Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 10 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 77 K sc:.;-", <uS- 4# durch Herstellung von Beziehungen zwischen den Dingen, durch Aufnahme sekundärer Merkmale im Begn und durch den Satz, daß der Umfang des Begriffs kleiner ist je größer sein Inhalt v Vollzogen die Natur und die Wissenschaft^ keine Synthese, dann wäre es nicht zu begre /en daß, trotzdem alles stirbt, doch alles lebt es wäre nicht zu begreifen die Konstanz in Form von Gesetzen; das identische Ich trotz allem ununterbrochenen Wechsel unseres Selbst. (Schluß folgt.) Brief aus Holland Wenn ein national empfindender Jude zum ersten Male nach Holland kommt, hat er das Gefühl, wie wenn er eine befreundete Familie seines Elternhauses aufsucht, von der ihm schon Vater und Großvater viel Schönes und Gutes erzählt hatten. Seine Erwartungen werden nicht getäuscht. Wer, wie Schreiber dieses Briefes, Gelegenheit hatte, nach Ausbruch des Krieges herzukommen, mußte von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gegenüber allen Flüchtlingen aus Belgien, ohne Unterschied der Nation, von Begeisterung für die Holländer erfüllt werden. Zuerst kamen die aus Belgien geflüchteten Deutschen, oft ohne jede Habe, in einem verzweifelten Zustande. Mit einer wahren Barmherzigkeit und Nächstenliebe nahmen sich die Holländer, Militär und Zivil, der Armen an, labten und unterstützten sie und geleiteten sie nach der ersehnten deutschen Heimat. Mit gleicher Gastfreundschaft wurden die aus Antwerpen vertriebenen Juden aufgenommen. Nur, daß sich hier die holländischen Juden hervortaten, und es vornehmlich als ihre Pflicht ansahen, bezw. noch ansehen, sich dieser Flüchtlinge anzunehmen. Wie sehr sticht doch diese großartige Hilfs¬ und Opferbereitschaft für fremde Nationen von der kläglichen Haltung der W i e n e r K u 11 u s g e - m e i n d e ab, die die galizisch-jüdisehen Flüchtlinge ausschließlich dem Entgegenkommen der österreichisch. Regierung, und was noch viel mehr sagt, dem antisemitischen Wiener Gemeinderat, überläßt! Nein, die Wiener Juden haben sich nicht die Holländer zum Muster genommen. Auch die Lehren ihrer eigenen, jüdischen Geschichte sind für sie nicht maßgebend. Keine drei Jahrhunderte sind verflossen, als Scharen westlicher Juden, böhmisch-mährische, deutsche, spanische und auch niederösterreichische, vor den Verfolgungen nach Polen flohen und an den Toren der Krakauer Judenstadt Einlaß erbaten und erhielten. Da der nie versiegende Strom jüdischer Wanderungen nun den umgekehrten Weg nimmt, sind jene Ereignisse vollständig vergQssen, als ob sie mindestens drei Jahrtausende zurücklägen. Die Holländer haben jedoch die edlen Traditionen ihrer Geschichte noch nicht vergessen und darum soll ihnen auch ihre jetzige Haltung von jüdischer Seite nicht vergessen werden, mögen sie selbst auch keinen Anspruch darauf erheben. Es drängt sich die Frage auf, welche Wirkungen die freiheitlichen Prinzipien Hollands auf die Juden in nationaler Beziehung ausgeübt haben. Mein Aufenthalt ist noch von zu kurzer Dauer, um die bezüglichen Verhältnisse überblicken zu können. Soviel scheint gewiß: die holländischen Juden in ihrer erdrückenden Mehrheit sehen es nicht als eine Pflicht der Dankbarkeit an, den Willen zur Sonderexistenz aufzugeben, umso weniger, als die anderen es auch gar nicht zu verlangen scheinen. Das beweist schon die entgegenkommende Haltung gegenüber dem Zionismus sowohl der Behörden, sowie der öffentlichen Meinung. Dies zeigte sich namentlich anläßlich der Abhaltung des VIII. Zionistenkongresses im Haag im Jahre 1907 und darüber hinaus. In Heer und Amt sind dm Juden alle hohen und höchsten Stellen 'gerade so zugänglich, wie den Nichtjuden. Hier sei nur beispielsweise auf die Stellung einiger auch außerhalb Hollands bekannter Zionisten hingewiesen. Das Mitglied des Actions-Comites, Bankier Jacobus K a n n , ist nach Ausbruch des Krieges vom niederländischen Ministerium zum Präsidenten einer Regierungskommission ernannt worden, die auf Grund eines vom Parlamente angenommenen Gesetzes die Börsengeschäfte während des Krieges und über diesen hinaus zu regeln hat. Der Vizepräsident des niederländischen Zionistenbundes, Professor Dr. O r n s t e i n , ist kürzlich, ungeachtet seiner Jugend, zum ordentlichen Professor der Mathematik an der Utrechter Universität ernannt worden. Erwähnt sei noch der Parlamentsabgeordnete Dr. Limburg, der zugleich ein hohes Amt bei Provinzialbehörden bekleidet. Den Haag, Ende Februar. Enge. Zeichnet die zweite Kriegsanleihe! Die Stunde ist gekommen, da von neuem an das gesamte deutsche Volk der Ruf ergehen muß: Schafft die Mittel herbei, deren das Vaterland zur Kriegsführung notwendig bedarf! Von der ersten deutschen Kriegsanleihe hat man gesagt, sie bedeute eine gewonnene Schlacht. Wohlan denn, sorget dafür, daß das Ergebnis der jetzt zur Zeichnung aufgelegten zweiten Kriegsanleihe sich zu einem noch größeren Siege gestalte. Das ist möglich, weil Deutschlands finanzielle Kraft ungebrochen, ja unerschöpflich ist. Das ist nötig, denn Deutschland muß gegen eine Welt von Feinden sein Dasein verteidigen und alles einsetzen, wo alles auf dem Spiele steht. Und schließlich: Es ist nicht nur Pflicht, sondern Ehrensache eines jeden Einzelnen, dem Vaterlande in dieser großen, über die Zukunft des deutschen Volkes entscheidenden Zeit mit allen Kräften zu dienen und zu helfen. Unsere Brüder und Söhne draußen im Felde sind täglich und stündlich bereit, ihr Leben für uns hinzugeben. Von den Daheimgebliebenen wird kleineres aber nicht unwichtigeres verlangt: ein jeder von ihnen trage nach seinem besten Können und Vermögen zur Beschaffung der Mittel bei, die unsere Helden draußen mit den zum Leben und Kämpfen notwendigen Dingen ausstatten sollen. Darum zeichnet auf die Kriegsanleihe! Helfet die Lauen aufrütteln. Und wenn es einen Deutschen geben sollte, der aus Furcht vor finanzieller Einbuße zögert, dem Rufe des Vaterlandes zu folgen, so belehret ihn, daß er seine eigenen Interessen wahrt, wenn er ein so günstiges Anlagepapier, wie es die Kriegsanleihe ist, erwirbt. Jeder muß zum Gelingen des großen Werkes beitragen! Die Leser werden gebeten, die inserierenden Firmen bei Einkäufen in erster Linie zu berücksichtigen und dabei auf das „Jüdische Echo" Bezug zu nehmen.