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Das jüdische Echo · 1915-04-02 · 13 (2.4.1915) · p. Seite 103

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
13 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 103 Zionismus Versprechungen macht, genügen wird um im „unbefangenen Leser" d n SÄ erwecken als ob der Zionismus eine p Seng "sehe antideutsche Bewegung sei. Ein kleines Surrogat für die unmöglich gewordene Verdächtigung des schlechten Deutschtums der deutschen Zionisten Beide Notizen stellen nach Ansicht der Redaktion keinen Bruch des Burgfriedens dar, dessen Wahrung ihr so sehr am Herzen liegt. Die Haggadah von Serajewo ein Denkmal jüd. Kunsttätigkeit Von Dr. Heinrich Schwab, München. Ein durchaus noch ungelöstes Problem ist die Stellung des jüdischen Volkes zu den bildenden Künsten. Als historische Tatsache steht fest, daß die Kunstübung bei den Juden, gemessen an ihrer sonstigen kulturellen Stellung und gemessen an Völkern gleicher Stufe eine sehr geringe ist. Die künstlerische Betätigung der Juden kam in der Zeit, in der sich ihre Geschichte unter einem einheitlichen Gesichtspunkte beurteilen läßt — das ist bis zum Beginn der Emanzipation und der bewußten Assimilation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts — nie über das hinaus, was sich unter dem Begriff „Gebrauchskuust" zusammenfassen läßt. Unter Gebrauchskuust möchten w ir dabei die künstlerische Betätigung verstehen, die es sich nur angelegen sein läßt, die Objekte, die zum Gebrauch durch den Menschen bestimmt sind, zu schmücken und zu verzieren, im Gegensatz zum freien Schöpfen echten Künstlertums, also vielleicht eine höhere Stufe des „Kunstgewerbes". Durch die Jahrtausende hindurch finden wir niemals beim jüdischen Volke diesen Drang zur „Kunst um der Kunst willen", dem wir, wenn er einmal erwacht ist, bei anderen Völkern die höchsten Blüten ihrer Kunst verdanken. Aber auch diese zweckbestimmte Gebrauchskunst, die wir bei den Juden festgestellt haben, bringt durchaus keine originären Werte hervor, sondern ist stets nur eine Ausstrahlung der das jeweils in Betracht kommende jüdische Kunstdenkmal umgebenden Allgemeinkunst, von der jüdischen Seite aus gesehen also eine „Assimilation" an diese. Daß dem jüdischen Volk künstlerische Schöpfungskraft nicht fremd war, braucht man vom Volk der Bibel nicht erst zu beweisen. Woher stammt aber diese merkwürdige Sterilität gerade auf dem Gebiet der bildenden Künste? Als nächster Grund wird gewöhnlich das Religionsgesetz angeführt. Daß damit nur ein Teil erklärt ist, geht schon daraus hervor, daß bereits, bevor dieses Gebot durchgedrungen war — im 7. Jahrhundert —, die Juden keine nennenswerte eigene Kunst besessen hatten. Man braucht nur an die Phönizier zu erinnern, die Salomo zum Tempelbau und den damit zusammenhängenden künstlerischen Arbeiten kommen ließ. Außerdem ist zu bedenken: ein wirklich urkräftiger bildnerischer Trieb läßt sich nicht unterdrücken. Das beste Beispiel hiefür sind die führenden Völker des Islam, die unter dem gleichen religiösen Verbot wie die Juden, ganz neue Wege der Kunst beschritten haben. Nein, der Grund muß ein anderer sein. Der Gedanke ist m. E. nicht von der Hand zu weisen, daß die stark intellektuell gerichtete Geistesverfassung des jüdischen Volkes dem bildkunstlerischen Schaffen, das reiner als das Schaffen auf allen anderen künstlerischen Gebieten aus dem naivsten Empfinden und Erleben der sinnlich wahrnehmbaren Natur hervorquellen muß, durchaus abhold ist. Werfen wir kurz einen Blick auf das 19. Jahrhundert, das die innere und äußere Zusammengehörigkeit des jüdischen Volkes stark gelockert hat, so sehen wir hier zweifellos Söhne unseres Volkes auch mit Erfolg Pinsel und Meißel handhaben, jedoch nur im engsten Anschluß an ihre sogenannten Wirtsvölker. Es vollzog sich nun dieselbe Assimilation, die wir schon früher in geringerem Maße feststellen konnten, nun aber unter günstigeren äußeren Umständen und deshalb mit größerem Erfolg. Aber kein Unbefangener wird Josef Israels oder Max Liebermann — abgesehen vom Inhaltlichen, was natürlich nicht maßgebend ist — als jüdische Künstler empfinden, wie das mit zwingender Gewalt etwa bei Heinrich Heine oder Gustav Mahler der Fall ist — eben dort, wo die künstlerische Aeußerung des einzelnen aus einer — ihm nicht notwendig bewußten — künstlerischen Tradition des Volkes hervorgeht. Versuchen wir die eben aufgestellten Theorien an einem konkreten Beispiel nachzuprüfen. Das Buch, in dem die religiöse Ueberlieferung der gegenwärtigen Festtage niedergelegt ist, die Haggadah, gehört neben der Megülah des Pur inifestes zu den Büchern, die am häufigsten illustriert wurden, was aus dem volkstümlichen und anekdotenhaften Inhalt beider wohl zu erklären ist. Eines der hervorragendsten Exemplare dieser illustrierten Haggadahs ist eine irr. Bosnisch-Herzegowinisehen Landesmuseum zu Serajewo aufbewahrte Handschrift. Ein objektiv-kunstgeschichtlicher Betrachter wird in den Miniaturen dieser Handschrift mit den gotisch geschwungenen Figuren, mit den langgezogenen Proportionen der letzteren, mit den ornamentalen Dornblattranken und ähnlichen charakteristischen Merkmalen ein Werk der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erkennen, ein Werk also, das vollkommen dem Kreis der damals herrschenden gotisch-französischen Kunst angehört, und er wird auch sagen, daß die Handschrift innerhalb dieser Kuustperiode keineswegs zu den Werken ersten Ranges gehört. Rein künstlerisch ist an den Miniaturen also durchaus keine Besonderheit zu konstatieren, die sie als Produkt jüdischer Kunsttätigkeit kennzeichnen würde. Ja, wenn nicht innere Gründe dagegen sprächen, brauchte man als den Schöpfer der Miniaturen — dessen Name nicht überliefert ist — überhaupt keinen Juden anzunehmen. Was die Bilder zu jüdischen stempelt, ist, neben dem Zweck — Illustrierung einer jüdischen Handschrift — einzig und allein ihr gegenständlicher Inhalt. Dieser ist der biblischen Geschichte entnommen und obwohl letztere auch eine ergiebige Quelle für christliche Künstler war, geht doch aus der Auswahl der Szenen hervor, daß ihr Urheber jüdischen Stammes war. Nach der symbolischen Darstellung der sechs Schöpfungstage begleiten wir die Kinder Israel von den Erlebnissen ihrer Erzväter bis zum Tode Moses. Dabei gelangen insbesondere die Begebenheiten, die in Aegypten gespielt und zum Auszug aus diesem unserem ersten Galuthlande geführt haben — die historische Grundlage des Pessachfestes — zur breiteren Erzählung. Den Beschluß bilden ein paar kulturgeschichtlich interessante Darstellungen, so die Verteilung des Pessachbreies und der Mazzos und das Innere einer Synagoge mit Lade und Thorarollen.

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