Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 10 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 79 Welt-Echo Der Hilfsverein der deutschen Juden, das Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Ju den und die Großloge für Deutschland VIII U O B. B. erlassen einen gemeinschaftlichen Aufruf" in welchem sie die Gründung eines „Jüdischen Hilfsfonds 1915" für die notleidende jüdische Be völkerung Polens, Galiziens und der Türkei insbesondere Palästinas bekannt geben. Eine Anzahl jüdischer Hochschüler aus Rußland die vor Kriegsausbruch in Deutschland und Oesterreich studiert haben, wandte sich an das Unterrichtsministerium in Petersburg mit der Bitte in Rußland ihre Studien fortsetzen zu dürfen. Das russische Unterrichtsministerium hat daraufhin sämtlichen Universitätsbehörden bekannt gegeben daß diese Bitte nicht berücksichtigt werden könne,' da eine derartige Bewilligung ein Unrecht gegenüber denjenigen jüdischen Studenten wäre, die infolge der bekannten Prozentnorm nicht zugelassen wurden. Nach einer Meldung des „Guerre sociale" haben 50 000 Juden in Algerien unter fortgesetzten Unterdrückungen zu leiden, wie in den schlimmsten Tagen des Antisemitismus. Zahlreiche jüdische Familien, die aus diesem Grunde Algerien verlassen mußten, sind nach Frankreich gekommen, wo sie jedoch nicht die Hilfe fanden, auf die sie Anspruch haben, sondern weiter wie Ausgestoßene behandelt werden. Nach einer glaubwürdigen Meldung aus Rumänien haben die unter russischer Fahne in die Bukowina einrückenden mohammedanischen Tataren an der christlichen Bevölkerung Rache genommen für die Pogrome, welche die russischen Kosaken unter den Juden des Landes veranstaltet hatten. Ende Februar fand in Mailand eine Versammlung „pro causa ebraico" statt, zu welcher eine große Zahl italienischer Juden erschienen war. Herr Marco Bolaffio berichtete über-die angebahnte Bewegung in England und Amerika. Es sprach dann der Advokat Momigliano, der die Lage der Juden, insbesondere in Osteuropa, darstellte, und Davide Gold stein, der über die russischen Juden sprach. Nach einer ausführlichen Diskussion wurde eine Resolution des Herrn Momigliano angenommen, in der man den Wunsch aussprach, daß eine internationale indische Zusammenkunft in Italien stattfinde. Hierauf wurde ein Komitee eingesetzt, zu dessen Ehrenpräsident Sabatino Lopez und dessen Vorsitzenden Marco Bolaffio ernannt wurden. Das Repräsentantenhaus hat das amerikanische Einwanderungsgesetz mit 252 gegen 126 Stimmen und der Senat mit 50 gegen 7 Stimmen angenommen. Dieses Resultat ist ein Erfolg der Gegner der jüdischen Einwanderung. Präsident Wilson hat bekanntlich ein Veto eingelegt, und diese Bill tritt daher nur dann in Gesetzeskraft, wenn bei einer neuerlichen Abstimmung eine Zweidrittel- Majorität erreicht wird. Wilson führt als Grund der Ablehnung des Gesetzes hauptsächlich das Motiv an, daß das Verbot von Einwanderung politischer Verbrecher nicht den bisherigen Prinzipien der Vereinigten Staaten entspräche. Auch gegen den Bildungszensus habe er einzuwenden, daß angeborene Intelligenz und Ehrlichkeit oft wichtigere Qualitäten als Schulbildung bedeuten. Gemeinden-Echo Breslau. Der Krieg hat uns in Breslau vor nicht geringe Aufgaben gestellt. Rettet sich doch die Not unserer Brüder im russischen Golus überwiegend nach der schlesischen Hauptstadt und findet hier immer eine Zufluchtsstätte. Eine Menge russischer Juden in Schlesien und Breslau wurde vom Ausbruch des Krieges überrascht. Freilich die meisten konnte der Krieg nicht mehr ärmer machen, aber auch eine große Anzahl bemittelter Juden trank gerade in Sälzbrunn und Cudowa den heilenden Brunnen, als die inhaltsschweren roten Zettel an die Anschlagssäulen sprangen. Sie alle wurden im städtischen Gefängnis in der Kletschkaustraße inhaftiert. Aber auch alle wurden, gleichgültig, ob sie bezahlten oder nicht, von der Gemeinde mit koscherer und ausreichender Kost gesättigt und brauchten keine Not zu leiden. Inzwischen haben wir Tannenberg und Insterburg, Kutno und Lodz erlebt, und in unsere Stadt strömten die Verwundeten. Und wiederum stand die Judenheit Breslaus mit an erster Stelle, als es galt, die Wunden zu heilen. In dem vorbildlich ausgestatteten, großen, von ersten Kräften geleiteten, weit berühmten israelitischen Krankenhause fanden hunderte um hunderte Soldaten ohne Unterschied der Konfession Aufnahme und Heilung. Und als die Kaiserin hier war, hatte sie nicht genug Worte des Lobes für Aerzte und Personal. In diesem Krankenhause üben mehrere Dutzend tapferer jüdischer Schwestern ernste, harte Pflicht. Das Leben geht trotz des Krieges seinen gewohnten Gang. Ja sogar eine Repräsentantenwahl fand mitten im größten Siegesjubel statt, in der freilich mit Rücksicht auf die Zeit keine Partei die andere aus dem Sattel heben wollte, und die zum erstenmale nach Jahren ein friedliches Bild zeigte. Unverändert arbeitet alles fort, der Verein „M a c h s i k e Thora" und die „Agudas I s r o e 1", die Institutionen aller Richtungen innerhalb der Judenheit. Auch die Zionisten nahmen willig die Arbeit auf, die die Stunde von ihnen forderte. Vielleicht haben sie noch nie so wichtige Arbeit geleistet, als in diesem Jahre. Sie beweisen auch, daß es nicht wahr ist, daß man als Zionist kein aufrichtiger Deutscher sein kann. Mehr als zwei Dutzend ihrer Mitglieder, zumeist Freiwillige, hat die Breslauer Zionistische Vereinigung in den Krieg geschickt, und noch viele werden folgen, die gern und überzeugt mit ihrem Leben das Land verteidigen, das ihre Heimat ist. H. S. Burgpreppach. Anmeldungen zum Vorkursus der Präparandenschule sind an den Schulvorstand zu richten, da das Sommersemester am 12. April beginnt. Schüler, die erst am 30. April aus der Volksschule entlassen werden, können noch am 1. Mai eintreten. Vereins-Echo Ahlem. Die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover versendet ihren Jahresbericht für 1913/14, welcher wieder eine recht segensreiche Tätigkeit dieses Instituts vor Augen führt. Neben Lehrgärtnerei, Bäckerei, Schuhmacherei und Schneiderei besteht hier auch ein Erziehungshaus für bedürftige und verwaiste Knaben; in allen diesen Sparten befinden sich Zöglinge sowohl aus ganz Deutschland als auch deutschsprechende Ausländer. Dem