Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-04-02 · 13 (2.4.1915) · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
13 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9114941--00274-9073101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

102 Das Jüdische Echo Nr. 13 Die Konkurseröffnung hatte die Wirkung, daß alle Faktoren außer dem Hilfsverein ausgeschaltet wurden. Der Hilfsverein verfügte über mehr als die Hälfte der Forderungen. Herr Wissotzky hätte unter normalen Verhältnissen selbstverständlich die Zionistische Organisation mit seiner Vertretung betraut. Ebenso bot nur der Krieg die rechtliche Handhabe, dem Nationalfonds einen Platz im Gläubigerausschuß zu verweigern. Dem Hilfsverein war der Krieg eine willkommene Gelegenheit, das Technikum billig zu erwerben. Er wußte, daß die Zionistische Organisation nicht mitbieten konnte. Wieviel der Hilfsverein auch immer bieten mochte, er war in der Lage, den größten Teil seines Gebotes mit der Konkursquote für die von ihm vertretenen Forderungen zu verrechnen. Die Zionistische Organisation hätte fast ihr ganzes Gebot in bar bezahlen müssen. Die Notwendigkeit der Konkurseröffnung war sachlich weder in der Ueberschuldung, noch in dem Vorhandensein von angeblich 80 000 M. dringenden Forderungen begründet. Zum erstenmale geht ein jüdisches, gemeinnütziges Institut in Konkurs. Diese Tatsache und das Vorgehen des Hilfsvereins hat überall, insbesondere in Amerika, große Mißstimmung erregt. Herr Louis Marshall, New York, hat einen sehr scharfen Brief an James Simon geschrieben. Die Herren Rosenwald und Judge Mack, Chicago, haben per Kabel gegen die Versteigerung energisch protestiert. Der Hilfsverein hat durch sein Vorgehen weder seinen eigenen, noch den jüdischen Interessen einen Dienst erwiesen. Am allerwenigsten aber hat er, wie er jetzt wird glauben machen wollen, den deutschen Interessen im Orient genützt. Sein Vorgehen während des Krieges wird nur geeignet sein, bei den Juden des Orients, Amerikas und aller anderen Länder das größte Mißtrauen hervorzurufen. Im Schutze des Burgfriedens Das Hamburger Israelitische Familienblatt will. Seinen Lesern bedeuten, die Türkei halte den Zionismus für staatsgefährlich. Den Grund, daß er englandfreundlich sei, läßt es nur durchblicken. Ein Bey, namens Beha-ed-din, hat nämlich geglaubt, seine Stellung als Sekretär des Oberkommandierenden der vierten Armee dazu mißbrauchen zu dürfen, um die Vernichtung der Nationalfonds-Marken und der so segensreichen Schecks der zionistischen Palästinabank anzuordnen. Der Nationalfonds-Marken, die er für Postmarken angesehen hatte. Das Hamburger - Israelitische Familienblatt schreibt dazu: „Der unter den Juden Deutschlands während des Krieges proklamierte „Burgfriede", dessen Wahrung uns am Herzen liegt, legt uns einen Verzicht auf jeglichen Kommentar auf," fährt aber unmittelbar darauf fort: „Jeder Leser kann sich auch ohne Schwierigkeit seinen Kommentar selbst dazu machen." Mit anderen Worten: Wir halten uns damit nicht nur den Vorwurf ferne, den Burgfrieden gebrochen zu haben, sondern können sogar beteuern, wie sehr er uns „am Herzen hege Viel Lärm um nichts. Der besagte Bey ist für seine Amtshandlungen, die nicht im Sinne der Regierung waren, schon längst abgesetzt worden. Diese Nachricht hat das Hamburger Israelitische Familienblatt vielleicht übersehen. Es wird sich also mit der ihr anscheinend zu spat bekannt gewordenen Tatsache abfinden müssen. . . Gottseidank gibt es noch politische Gegner, die die Provokation des Hamburger Blattes richtig einzuschätzen verstehen und zwischen einem ehrlich gewollten und einem faulen Burgfrieden zu unterscheiden vermögen. N. W. sjc # * Zu dieser Angelegenheit erläßt die Zionistische Vereinigung für Deutschland eine Erklärung, in der es heißt: Die altbewährte Waffe im Kampfe gegen den Zionismus, der Vorwurf der antideutschen Gesinnung, scheint selbst dem Hamburger Israelitischen Familienblatt nicht mehr recht verwendbar zu sein. Wenn es nicht mehr angeht, die Zionisten als unzuverlässige deutsche Staatsbürger bei der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit zu verdächtigen, so muß man eben neue Mittel für die Zionistentötung ausfindig machen. Das Familienblatt fand zunächst die Kundgebung Behaed-dins, und zuzweit etwas Anderes, Raffinierteres, und deshalb vermeintlich noch Wirksameres. „Nicht nur in der Türkei, einem mit Deutschland verbündeten kriegführenden Staate, sondern auch in dem deutschfreundlichen neutralen Bulgarien" — vermeldet das Hamburger Israelitische Familienblatt — „erhebt sich Widerstand" — gegen den Zionismus, so denkt man — doch nein, „gegen englische Aufstachelungen zu verstärkten zionistisch-politischen Schritten." Auch hier ist ein weiterer Kommentar überflüssig. Im unbefangenen Leser soll der Eindruck erweckt werden, als ob der Zionismus in der Türkei und in Bulgarien als Schrittmacher Englands auftritt. Wenn der unbefangene Leser unbefangen und ohne Zusammenhang mit dem vorher erwähnten antizionistischen Aufruf diese zweite vom Hamburger Israelitischen Familienblatt der Bulgarischen Handelszeitung vom 19. Februar entnommene Notiz liest, dann wird er vielleicht auf den Gedanken kommen, daß diese Notiz gar nicht antizionistisch ist, sondern im Gegenteil nur einen neuen Beweis dafür darstellt, welche politische Bedeutung man in steigendem Maße dem Zionismus in England beimißt. Daß die Zionistische Organisation sich in irgendeiner Weise für England entschieden hätte, wird nicht gesagt und wagt auch das Hamburger Israelitische Familienblatt nicht zu behaupten. Es wird nur mitgeteilt, daß in Lngland starkes Liebes-verben um die Gunst der Zionisten stattfindet. Die zionistische Bewegung ist eben heute in der Tat eine Macht, und Srr!11-? m England die loyale türkenfreundliche i olitik, die die Zionistische Organisation seit Jahren unbeirrt getrieben hat, zurzeit sehr peinlich empfindet und in ihrer Bedeutung hoch einschätzt, deshalb mehren sich jetzt die Versuche, die zionistische Bewegung politisch in das englische ranrwasser hine'inzuleiten. Das Hamburger Familienblatt scheint nun zu hoffen, daß schon die Tatsache, daß England dem ,djS \IäJk :>::•*''; numal , iktotfP pLS jflTt?w :.: :;: ..v:-. i :-:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.