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Das jüdische Echo · 1915-04-02 · 13 (2.4.1915) · p. Seite 106

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
13 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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106 Das Jüdische Echo Nr. 13 Diamantenkaffees in Antwerpen Geschäfte um Hunderttausende von Francs unter der Hand abschlössen. Ihre Unruhe veranlaßt sie nun in Ermangelung wirklicher Geschäfte untereinander zu handeln. So sitzt man im Restaurant „New York", fantasiert, schreit und gestikuliert, als ob man auf der Antwerpener Börse wäre. Auf den Tischen blitzen die kostbaren Edelsteine, die auf kleinen geschliffenen Wagschalen gewogen werden. Man tauscht die Steine aus, man zahlt etwas drauf und darunter, die Steine gehen von Hand zu Hand und kehren schließlich zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurück, wo das Geschäft von vorn anfängt. Sie erinnern an das Wort der Chassidim: „Wenn wir schon keinen Schnaps haben, laßt uns wenigstens reden vom Schnaps". . . . Welt-Echo Unterhandlungen wegen der russischen Juden. Einer in New York eingelangten Londoner Depesche zufolge hat das Conjoint Comittee des „Jewish Borad of Deputies" und die „Anglo-Jewish Association" mit Rußland Unterhandlungen angeknüpft über die Gewährung der Gleichberechtigung an die Juden. Die ersten Verhandlungen fanden mit dem russischen Finanzminister Bark statt, gelegentlich dessen Anwesenheit in Paris aus Anlaß der Konterenz der Finanzminister der Ententemächte. Lloyd George, der englische Finanzminister soll die Forderungen der englischen Juden unterstützt haben und angeblich einen tiefen Eindruck auf den russischen Minister gemacht haben. Ob das auch wahr ist? Eine jüdische Deputation aus Rußland in London. „Das Jiddische Folk" meldet: In London ist eine jüdische Deputation aus Petersburg angekommen. Der Zweck der Deputation ist, die englische Judenheit mit der traurigen Lage ihrer Brüder in Rußland bekannt zu machen und sie zu einer Hilfstätigkeit aufzumuntern. Die Deputation wird auch mit den leitenden Personen Fühlung nehmen, um die englische Regierung zu veranlassen, ihren Einfluß auf Rußland zugunsten der russischen Juden auszuüben. Die Ica und Galizien. Die Ica hat begonnen, sich intensiv mit dem Elend der Juden in Galizien zu befassen. Dr. Feinberg, der Vertreter der Ica in Petersburg, fuhr nach Galizien, um an Ort und Stelle sich mit der Lage der Juden bekannt zu machen und die Hilfsarbeit zu organisieren. Dr. Feinberg wurde von dem russischen Generalgouverneur empfangen und hatte mit ihm eine Unterredung über die Lage der Juden, die jetzt unter russischer Herrschaft sind. Dr. Feinberg gründete Komitees, welche sich mit der Unterstützung der notleidenden jüdischen Bevölkerung befassen. Eine Dumadebatte über die Juden. In den letzten Tagen wurde die Wintersession der Duma geschlossen und, wie das „Jiddische Folk" erfährt, beschäftigte sich die Duma in ihrer letzten Sitzung mit der Judenfrage. Die Führer der linken Parteien traten sehr scharf gegen die jetzige Rechtlosigkeit der Juden auf. Sie forderten von der Regierung eine Lösung der Judenfrage. Wie es scheint, haben sie sehr energisch Stellung gegen die russische Regierung genommen, da der Presse eine Veröffentlichung der Reden der Linken verboten wurde. Die Deputierten der Rechten haben natürlich derartige ketzerische Reden nicht ruhig anhören können und störten die Sitzung. Als diese Methode aber zu keinem Ziele führte, verließen sie zur Gänze den Saal und die Linken konnten ungestört weiterreden. Die Flucht der marokkanischen Juden nach Frankreich. Einer Londoner Depesche zufolge sind in Frankreich 50 000 Juden aus Marokko angekommen. Sie mußten ihre Heimat vor den barbarischen Verfolgungen und Räubereien der einheimischen Bevölkerung fliehen. Die Lage der marokkanischen Juden ist zu allen Zeiten eine schreckliche gewesen. Sie hatten ständig unter der Raubwirtschaft der arabischen und Berberstamme Marokkos zu leiden. In der letzten Zeit wurde ihre Lage noch schlimmer, denn die Marokkaner wollten den jetzigen Krieg benützen, um das französische Joch von sich abzuschütteln. Und das erste Opfer sind natürlich die Juden. Man schlägt sie, man plündert sie, man mordet sie, man tut mit ihnen, was man will. Und die seit jeher an Quälereien aller Art gewöhnten marokkanischen Juden konnten dieses Uebermaß des Elends nicht mehr aushalten und flohen nach Frankreich. Wie fürchterlich muß ihre Lage sich verschlimmert haben, wenn sich die nie auf Rosen gebetteten maghrebinischen Juden entschlossen, ihre traurige Heimat ganz aufzugeben. Ihre Lage ist aber auch in Frankreich keine viel bessere. Allerdings, ihr Leben ist nicht in Gefahr, aber um ihr Leben zu erhalten, haben sie nichts, gar nichts. In Frankreich gibt es jetzt genug Hungrige, und um nicht vor Hunger sterben zu müssen, haben sich 10 000 von ihnen freiwillig zum Eintritt in die französische Armee angemeldet. So werden sie wenigstens vom französischen Staat ausreichend ernährt, um dann ihr Blut für ihn zu vergießen. Gemeinden-Echo München. Aus dem der am 28. März stattgehabten Generalversammlung der israelitischen Religionsgesellschaft „Ohel Jakob" vorgelegten Rechenschaftsbericht entnehmen wir, daß, wie bei allen Organisationen, auch hier die Kriegslage nicht ohne Einfluß auf das Kassenwesen blieb. Bei einer Betriebsabrechnung von 25 000 Mark schließt das Jahr 1914 mit einigen Hundert Mark Defizit ab; dagegen erfuhr die Beamten-Pensionskasse durch eine größere Schenkung eine beträchtliche Stärkung. Würzburg. Um die zum Heeresdienst ausgehobenen Schüler der Oberklassen der Lehrerbildungsanstalten vor Schädigung im Berufsleben zu schützen, dann auch, um dem empfindlichen Lehrermangel abzuhelfen, hat das Kgl. Bayer. Staatsministerium für Anfang März eine Notschlußprüfung angeordnet. Sämtliche 11 Schüler der Oberklasse der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Wurzburg haben diese Prüfung, die am Kgl. Schullehrerseminar unter Beiziehung des Lehrkörpers der Isr. L. B. A. zur Prüfungskommission abgehalten wurde, bestanden und harren nun zum größeren Teil der Einberufung zum Heeresdienst, zum kleineren Teil der Verwendung im Schuldienst. Die Befreiung der jüdischen Seminaristen von der Prüfung in Harmonielehre und Orgelspiel, die s. Z. zu irrtümlichen Auffassungen geführt und beinahe eine Pressefehde hervorgerufen hatte, ist nunmehr erst zu einem endgültigen Abschluß gelangt. Harmonielehre wird am jüdischen Seminar nach wie vor gelehrt, nur nicht geprüft. Das ergab nun aber

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