Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-04-16 · 15 (16.4.1915) · p. Seite 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
15 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9114947--00296-9073123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

122 Das Jüdische Echo Nr. 15 entgegen den großen Traditionen seiner geistigen Heroen, aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, als er es in der Hand hatte, den Juden die Gleichberechtigung einzuräumen, es vorzog, die Juden mit dem moskowitischen Prozentschlüssel zu behandeln. — Den neunten Monat dauert bereits der Krieg. Trotzdem sich Juden aller Parteien — auch die Zionisten —> beeilt haben, in flammenden Aufrufen für die Unabhängigkeit Polens einzutreten, reichlich Spenden für die polnischen Legionäre zu sammeln, haben es die Polen bis jetzt unterlassen, auch nur die leiseste Andeutung von sich zu geben, was die Juden, die doch 15—20 Prozent der Bevölkerung auf polnischen Gebieten bilden, von der Unabhängigkeit Polens für sich zu erwarten haben. ... Es ist ja begreiflich, daß die Polen in erster Linie auf die Sicherung ihrer eigenen nationalen und politischen Zukunft bedacht sind. Die Lösung der Judenfrage überlassen sie — und darausi machen sie ja kein Hehl — einem späteren Zeitpunkt, in dem sie dann selbst zu entscheiden haben werden. Für uns aber entsteht in dieser epochemachenden Zeit die Frage, ob wir unser Schicksal und unsere Zukunft in die Hände der Polen allein, oder aber mächtigerer und einsichtsvollerer Faktoren legen wollen." Welt-Echo Bibelunterricht in Newyork. Ein neuer Gesetz- Entwurf, der dem Parlament des Staates Newyork vorgelegt worden ist, fordert das Lesen von täglich zehn Bibelversen in den öffentlichen Schulen. Der Entwurf hat unter den Juden lebhafte Erregung hervorgerufen. Es sind mehrere große Protestversammlungen im New Yorker Eastend veranstaltet worden. Der Entwurf hat die Empfehlungen des Staatskomitees für Erziehung und es besteht starke Aussicht, daß er angenommen wird. In diesem Falle werden an Gouverneur Whitmar» Petitionen gesandt werden, damit er dem Inkrafttreten des Gesetzes seine Unterschrift verweigere. Die Bibelverse würden nämlich in evangelischer oder katholischer Auffassung gelesen werden und nicht nur aus dem sogenannten alten, sondern auch aus dem neuen Testament. Zangwiil protestiert gegen Rußland und gegen die englischen Blätter, welche den russischen Antisemitismus verteidigen, in der Zeitschrift „Nation". Er wagt, öffentlich zu erklären, daß man kein Recht habe, von der Barbarei der Deutschen zu reden, wenn der eigene Bundesgenosse solche Taten verübe. Ueberhaupt zeigen eine ganze Anzahl von Meldungen, daß Zangwiil aus dem Krieg seine Lehren gezogen hat, und, wo es angeht, rückhaltlos für die Juden Rußlands eintritt. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, daß er sich von Edward Grey hat düpieren lassen und mit seinem bekannten Aufruf die Juden aller Länder verletzt hat. Die Zukunft der russischen Juden stellt sich nach einer Meldung des Hamburger Echo vom 6. März als hoffnungslos dar. S a s a n o w erklärte einem Mitarbeiter der Times, so lange die Macht in Händen der russischen Regierung bleibe, sei die Gleichberechtigung der Juden — ein Traum. Der einzige Ausweg für sie sei, Rußland zu verlassen. Die Regierung könnte sie nur vom Militärdienst nach dem Kriege befreien. Leider, fügt die Korrespondenz hinzu, wird diese „Begnadigung" um sieben Monate zu spät in Aussicht gestellt, nachdem eine halbe Million Juden mit in den Krieg „für Recht und Freiheit" hineingepeitscht worden ist. Der Plan eines Kongresses der amerikanischen Judenschaft wurde von einer Konferenz in New York ins Auge gefaßt, der eine Anzahl von Vorsitzenden jüdischer Organisationen und anderen Persönlichkeiten beiwohnten. Auf dem Kongreß soll genau ein Programm für eine Vertretung der Juden bei der Friedenskonferenz ausgearbeitet werden. Viele Redner haben Kritik an Jakob Schiff, Louis Mars hall u. a. geübt, die sich ohne Mandat das Recht angemaßt hätten, jüdische Interessen zu vertreten, womit sie vielleicht ihren engeren Kreis, aber nicht die breiten Volksmassen zufrieden stellten. Gemeinden-Echo München. Der Lokalanzeiger der München- Augsburger Abendzeitung brachte am 6. April eine Notiz, die in unserem Blatte registriert sei: sc. Israelitischer Religionsunterricht. Wegen des städtischen Zuschusses zu den Kosten der israelitischen Religionsunterrichtserteilung an den Münchener Volksschulen petitioniert bei den städtischen Gremien die israelitische Kultusgemeinde. Die Autorschaft für die auch textlich von der Verwaltung genehmigte Eingabe hat eine bekannte juristische Kapazität inne. Zurzeit zahlt die Stadt zu den Kosten 2000 Mark, vordem waren es nur 700 M. Die Kultusgemeindeverwaltung wird das Ansuchen kräftiger zu verfolgen haben, da in israelitischen und vorwiegend in orthodox-israelitischen Kreisen überhaupt die Errichtung einer vollen israelitischen Volksschule gewünscht wird. Zurzeit besuchen die israelitischen Volksschüler die Konfessionsbezw. Simultanschulen. Die Errichtung eigener israelitischer Volksschulen hätte natürlich die Einsparung des Stadtzuschusses für den Religionsunterricht zur Folge. Nicht minder aber auch die Beitragsleistung der israelitischen Umlagenzahler zu den Volksschulkosten. Man berechnet den Anteil der israelitischen Umlagenzahler an den Schulausgaben mit 600 000 Alark jährlich, der der Stadt entgehen würde, käme es in München zu einer, bezw. zu eigenen israelitischen Volksschulen. Somit ist die Angelegenheit bedeutsamer, als sie sich fürs erste anschaut. Das Recht, solche Sonderschulen zu errichten, beruht an sich auf gesetzlicher Basis. Bei den Orthodoxen berechnet man auch, daß eigene israelitische Stadtvolksschulen die zurzeit oft prekäre Lage der israelitischen Schullehrer verbessern könnten, indem damit für sehr gut qualifizierte Lehrer mosaischen Bekenntnisses Lehrstellen mit den Einkommen wie bei den Münchener Stadtschullehrern eröffnet würden. München. Die jüdischen Gefangenen im Lager Lechfeld, Traunstein und Puchheim wurden, wie uns mitgeteilt wird, soweit es möglich war, zu den Pessach-Feiertagen von der Israelitischen Kultusgemeinde mit ritueller Kost und Mazzes versehen. Vereins-Echo Frankfurt a. M. Das Allgemeine Jüdische Krankenhaus Schaare Zedek in Jerusalem wendet sich neuerdings an Europa mit der Bitte um Hilfe. Der Vorstand des Institutes (Frankfurt a. M., Mauerweg 34) sendet uns einen Brief

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.