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Das jüdische Echo · 1915-04-16 · 15 (16.4.1915) · p. Seite 123

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
15 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
Seite 123 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 123 seines Verwalters Jonas Marx, aus dem wir einige Stellen zur Charakterisierung der Lage wiedergeben: Jerusalem, den 14. Februar 1915. ... Es ist mir geradezu unmöglich, Ihnen zu schildern wie sehr wir — oft bis spät in die Nacht hinein — mit Arbeiten überhäuft sind. Wir sind zurzeit hier nur so wenige, welche in der Lage und geeignet sind, für das Allgemeinwohl zu sorgen, und eben darum häufen sieh gerade auf unsere Schultern so viele zeitraubende Beschäftigungen. Lieber die allgemeine Lage zu schreiben, unterlasse ich, damit desto sicherer dieser Brief in Ihren Besitz kommt. Inzwischen ist es aber unsere heilige Pflicht, nicht unserer armen Kranken zu vergessen! War es schon früher hart, Schwerkranke von unserer Schwelle zu weisen, so ist die Notwendigkeit, solche in der heutigen Zeit aufzunehmen, noch größer geworden. Es gibt jetzt unter unseren Glaubensgenossen eine ganz beträchtliche Anzahl hier alleinstehender Personen, die in einem Krankheitsfalle zu Hause ganz verlassen sind. Es fehlt ihnen nicht nur die notwendige Pflege, oder Stärkungsmitel, sie haben auch kein Geld für einen Arzt. — Obwohl zurzeit nicht der vierte Teil Aerzte des Vorjahres hier sind — und der Gesundheitszustand sich keineswegs gebessert hat —, haben selbst diese wenigen Aerzte nichts zu tun; man ruft sie nicht, man hat kein Geld, sie zu bezahlen. — Heute ist es meine Pflicht, Sie von der Lage unserer Kranken zu benachrichtigen und Sie innigst zu bitten, uns recht rasch telegraphisch Auftrag zu geben, die Gratisbelegungsziffer in unserem Krankenhause, bis auf weiteres zu erhöhen. München. Der israelitische Verein Frauenh i 1 f e , der seit zehn Jahren einen Kindergarten und einen Hort unterhält, hat mit Beginn des Krieges diese Tätigkeit den derzeitigen Bedürfnissen entsprechend erweitert. 150 Kinder besuchen täglich den Kindergarten resp. den Hort. Sie erhalten d.ort alle Mahlzeiten, werden körperlich und geistig gepflegt und ihrem Alter entsprechend beschäftigt. Eine große Anzahl Damen — meist freiwillig arbeitende Kräfte — nimmt sich mit Liebe und Aufopferung der armen Kleinen an. Freunde und Gönner sorgen für die nötigen Mittel und so ist der Verein imstande, durch seine Einrichtungen einer stattlichen Anzahl Familien den Kampf ums Dasein in diesen schweren Zeiten zu erleichtern und seine Schützlinge an Leib und Seele zu fördern. München. Die Ortsgruppe der Jüdischen Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina erläßt ein von den Herren Hofrat Dr. Fugen Dörnberger, Dr. August Feuchtwang e r und Dr. S. Koschland unterzeichneten Aufruf zum Beitritt in die Gesellschaft, in dem es heißt: „Das von jüdischer Seite gegründete Gesundheitsamt, das schon im Frieden für die Sanierung Palästinas wertvolle Arbeiten geleistet hat, erweist sich als ein Segen für den gefahrdetsten Teil des türkischen Reiches und somit auch seiner jüdischen Bevölkerung. Es genießt jedoch noch nicht die Unterstützung der deutschen Juden in dem Maße, das ihm füglich wegen seiner Bedeutung gebührte. — Wir gestatten uns daher, Sie zum Beitritt als Mitglied der »Gesellschaft", der die bedeutendsten Männer der Medizin und andere hervorragende jüdische Persönlichkeiten jedweder Richtung gehören, einzuladen, und hoffen, daß Sie gerne bereit sind, dem Rufe zu folgen, da es sich um die Forderung eines so wichtigen Institutes handelt, das in gleicher Weise deutschen, jüdischen und türkischen Interessen dient und wesentlich dazu beizutragen berufen ist, das uns verbündete türkische Heer vor gefährlichen Schädigungen zu bewahren. — Der Jahresbeitrag beläuft sich auf sechs Mark, den zu erhöhen jedermann frei steht." Das Jüdische Echo ist gerne bereit, Jahresbeiträge und Spenden entgegenzunehmen, die es zusammen mit den schon eingelaufenen ausweisen wird. München. Am 8. April fand die Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur statt, über deren Verlauf uns der Schriftführer des Vereins, Herr Isidor Popper mitteilt: „Nach Entgegennahme des erteilten Geschäfts- und Rechenschaftsberichtes, bei welchem insbesondere bemerkt wurde, daß heuer infolge des Krieges weniger Vorträge stattgefunden haben, wurde beschlossen, eine, größere Summe auszusetzen, um den jüdischen Soldaten im Felde und in den Lazaretten geeignete Bücher und Schriften zu übersenden." Buntes Echo Die ungarische Fahne. Der „Warschauer Heint" bringt eine rührende Schilderung von der Vaterlandsliebe eines jüdischen Honveds, der als Verwundeter im Kiewer Lazarett schwer krank darniederliegt. Als man ihn nach seiner Einlieferung umkleiden wollte, wehrte er sich mit aller Kraft dagegen und wollte in seiner ungarischen Uniform bleiben. Da man ihn mit Gewalt entkleidete, brach er in heftiges Schluchzen aus. Das geheimnisvolle Rätsel löste sich. Der verwundete jüdische Krieger hatte die ungarische Fahne seines Honvedregimentes um den Leib gewickelt, damit sie nicht in russische Hände fallen solle. Seit er seine Fahne verloren weiß, ist er ganz trostlos und niedergeschlagen. Sven Hedin und seine Abstammung. Dr. Adolph Kohut hat sich an Sven Hedin mit der Anfrage gewandt, ob die in die Presse gelangte Mitteilung, daß er von Juden abstamme, zutreffe. Hedin antwortete mit folgendem in deutscher Sprache abgefaßten Brief: „Meine Vorfahren sind seit 300 Jahren (länger kenne ich nicht meine Genealogie) schwedische Bauern und Priester und Aerzte gewesen und haben keinen Tropfen israelitischen Blutes. Der Urgroßvater meiner Mutter soll dagegen Israelit gewesen sein, wovon ich jedoch keine genaue Nachricht besitze. Er soll aus Deutschland eingewandert sein und hieß Berlin. Er wohnte irgendwo in Südschweden, Malmö, glaube ich, und hat sich taufen lassen." Feuilleton Die große Judenverfolgung in München im Jahre 1285 und die Gruftkirche Von Josef Maria Mayer. (Schluß.) Da geschah es auch in München im Jahre 1285, daß eines Tages plötzlich das Geschrei entstand, die Juden hätten einem alten Weibe ein Kind abgekauft oder gestohlen, und hätten dasselbe in einem unterirdischen Keller mit Nadelstichen zu Tode gefoltert. Grund genug, um des Pöbels Wut auf das Höchste zu entflammen. Er drang

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