Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 10 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Das Jüdische Echo Nr. 10 Knabenhaus ist ein Erziehüngshaus für Mädchen angegliedert, wo solche im Alter von 18 Jahren in allen Zweigen des städtischen und ländlichen Haushalts unterwiesen werden. Ostern 1914 waren im Knabenhaus 55 Lehrlinge und zwar 43 in der Gärtnerei, 3 in der Schuhmacherei, 7 in der Schneiderei, 1 Bäcker, 1 Bureaulehrling und 38 Schüler. Im Mädchenhause waren 23 Haushaltszöglinge und 18 Schülerinnen. Im Felde stehen 75 ehemalige Zöglinge. Der Rechnungsabschluß weist an Einnahmen und Ausgaben 117,000 Mark aus, wozu Jahresbeiträge ungefähr 42,000 Mark liefern. Interessieren dürfte es, daß die Einnahmen aus der Gärtnerei für Pflanzen, Obst, Gemüse usw. 43,000 Mk. erbrachten. Die Einschränkung des Zöglingsbestandes bei Kriegsausbruch ermöglichte es im Mädchenhaus ein Lazarett einzurichten, in dem bisher 190 Verwundete aufgenommen wurden. Wir möchten den Bericht nicht schließen, ohne an die Leser noch die besondere Bitte zu stellen, bei freudigen und traurigen Anlässen der Anstalt zu gedenken; nach dem Krieg wird sie ihre fruchtbringende Arbeit in erweitertem Maße wieder fortsetzen. J. F. Frankfurt a. M. Das jüdische Krankenhaus „S c h a a r e Zedek" zu Jerusalem erstattet einen Bericht über die letzten drei Betriebsjahre. Wir ersehen hieraus, daß in diesem Zeitraum 1696 Kranke daselbst verpflegt wurden. Die Gesamtzahl der Verpflegungstage betrug 34 144. — In der Poliklinik fanden im Durchschnitt täglich 150 Behandlungen statt. Die Poliklinik steht allen Armen der Stadt offen. Während der Berichtsperiode wurden insgesamt 251 456 Mark verausgabt. Der größte Teil wurde durch einmalige und jährliche Beiträge ge-' deckt. Als Zinserträgnis steht ein Kapital von 244 000 Mark zur Verfügung. Bei der großen Not, welche z. Z. in Palästina und besonders in Jerusalem herrscht, ist für diese Institution Hilfe sehr nötig. Gelder sind zu senden an Herrn Karl Mosbach e r in Frankfurt a. Main, Vogelsberger Straße 32. München. Montag, den 22. Februar, fand die Mitgliederversammlung des Vereins „Frauenh i 1 f e" statt, deren Vorsitz Frau Rabbiner Rosa V/ e r n e r führte. Jahres- und Kassenbericht wurden genehmigt. Die Zahl der vom Kinder gart e n betrauten Schützlinge stieg im Oktober auf 150. Der Betrieb dieser Anstalt ist somit außerordentlich gewachsen. Das Institut erfährt von der jüdischen Bevölkerung entsprechende Förderung. An Stelle der aus privaten Gründen aus der Vorstandschaft ausscheidenden Frau Berta Dannhauser wurde Frau Alice Marx gewählt, die dem Verein ihren Kinderhort schenkte. Zur stellvertretenden Vorsitzenden wurde vom Ausschuß des Vereins Frau Dr. Blumenstein bestimmt; er kooptierte Frau Julius Bäsch und Frau Hofrat Clara Oppenheimer. München. Der soeben erscheinende Rechenschaftsbericht des Israelitischen Schwester n h e i m s berichtet, daß sich am Jahresschluß sechs Schwestern im Heim befanden, während fünf im Felde tätig waren. An Pflegen wurden geleistet: 1617 Tag-, 520 Nacht- und 148 Vollpflegen. Wegen Schwesternmangel mußten 79 Pflegegesuche abgelehnt werden. Interessant ist die Feststellung, daß die Nachfrage nach Schwestern mit Ausbruch des Krieges und bis in den Oktober hinein fast völlig aufgehört hat. Es war dadurch ermöglicht, die Schwestern mehr in dem in den Räumen der Klinik untergebrachten Vereinslazarett zu beschäftigen. Am Schlüsse des Berichtes wird eine Bitte um größere Spenden für den Pensionsfonds der Schwestern ausgesprochen; derselbe beträgt z. Z. ungefähr 80 000 Mark. Im Hinblick auf die Zahl der Schwestern gewiß sehr mäßig. München. Am 9. März 1915 fand die Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe München statt. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Jakob Fränkel, erstattete den Jahresbericht, aus welchem folgendes hervorzuheben ist. Es fanden in der Zeit vom 1. Januar 1914 bis 1. März 1915 11 Veranstaltungen statt. 20. Januar 1914: Rechtsanwalt Dr. Anton Goldscheider: „Die wirtschaftliche Bedeutung unseres Koilonisationswerkes in Palästina". 10. Februar 1914: Rechtsanwalt Dr. Albert Theilheimer: „Über den Sprachenstreit in Palästina". 17. Februar 1914: Öffentliche Versammlung. Rechtsanwalt Dr. Elias Straus: „Der Zionismus, eine Erwiderung auf die „Erklärung" unserer Gegner". 7. April 1914: Rechtsanwalt Dr. Hantke, Berlin: „Über den Stand der zionistischen Bewegung". 14. Mai 1914: Dr. phil. Raphael Straus: „Die neuesten Kritiker des Zionismus". 9. Juni 1914: Jakob Reich : „Nicht dies ist der Weg". 23. Juni 1914: Rechtsanwalt Dr. Elias Straus und Dr. Ludwig Wassermann: „Über die Ergebnisse des Delegiertentags in Leipzig". Am 17. Juli 1914 fand im Konzertsaal der Firma Alfred Schrhid Nachfolger eine stimmungsvolle Feier anläßlich des 10. Todestags von Theodor H e r z 1 statt, bei welcher Herr Arnold Zweig die Gedenkrede hielt. Am 17. Dezember sprach in den „Vier Jahreszeiten" Herr Dr. Paul Rohrbach über „Die Zukunft des Orients". Am 9. Januar 1915 schilderte Frl. Elfriede Bambus ihre persönlichen Eindrücke über „Palästina während des Krieges". Am 23. Januar 1915 sprach Herr Theo Harburger aus eigener Anschauung über das Thema: „Jüdische Eindrücke vom Kriegsschauplatz in Polen". — Der Vorsitzende gedachte sodann im weiteren Verlauf seines Berichts des schmerzlichen Verlusts, den die zionistische Organisation durch den am 15. September erfolgten Tod des Herrn David Wolffs o h n erlitt, ferner der auf dem Felde der Ehre gefallenen Gesinnungsgenossen, insbesondere des Rechtsanwalts Willy Greifenhagen und Dr. Hugo Zuckermann. — In ehrenden Worten erwähnte der Vorsitzende sodann die schmerzlichen Verluste, welche die Zionistische Ortsgruppe München im Berichtsjahr erlitt. Im Juli 1914 verstarb Herr Dr. Michael Hoffmann, Assistenzarzt an der königl. Universitätsaugenklinik und erst kürzlich wurde aus den Reihen der Streiter für dias zionistische Ideal Herr Sigmund Hausdorf durch den Tod entrissen; er hat sich als Gründungs- und langjähriges eifriges Vorstandsmitglied, durch sein stetes, treues, aufrichtiges, ai'llzeiit zu Opfern bereites Wirken für die zionistische Sache dauernde Verdienste um die zionistische Ortsgruppe München erworben. — Der bisherige erste Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Elias Straus, ließ erklären, daß er aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr in der Lage sei, den Vorsitz zu übernehmen. In dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste beschloß die Generalversammlung einstimmig, ihm auch ferner für die Dauer seiner