Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 11 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 89 Literarisches Echo Louis Lamm: Isak Bernhard T amm n jüdische Volksschullehrer in BayerT VerW r?^ Lamm, Berlin. 1915. Klein 8^16 S M^n"18 Das Material zu dieser kleinen Schrift' des bekannten Berliner Buchhändlers, der seine starke ^lebe zu der bayerischen Heimat durch eine ganze Reihe von mdisch-geschiehtlichen Pub Nationen bekundet hat, ist, wie das, Titelblatt anzeigt aus alten Famihenpapieren geschöpft. In Kürze stellt Isak Bernhard Lamm der Verfasser den Lebenslauf des ersten jüdischen Volksschullehrers und seine Kämpfe um die Anstellung dar. Von allgemeinem Interesse sind die abgedruckten Akten der bayerischen Regierung; diese war stets auf Seite des Lehrers. In die rem sachliche Darstellung mischt sich auch eine kleine Tragödie. Einige Feinde des jungen Lehrers erwirkten nämlich gerade an dem Tage, an dem er heiraten sollte und alle Hochzeitsgäste von weit und breit schon angekommen waren, ein Heiratsverbot Aber auch in diesem Falle nahm sich die bayerische Regierung kräftig des wackern Lehrers an und vereitelte die Pläne der Gegner ' Das Büchlein bildet einen wünschenswerten Beitrag zur Geschichte des jüdischen Schulwesens. Es ist geschmackvoll ausgestattet und enthalt auch das Bildnis Isak Bernhard Lamms, der m seinem Leben große Ehrungen erfahren hat — er war der erste jüdische Lehrer, der nach fünfzigjähriger Tätigkeit den Ludwigsorden erhielt — und dem,durch diese Arbeit ein schönes Denkmal gesetzt ist. Rabbiner Dr. Felix Perles: Der Krieg und die polnischen Juden in ihrem Verhältnis zu Deutschland. Königsberg i. Pr. Verlag von Grate & Unger. 1914. Mittel 8°. 16 S. M. —.50. Diese Schrift soll ebenso Nichtjuden wie besonders auch den deutschen Juden, „deren größter Teil noch nicht den Schlüssel zur Seele der polnischen Juden gefunden und ihnen völlig verständnislos gegenübersteht", Aufklärung bringen. Der Verfasser behandelt in kurzen Zügen die Geschichte, die religiöse und weltliche Bildung, die kulturellen Leistungen und die Notlage der Juden in Russisch- und Oesterreichisch-Polen. Er bezeichnet „das polnische Judentum als eine Enklave deutscher Sprache und deutscher Gesittung im slavischen Osten" und vertritt die Ansicht, daß je weniger sprunghaft und überstürzt die Ueberleitung der Juden vom Ghetto zur Luft der Freiheit sich vollziehen wird, desto leichter sie ihre Fehler ablegen, desto sicherer ihre Vorzüge sich erhalten und ihre'Fähigkeiten zu fruchtbarer Entfaltung gelangen werden. Um ihre Vorurteile zu überwinden, muß man selber unbefangen an sie herantreten und ihnen Vertrauen entgegenbringen. Sind doch die meisten unerfreulichen Seiten ihres Wesens gleichsam nur die Narben eines langen und ehrenvollen Kampfes für ihre Ideale, die ihnen nicht für die Güter und Ehren dieser Welt feil waren, und verdienen daher wohlwollende Nachsicht. Speziell ihre religiösen Eigentümlichkeiten müssen möglichst geschont werden, damit nicht mit der gewaltsamen Loslösung der Schale auch der edle Kern zerstört werde, und so die ungeheure in ihrer Religion liegende Kraft verloren gehe. Ein liebevolles Verständnis wird nicht nur ihre Fehler milder erscheinen lassen und zugleich schneller beseitigen, sondern auch ihre guten Seiten herausfinden und ohne Rückhalt anerkennen." Robert Müller: Was erwartet Oesterreich von seinem jungen Thronfolger? Verlag Hugo Schmidt, München. 1914. Das bayerische Kriegsministerium, Armeeabteilung I, München, richtete unterm 2. März 1915 nachstehendes Schreiben an die Geschäftsstelle des Börsenvereins derDeutschenBuchhändler zu Leipzig. Betreff: Handhabung der Zensur. — Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin hat dem Kriegsministerium eine im Verlage von Hugo Schmidt in München erschienene Schrift von Robert Müller „Was erwartet Oesterreich von seinem jungen Thronfolger?" vorgelegt, welche schwere Angriffe auf die Juden enthält. — Auf Seite 104—^107 wird der Jude als „Fremder" bezeichnet, als eine Gefahr für die Gesellschaft, eine Gefahr für die Zeit; er sei im Verrat geübt und trage das Zeichen des Zynismus auf der Stirne. Die einzige Abhilfe sei, die Juden zu Staatsbürgern zweiter Klasse oder zu Ausländern zu machen. — Diese und ähnliche Angriffe sind zweifellos geeignet, den Frieden zwischen den Konfessionen und Religionsgemeinschaften zu stören und Parteiungen unter dem deutschen Volke hervorzurufen, dessen Einigkeit und Geschlossenheit gegenwärtig unter allen Umständen gewahrt werden muß. — Mit Rücksicht darauf, daß das Buch bereits vor Kriegsausbruch erschienen ist, und um eine Schädigung zahlreicher Buchhändler zu vermeiden, wurde von einer Beschlagnahme Abstand genommen. Der Verlag wurde aber ersucht, die noch vorhandenen Bestände der Schrift bis zur Beendigung des Krieges zurückzuhalten und jede Ausstellung, Besprechung