuchten. Und doch begegnen sie an ihren Zufluchtsstätten einer Behandlung, die so unvernünftig ist, so sehr absticht von der Art, wie in Deutschland der Burgfrieden gewahrt wird, daß uns Worte der Kritik dafür fehlen. Darum ist es uns auch heute gar nicht zu tun. Es genügt für diesen Zeitpunkt vollkommen, wenn wir die Vorgänge als solche mitteilen, indem wir das vermerken, was der Stift des österreichischen Zensors durchläßt, also noch immer nicht zu den absonderlichsten Beispielen gehört. Wir wollen nichts dazu sagen, daß die Organisation der Flüchtlingsfürsorge den Ansprüchen im Beginn nicht gewachsen war und dadurch die Leiden der Bedauernswerten nur vergrößerte. Wir wollen davon schweigen, daß die einheimische Bevölkerung in unhygienische Barackenlager zu-