Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 15 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 119 davon daß die polnische Frage lange ein Sorgenkind der äußeren Politik war, brachte die An Wesenheit so vieler polnischer Juden wie Christen im Reich auch manche Fragen innerdeutscher Art, von denen wir heute nur diejenige unsere judischen Auslander behandeln wollen, die uns besonders am Herzen liegt. Die deutschen Regierungen haben seit langem die Praxis verfolgt, die Einwanderung der jüdischen Aus ander nicht gerade zu erleichtern und ihre Einbürgerung ist auch heute noch keine leichte Sache. Trotzdem ist mit der Zeit doch eine große Anzahl von Ostjuden allenthalben im Reich ansässig geworden, und die war immerhin so groß, daß sich weite Kreise eingeborener deutscher Juden durch sie bedrückt fühlten. Wie weit das gehen konnte, zeigen die bekannten Vorgänge in den israelitischen Kultuigemeinden Duisburg und Rostock, die heute zu behandeln keine Möglichkeit besteht. Es kann nicht davon die Rede sein, daß die Ausländer bisher irgendwo im öffentlichen Leben besondere Ansprüche geltend gemacht haben und in irgend einer Art tätig hervorgetreten wären, die sie in Gegensatz zu der eingesessenen Judenheit gebracht hätten. Sie durften es nicht, weil sie dann als Friedensstörer erschienen wären, und konnten es auch gar nicht mangels jeder Organisation. Nicht Ansprüche der Ausländer also waren es, die die in den letzten Jahren hie und da hervorgetretenen Mißheligkeiten verursachten. Es war vielmehr ein gewisses Mißbehagen in einigen führenden jüdischen Kreisen, das das ursächliche und treibende Moment dabei war und das in der kürzlich gefallenen Aeußerung des Herrn Geheimrat Geiger seinen Gipfelpunkt erreichte. Nur wenige haben für seine Meinung Verständnis gehabt. Es ist aber tatsächlich ein kleineres und stilleres Mißbehagen in einigen Kreisen der deutschen Judenheit verbreitet und es wird damit begründet, daß ehrliche Betätigung der Verwandtschaft zwischen uns und den Ausländern geeignet sei, unser Ansehen und unsere politische Stellung ungünstig zu beeinflussen. Vielleicht haben die so ängstlichen Seelen recht. Dann hat aber auch der reiche Mann recht, der — trotz Professor Geiger — seinen armen Verwandten im stillen aus vollem Herzen spendet, nach außen hin sich aber ungern zu solcher Familie bekennt. Auch dieser Mann hat recht — in einem äußeren Sinne. Er zeigt aber doch, daß ihm das Ansehen bei der Außenwelt höher steht als das Band, das ihn mit seiner Familie verknüpft, und er bekennt sich damit eher zum Erfolge als zum eigenen Blute. Wer der Meinung ist, daß die Einwanderung aus dem Osten die Stellung der deutschen Juden im Vaterlande erschwere und diese Einwanderung etwa aus d i es e m G r u n d e unerwünscht sei — der wird durch Argumente schwer zu belehren sein. W ir aber glauben, daß er sich täuscht, und daß, wenn diese Auffassung eine allgemeine würde ein gutes btucK Judentum wieder einmal abgestorben wäre. Der Wahlspruch der „Alliance Israeliten Universelle lautet: „Kol Jisrael awerim seh baseh , „jeder Jude bürgt für den anderen . Es wäre recht schade um einen guten Gedanken undl ein schönes Stück Leben, wenn nun auf einmal der der sehe Jude nur noch für den deutschen und der russische für den russischen „bürgen' sollte. Vpr(rnn Ein Judentum, das aus einer stolzen Vergangenheit das Recht herleitet auch m de Gegenwart zu leben und auf die Zukunftzu holfen g bt es damr a'cht mehr. Ohne eine standige Berührung der Juden aller Länder miteinander würde es überhaupt kein Judentum mehr geben, und obwohl für diese Berührung an sich eine Einwanderung der Ostjuden in Deutschland natürlich kein Erfordernis bildet, so heißt es doch, die Verhältnisse gründlich verkennen, wenn man glaubt, den jüdischen Zusammenhang zugleich ernstlich aufrecht erhalten und den armen Verwandten zugleich aus der Wohnstube fernhalten zu können. Wir wollen vielmehr unsere ganze Kraft dafür einsetzen, die Ursachen für die Wanderung der Ostjuden in Wegfall bringen. Vielleicht ist heute die Schicksalsstunde gekommen, die ihnen die Heimat zur Heimat werden läßt. Nun — dann wollen wir uns für sie freuen, die doch gewiß nicht wegen der Rostocker Kultusgemeinde sich der Mühsal der Wanderung unterzogen haben. Um so weit zu gelangen, würden wir uns gerne auch mit den anderen zusammentun, und wenn diese sich dann des Erfolges um ihrer selbst willen freuen, so gönnen wir ihnen alles Gute, wenn es, wie hier vielleicht, mit dem Glück der Allgemeinheit sich vereinigen läßt. -1-s. Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen. Günzenhausen. Adolf Lehmeier erhielt die silberne Verdienstmedaille; Jakob Feldmann das Verdienstkreuz 3. Klasse mit Krone u. Schwertern. Hof. Dr. med. Friedrich Lewy, Stabsarzt; Dr. med. Paul Rosenthal, Stabsarzt. München. Max Frank im bayr. Res.-Inf.-Reg. 13; Hugo Guttmann, Offiziers-Stellvertreter im bayr. Feld-Art.-Reg. 6; Robert Levi, Vizefeldw. der Res. i. bayr. Res.-Inf.-Reg. 14; Dr. Friedrich Binswanger; Dr. Erwin Cohnreich, Sohn des Herrn Privatier Nathan Cohnreich, im 248. Inf.-Reg. (Württemb.) erhielt die württemb. silberne Tapferkeitsmedaille; Max Hecht erhielt d. bayr. Verdienstorden mit Schwert. Nürnberg. Dr. Benno Griesmann, Assistenzarzt b. 1. Res.-Inf.-Reg.; Dr. med. Julius Hechinger, Stabsarzt; Dr. M. L. Mayer, Oberstabsarzt, Sanitätsrat; Max Sturm, Feldmagazininspektor, Sohn des Herrn Leon Sturm; Dr. Benno Jakob, Stabsarzt der Landwehr, erhielt den bayr. Militär-Verdienstorden 3. Klasse. Würzburg. Dr. Josef Grünbaum, Leutnant u. Bataillonadjutant; Dr. Martin Marx, Rechtspraktikant; Max Mandelbaum, Oberapotheker, erhielt das bayr. Militär-Verdienstkreuz 1. Klasse mit Krone und Schwertern. Beförderungen Günzenhausen. Max Seiler, Sohn der Wwe. Seiler, wurde zum Leutnant befördert. München. Dr. Erwin Cohnreich ist zum Assistenzarzt befördert worden. Gefallen München. Karl Dessauer, Leutnant der Landwehr; Erich Lauffer, Kriegsfreiwilliger, Angestellter der Bank für Handel und Industrie; Hermann Schneider, Leutnant der Reserve, k. b. Finanzassessor. Äus einem Feldpostbrief ... Am 1. Sederabend in vorderster Linie, dachte ich an Euch, meine Lieben, und an die Feier dieses Tages zurück. Der Feind war in der Nacht sehr anständig. Selten flogen die Kugeln an uns vorbei und mit Leuchtkugeln wurden wir auch nicht bedacht. Am zweiten Abend wurde mir