Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 14 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9102856-9114946--00284-9073111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14 Das Jüdische Echo 111 sagt ist. Zwar wurde dieses Gesetz 1896 geändert aber nur das Wohnen auf dem Lande wurde erlaubt, der Ankauf von Grundstücken grundsätzlich untersagt und nur in wenigen Fällen gestattet Am dichtesten sind von Juden die Städte Warschau (mit 34,3 Proz der ges. Bev.) und Lodz*) (mit 31,4 Proz.) bevölkert, also Städte mit reichster Industrie.5) Der Kompaktheit der jüdischen Massen in Polen ist es wohl zu verdanken, daß sie ihr eigenartiges psychisches Milieu noch beibehalten haben Das drückt sich vor allem in der Sprache aus die sie von der polnischen Bevölkerung trennt und für sie ein gemeinsames Band bildet. Die Juden in Polen sprechen fast durchweg das „Jiddisch", den „Jargon". Fast alle polnischen Juden sehen als ihre Muttersprache jiddisch an. Nur 46 380 Juden gaben als Muttersprache polnisch, 6439 russisch (diese werden wohl Einwanderer aus dem von Juden „gesäuberten" Moskau sein) und 3126 deutsch4) an. (Fortsetzung folgt.) Worte von Moses Hess Am 6. April waren es vierzig Jahre, daß Moses Heß in Paris gestorben ist. Er wurde am 21. Juni 1812 zu Bonn geboren. Auf seine Geistesbildung hatte der Großvater, der aus Polen nach Deutschland gekommen war, starken Einfluß. Ihm verdankte er seine jüdische Bildung. Schulen zu besuchen, war Moses Heß nicht vergönnt. Heß, der Dialektiker im Hegeischen Sinne war, vertrat einen Anarchismus Proudhonscher Richtung. Im Jahre 1841 kam er in die Redaktion der von Karl Marx geleiteten „Rheinischen Zeitung". Die Ritualmordgeschichte von Damaskus hatte jedoch die Gedanken des „Kommunistenrabbis" dem jüdischen Problem zugewandt, das ihn von nun an dauernd fesselte. Die Frucht seiner zwei Jahrzehnte währenden Beschäftigung mit ihm stellt sein 1862 geschriebenes Buch „Rom und Jerusalem" dar, aus dem wir einige Sätze wiedergeben. Durch dieses Werk hat sich Moses Heß einen dauernden Platz in der Geschichte der iüdischnationalen Bewegung erworben. Denn er hat als Theoretiker klar den Kern der jüdischen Frage erfaßt und den Mut besessen, seine radikalen Ueberzeugungen zu einer Zeit, da er mit ihnen ganz allein stand, in aller Klarheit zu verkünden. Vor zehn Jahren, zum dreißigsten Todestag von Heß, erschienen seine von Theodor Zlocisti gesammelten Aufsätze unter dem Titel „Moses Heß Jüdische Schriften" mit einer groß angelegten biographischen Studie des Herausgebers. * * * Das Judentum ist keine passive Religion, sondern eine aktive Erkenntnis, welche mit der judischen Nationalität organisch verwachsen ist. *) 219 128 Personen. 2) 98 671 Personen. , , _ 3) Doch braucht man nicht anzunehmen, daß der Anteil der Juden an der städtischen Bevölkerung am stärksten in Polen ist: er betragt in Nordwestrußland 52,6 Prozent, in Sudwestrußland 40,6 Prozent gegen 37,7 Prozent in Polen. 4) Interessant ist, daß im ganzen Rußland 22 782 Juden als Muttersprache deutsch angeben fast ein Drittel von der Zahl, die r u s s l s c h als Muttersprache betrachtet. So lange der Jude seine Nationalität verleugnen wird, weil er eben nicht die Selbstverleugnung hat, seine Solidarität mit einem unglücklichen, verfolgten und verhöhnten Volke einzugestehen, muß seine falsche Stellung mit jedem Tage unerträglicher werden. * * * Das nationale Wesen des Judentums schließt die Humanität und die Zivilisation nicht nur nicht aus, sondern hat sie zur notwendigen Konsequenz;, in unserer Zeit ist man aber nur zu geneigt, die schönen Blumen der Kulturgeschichte zu sammeln, um sich damit auszuschmücken, statt sie in dem Boden, auf dem sie wachsen, zu pflegen. * * * Wenn ich für die Wiedergeburt meines eigenen Volkes arbeite, so habe ich darum meine humanitären Bestrebungen nicht aufgegeben. * * * Mit dem Rasseninstinkte seines kulturhistorischen Berufes, Welt und Menschen zu einigen und zu verbrüdern im Namen ihres ewigen Schöpfers, hat das jüdische Volk sich seine Nationalität konserviert und beide untrennbar verbunden im unveräußerlichen Lande der Väter. * * * Was wir heute für die Wiederherstellung der jüdischen Nationalität zu tun haben, besteht zunächst darin, die Hoffnung auf unsere politische Wiedergeburt lebendig zu erhalten und sie da, wo sie schlummert, wieder zu erwecken. Erlauben sodann die Weltereignisse, welche sich im Orient vorbereiten, einen praktischen Anfang zur Wiederherstellung des jüdischen Staates, so wird dieser Anfang zunächst wohl in der Gründung jüdischer Kolonien im Lande der Väter bestehen. * * * Die Einwürfe des aufgeklärten Juden gegen die Wiederherstellung des jüdischen Reichs haben ihren letzten Grund in einer moralischen und intellektuellen Borniertheit, welche unfähig ist, sich auf einen hohen humanen Standpunkt zu erheben, von welchem aus erst die ganze Größe des Unglücks, dem abgeholfen werden soll, sowie die Mittel der definitiven Abhilfe überschaut werden können. * * * Es versteht sich von selbst, daß nicht von einer allgemeinen Auswanderung der okzidentalen Juden nach dem Lande der Väter die Rede sein kann. Die okzidentalen Juden, die eine ehrenvolle Stellung erworben haben, werden diese Errungenschaften nicht wieder aufgeben, wenn auch die Wiederherstellung Judäas mehr als ein frommer Wunsch wäre. Schon zu den Zeiten des alten jüdischen Reiches haben stets Juden im Auslande gelebt. * * * Wie wird der Orient erbeben am Tage eurer (der Juden) Ankunft! Wie schnell wird unter dem Gesetze der Arbeit die Entnervung der Rassen dort schwinden, wo Wollust und Müssiggang und Raub ihre tausendjährige Herrschaft hatten. Erlebnisse in jüdischen Kolonien Der Dichter Alfons Paquet, der im fernen und im nahen Orient Reisen unternommen hat, deren Schilderung seinen Namen weiten Kreisen vertraut gemacht hat, hielt am 24. März im Preußischen Abgeordnetenhaus den Schlußvortrag in einem Zyklus von Vorträgen, den das Kartell jüdischer Verbindungen zugunsten des R o -