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Das jüdische Echo · 1915-03-12 · 10 (12.3.1915) · p. Seite 81

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
10 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 81 Verhinderung Sitz und Stimme im Vorstand zu verleihen und stiftete auf seinen Namen drei Bäume. — Dem Kassier und N. F.-Kommiss;ir wurde einstimmig Entlastung erteilt — An die Berichte schloß sich eine lebhafte Aussprache über die zukunftigen Aufgaben der Ortsgruppe — Die stattgehabten Neuwahlen ergaben folgende Besetzung der Vorstandsämter: 1. Vorstand- Jakob Fränkel; 2. Vorstand: Dr. phil Raphael Straus; 1. Schriftführer: Rechtsanwalt Dr. Leopold Ambrunn; 2. Schriftführer- Dr Viktor Peissakowitsch; Kassier: Josef Schachno; Beisitzer: Dr. Ludwig Wassermann und Jakob Reich; N.-F.-Kommissär: Arnold Marie. München. In der Orientalischen Gesellschaft hielt vergangene Woche Herr Rabbiner Dr. C. Werner einen Vortiag über „den Krieg und das Alte Testament". Hierzu führte der Vortragende nach den M. N. N. aus: „Das Neue Testament mit seinem gewaltigen ethischen Hintergrund wendet sich in erster Linie an das Gemütsleben. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Auch das Alte Testament, das mit dem paradiesischen Frieden beginnt und in die messianische Idee des Weltfriedens ausklingt, ist gerade das Gegenteil eines Kriegsbuches. Auch das Alte Testament kennt den Frieden als das höchste Gut. Friede über Euch! ist der Gruß der Bibel. In wunderbarer Weise besingt der Psalmist den Frieden. Und doch ist das Alte Testament ein Testament des Krieges: Das alte Volk Israel mußte ein Land erobern, hatte auch die Sehnsucht nach dem Platz an der Sonne und mußte kämpfen. Aber nicht bloß von äußeren Ereignissen erzählt die Bibel. Sie kennt wie kein zweites Buch die Volksseele und darum enthält die Heilige Schrift eine Fülle von Beiträgen zur Psychologie des Krieges, die heute im höchsten Maße wieder aktuell geworden sind. So kennt die Bibel z. B. schon den Präventivkrieg. Das Volk darf Krieg führen, um einer drohenden Gefahr vorzubeugen. Wie sie den Krieg, der niedrigen Eroberungsgelüsten entspringt, verdammt, so verherrlicht sie den Krieg, den ein Volk um seiner Selbsterhaltung willen zu führen gezwungen ist. Zwar enthält sich die Bibel in ihrem bunten Wechsel von Erzählung und Erziehung, von Lehre und Leben einer systematischen Aufzählung von Kriegsgesetzen, aber sie hält stets am sittlichen Gedanken des Krieges fest, und darum sollen die Bürger nicht Hunger leiden, wenn das Volk Krieg führt. Die Engländer kennen die Bibel, aber sie haben es offenbar für gut befunden, sie jetzt beiseite zu legen. Die Bibel verdammt auch Lüge und Trug, sie will nicht, daß der Krieg mit vergifteten Waffen geführt wird. Das Buch Josua, dessen strategischen Teil einst kein Geringerer als Moltke gepriesen, bietet den besten Beleg dafür. . . . Man darf das Buch, aus dem man beten lernt, das uns des Lebens Not in die Hand drückt, als die Perle der Kriegspoesie bezeichnen. Mögen die Fahnen geweiht werden, mag die Schlacht toben, mag der Krieger verwundet oder begraben werden, immer findet der Psalmist wunderbare Worte, immer erhebt er sich zu einer das Herz erschütternden, hinreißenden Sprache. Die Völker, von deren Kämpfen die Bibel erzählt, sind fast alle längst dahingegangen und wenige Ruinen bezeichnen heute die Stätten, die einst von Waffen klirrten. Und doch ist die Bibel so jung, so ewig jung, daß sie uns für alle Zeiten das beste. Geleitwort gibt und geben kann. Die Bibel durchweht der eine Gedanke: Das Recht kommt zum Siege, und wenn auch eine Welt von Feinden gegen uns aufsteht. So lehrt die orientalische Weisheit der Bibel dasselbe, was in uns lebt: Wir werden siegen, weil Gott mit uns ist, weil Gott ,mit dem Volke des Rechtes ist." Die Versammlung dankte für den durch die Schönheit der Sprache wie durch den Reichtum der Gedanken in gleicher Weise ausgezeichneten Vortrag mit außergewöhnlich herzlichem Beifall. München. Verein Bne Jehuda. Der literarischmusikalische Abend brachte den Gästen die angenehme Überraschung, daß Herr Regisseur Arnold Marie in bekannt vorzüglicher Weise die „Megillah" zum Vortrag brachte. Auch die übrigen Darbietungen fanden den herzlichen Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft. Besonders tiefen Eindruck machte das Gedicht „Die geschändete Braut" aus dem Kriegsliederzyklus des Herrn Schriftstellers Josef L ö w y , aus dem Manuskript vom Verfasser selbst vorgetragen. Auch die musikalischen Leistungen des Fräulein Recha Misch (Gesang) und des Herrn Sally Epstein (Violine) zeigten, daß der Verein sich ernstlich die Pflege jüdischer Kunst angelegen sein läßt. Einen von Fräulein Frieda Scherr verfaßten stimmungsvollen Prolog brachte Fräulein Laura Kohn zu innigem Vortrag. Feuilleton Bergab Eine Purim-Geschichte von David Pinski. Aus dem Jüdisch-deutschen übertragen von Theodor Zlocisti. (Fortsetzung.) Hat je ein Weib so viel geweint, wie Gittel damals, in der Nacht zu Purim? Simon, der mit Witzeln sich seine Ruhe vorlog, fiel aus der Rolle. Tränen standen ihm in den Augen. Er erschrak und wischte sie hastig weg . . . und witzelte weiter. Leibke saß in der Ofenecke und schluchzte in sich hinein. Hirschele verstand nichts von alledem. Er spielte mit dem Barte und lachte. Er übte seine Mordechai-Reden. Aber da sein Blick all die traurigen Mienen sah, setzte er sich still zu Leibke und fing auch an bitterlich zu weinen. Er wußte nicht, warum. Er fühlte aber, daß hier etwas Böses vorging. Selbst die kleinen Mädchen, die sich mit den Bärten belustigten und freudig in die Händchen patschten, wurden plötzlich verlegen-stumm, wie sie die Mutter weinen sahen. Nun weinten sie auch . . . Die Bärte! Gittel wollte sie zerfetzen. . . . Allein Simon ließ es nicht zu. Tat er recht? Warum sollte sie die Bärte nicht zerreißen! Er selbst hätte es nimmer vermocht. Er hatte kein Herz mehr dazu. Zu nichts. Auch nicht zum Reden. ... Da sah er die Schnapsflasche, die er zum Purim gekauft hatte. „Wir wollen mal kosten." Und er stürzte ein volles Glas hinunter. „Willst du auch was haben?" fragte er und stellte ihr das Glas hin. Sie wehrte ab: „Es ist schon so bitter genug. . . ." Simon aber rief: „Kleine Bande! Haman und Mordechai! Seid lustig; kommt her und trinkt! Hört doch endlich auf zu weinen." Aber die Kinder rührten sich nicht vom Fleck, „trinkt ihr nicht, dann trinke ich" — er war das schon zufrieden, daß er einen Grund hatte, noch ein Gläschen zu trinken. „Ahasverus darf betrunken sein", sagte er lächelnd. Er hätte so gern noch mehr getrunken. Doch Gittel nahm ihm die

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