Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 14 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Das Jüdische Echo Nr. 14 die jüdische Gemeinde eines ihrer besten Mitglieder, die Allgemeinheit einen hochgeschätzten Mitbürger. Wenn es galt, Akte der Wohltätigkeit auszuführen, war er stets am Platze. Kein Bittender verließ unbefriedigt seine Schwelle. Als langjähriges Vorstandsmitglied der israelitischen Realschule war er stets bestrebt, deren Interessen zu wahren und in schweren Zeiten zur Sicherung der Anstalt mitzuwirken. Vereins-Echo Berlin. Der uns vorliegende Jahresbericht des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands, Geschäftsstelle: Charlottenburg, Englische Str. 30, für 1913/14 zeigt, daß der Verein seinem Programm, eine möglichst große und tüchtige Zahl jüdischer Jünglinge für seine jüdische Bauernkolonie heranzubilden, auch im abgelaufenen Geschäftsjahr gerecht wurde. — Ein Beweis des Erfolges des Vereins, die Landwirtschaft auch unter deutschen Juden als Lebensberuf einzubürgern, wird im Bericht durch Vorführung eines besonderen Falles illustriert, den wir an anderer Stelle unseres Blattes wiedergeben.—Möchten sich auch ferner recht viele Gönner finden, damit das Wirken des Vereins immer kräftiger in Erscheinung tritt. Frankfurt a. M. Die A c h a w a , Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer, Lehrer- Witwen und -Waisen in Deutschland, sollte im vergangenen Jahre ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern. In Anbetracht der Kriegszeiten wurde jedoch von jeder Feierlichkeit abgesehen. Auch die Abhaltung der alle fünf Jahre stattfindenden Generalversammlung, die im Dezember vorigen Jahres tagen sollte, wurde unterlassen, um zu gelegener Zeit nachgeholt zu werden. — Ein Jahresbericht gelangt im laufenden Jahre nicht zur Versendung. Ueber die Verteilung der Pensionen, deren Quoten dieses Mal von 180 Mark auf 168 Mark herabgesetzt werden mußten, erfahren wir von einem Vorstandsmitgliedc: An Pensionen wurden 1914 gezahlt: 152 17919/^ Teile zu je 168 Mark, d. s. 30 205 Mark. Davon kamen nach Bayern 21 Pensionen — 283A Teile, d. s. 4830 Mark. Einschließlich der Unterstützungen aus dem Reservefonds verausgabte der Verein für Bayern 5000 Mark. Bühnen-Echo Der Kaufmann von Venedig. Aufführung im Münchner Volkstheater am 28. März. Das Sonntagpublikum, die mittleren und höchsten Ränge füllend, vor dem Hr. A r n o 1 d Marie seinen Shylock schuf, klatschte auf offener Szene begeisterten Beifall, als Grazioso mit verblüffend echten Tönen des Judenhasses den unglücklichen Vater der Jessica verhöhnte. Es war der Meinung, der große Shakespeare sei ein Antisemit gewesen. Und sicherlich fragt sich auch der jüdische Zuschauer angesichts manchen krassen Motivs, wie der höchst unsympathischen Gestalt der Jessica, des brutalen Schlusses, kurz, aller derjenigen Szenen, in denen der Dichter den Anschauungen seiner Zeit unterlag, warum ihn Shylock mit solch brennender Teilnahme erfüllt, weshalb jüdische Schauspieler dieser Rolle ihr stärkstes Lehen einzuhauchen streben. Shakespeare, der Könige und Helden schuf, Seelen aller Arten durchdrang, hat im Shylock mit unvergleichlicher Kraft den Juden seiner Zeit gestaltet. Diesem maßlos Bedrückten und außerhalb der Gesellschaft Gestellten bleiben nur zwei Besitztümer, seine Familie und sein Geld. In seinen beiden einzigen Gütern angegriffen, vermag sein Wunsch nach Rache in ein loderndes Feuer auszuarten, für den der Dichter den symbolischen Akt einsetzt: die Gier nach dem Fleisch des Christen. Dies ist der Quell der Handlung; der Höhepunkt aber ist die erste Szene des dritten Aktes, in der Shakespeare, mit genialischer Intuition seiner Zeit um Jahrhunderte vorauseilend, den Juden gewaltig gegen die erdrückende Verachtung um sein unveräußerliches Menschenrecht aufschreien läßt. Weil Shakespeare mit äußerster Objektivität dem Juden gegenüberstand, eigentlich sogar von einer zeitgemäßen Voreingenommenheit gegen ihn sich durchaus nicht freimachte, gewinnt diese Szene an Wert und Bedeutung, ohne jene tendenziöse Färbung anzunehmen, die modernen Stücken eignet. Der Jude ist eine ganz realistische Gestalt, hart und leidenschaftlich, '-achgierig und habsüchtig, weich und zärtlich — immer aber groß und von wuchtender Schwere, nicht irgendeiner, sondern ein starkes und nicht zu übersehendes Exemplar seiner Art. Schildkraut (wir können nicht umgehen, ihn wieder nennen) schuf so aufs überzeugendste die Rolle mit dem ganzen Gewicht seiner reifen Persönlichkeit. Ein junger Künstler,, der sie gestaltet, kann schwerlich die reichen Anregungen, die ihm aus diesem Vorbild erwachsen, außer Acht lassen: dfas Wurzeln im Nationalen, die volkstümliche Form- und Farbengebung. die, da der Orient gegenwärtig noch zu weitab liegt, unbedingt aus dem einzig vorhandenen jüdischen Volksleben des Ostens in Gesten, Tönen und Mienen lernen muß. Arnold Marie hat sich dieses Studium glücklich angelegen sein lassen. Sein Shylock trug individuelle Züge, er war bedeutend angelegt; viele Szenen waren kräftig durchgeführt, wie etwa die erste der Unterredung mit dem Kaufmann, die Entdeckung der Flucht Jessicas. In den-entscheidenden Momenten entfaltete er ein reiches Temperament. Naturgemäß wird sich bei einer weiteren Durchdringung eine harmonische Ausgeglichenheit und ein gewisses, erst einem reiferen Alter verliehenes — wir möchten fast sagen — körperliches Gewicht ergeben. Seine Darstellung wies die Spuren von solch persönlichstem Interesse auf, daß er berufen erscheint, früher oder später diese Rolle aufs schönste und eigenartigste zu gestalten. W.-St. Literarisches Echo „Kriegsandacht für jüdische Frauen und Mädchen" nennt sich ein Büchlein, das von Rabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt i. Oberpf. verfallt, bekümmerten Frauen und Mädchen in trüben Stunden Linderung und Erholung verschaffen soll. Da anzunehmen ist, daß die religiöse Strömung, welche in der Kriegszeit weite Kreise in gläubigem Sinne beeinflußt, auch derartige kurze Gebete benötigt, hat sich der Verfasser mit der Herausgabe seiner „Kriegsandachten" sicher ein Verdienst erworben. j. p. Alfred Egerer: Karte niesen, Einführung in das Verständnis topographischer Karten. Her-