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Das jüdische Echo · 1915-03-12 · 10 (12.3.1915) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
10 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Öas jüdische Echo Nr. io Leopold Hille im Inf.-Reg. 125; Karl J. Moos im Artillerie-Reg. 49. Würzburg. Max Mohr, Feldunterarzt im, 4. bayr. Res.-Inf.-Reg.; Dr. Ludwig Hellmann, Stabsarzt; Karl Hellmann, Sanit.-Unteroffiz., Sohn des Dr. Ludwig Hellmann; Dr. med. Fürth, Marinestabsarzt. — Das bayr. Militärverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern erhielt Dr. Martin Marx. Beförderungen Augsburg. Unteroffizier Landauer, Webereibesitzer, wurde am 1. Februar zum Vizewachtmeister befördert. Bayreuth. Oberarzt d. R. Dr. Leo Steinberger wurde zum Stabsarzt des 1. Infanterie-Regiments befördert. München. Herr Kunstmaler Willy Wolff, Oftiziersstellvertreter im 12. bayer. Landwehr-Inf.- Regt., Mitglied des Jüd. Turnvereins, wurde zum Leutnant befördert. Karl Kautsky über „Rasse und Judentum" Von Selma Blumberg, München. (Fortsetzung.) Zur Frage über die Rassenentstehung nennt Kautsky nachstehende Faktoren: 1. Die Rassen entstehen naturnotwendig durch Einwirkung geographischer Verhältnisse („geographische Rassen"). Diese sind: Das Klima, die Zusammensetzung der Nahrung, die Bodengestaltung usw. Diese Faktoren können sich nicht in historischer, sondern höchstens nur in geologischer Zeit ändern. 2. Durch die Wirkungen des Miüeu, oder die Gleichheit der Lebensbedingungen, die dem mathematischen Gesetz unterliegen, daß gleiche Bedingungen Gleiches erzeugen. 3. Durch die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus und durch die Technik, die Naturschranken überwindet und überall ein gleiches künstliches Milieu schafft. Ferner |4. Durch die Sprache; denn wo Menschen die gleiche Sprache sprechen, führt sie zu gemeinsamem Leben und Arbeiten. Als Gegensätze oder Antithesen hierzu führt der Verfasser folgende Argumente zur zweiten Frage an. Zur Frage über die Lehre von der Rassenmischung, die er zu seiner Theorie der Auflösung der Rassen verwertet: Infolge seiner Verschiedenheit reagiert jeder Organismus auf die klimatischen Verhältnisse anders, was zur Folge hat, daß nicht nur eine Anpassungsfähigkeit, sondern auch eine Beherrschung des Milieu durch den Organismus stattfindet, die die Gleichheit aufhebt und eine Ungleichheit in den Bedingungen schafft. Ferner führt der Wandertrieb im Verein mit der glänzenden Entwicklung der Technik, die einen schnellen Verkehr ermöglicht, zu ununterbrochenen Wanderungen der verschiedensten Menschen nach den verschiedensten Ländern, so daß fortwährend Rassenmischungen vorkommen. Auch die Variabilität, namentlich der geistigen Organe, wirkt ebenso der Anpassungsfähigkeit entgegen, wie die Technik; weil das künstliche Milieu, das sie schafft, im Gegensatz zum natürlichen, als fast unveränderliches, ein stets wechselndes ist und somit fortwährende Veränderungen eintreten. Und endlich ist auch die Sprache kein Bollwerk für die Rassentheorie, denn was vererbt wird, ist nicht die Sprache, sondern nur die Fähigkeit zu sprechen. Daher kommt es, daß diie Muttersprache, wie z. B. bei den Iren, aufgegeben und verlernt werden kann. Diese Argumente für wie gegen die Rassentheorie hat Kautsky sorgfältig zusammengetragen, um Schlüsse für eine Theorie der Auflösung der Rassen zu erlangen. Es sind ein paar Sätze dabei, für die er den wissenschaftlichen Beweis nicht erbracht hat, so z. B. für den Satz der schnellen Variabilität der geistigen Organe. Aber es würde uns hier zu weit führen, darauf näher einzugehen; ohnehin ist, wie wir sehen, die Geschichte schon verwickelt genug: ein Gesetz hebt das andere auf, wie sich also dem entziehen? Kautsky tut es in der Weise, daß er die These durch die Antithese für überwunden und widerlegt betrachtet und als Resultat die Auflösung der Rassen oder die Einheit des Menschengeschlechts feststeht. Jedoch, Wissenschaften und deren Gesetze werden niemals widerlegt, auch nicht durch wissenschaftliche Antithesen. Der Fehler muß also anderswo zu finden sein: er liegt in den falschen Schlüssen. Die Wissenschaften irren nicht, sondern nur die Menschen. So hat Goethe wieder einmal recht, wenn er sagt, daß mit dem Fortschritt der empirischen Erkenntnis und der Bereicherung der Tatsachen das Verständnis und das Urteil keineswegs gleichen Schritt hält. Um zu richtigen Schlüssen zu gelangen, hätte der Verfasser bedenken müssen, daß, wie gesagt, die Antithese die These niemals aufheben kann, wenn diese wissenschaftlich begründet ist. So hat denn auch die Lehre von der Rassenmischung die Rassentheorie als Wissenschaft nicht aufgehoben; sie ha tzwar die bisherige Annahme der Rassenreinheit widerlegt, nicht aber auch die von der Rassen konstanz. Auch die Rassenmischung führt zur Bildung neuer Völker oder Rassen. Wissenschaften sind nicht, wie Kautsky meint, Erfindungen von Redaktionsstuben und Schulmeistern; sie werden auch nicht von ihnen „mit neuer Lebenskraft versehen", sondern sie sind Theorien der Natur und des Lebens, sind die theoretische Seinsweise der Dinge selbst, und nur mit diesen können sie entstehen oder vergehen. Eine Wissenschaft kann daher niemals aus dem Umkreis des Denkens verschwinden, wohl aber ist auch sie, und dies in hohem Maße, Gegenstand der Entwicklung. Der Fortschritt der Erkenntnis wird sie immer wieder korrigieren, verbessern, nicht aber ihre Gesetze umstoßen. So wird denn die Rassentheorie stets zur Lösung einer gesellschaftlichen Frage berechtigt sein. Die oben dargelegten Sätze und Gegensätze sind im Grunde dieselben, die die tiefsten Probleme aller Wissenschaften bilden. Sie enthalten die Tatsache, daß jedes Ding sowohl einen allgemeinen, konstanten, wie einen individuellen, vergänglichen Begriff konstituiert. Die Wissenschaften davon sind Logik und Erfahrungswissenschaft. Jene hat es mit den Allgemeinbegriffen zu tun, diese mit den empirisch-individuellen Erscheinungen. Auch sie sind Gegensätze, aber sie heben einander nicht auf, sondern vollziehen eine höhere Synthese in der Weise, daß die Erfahrungswissenschaft die logischen Gesetze in sich aufnimmt, sich an ihnen vollzieht, während die Logik den Ergebnissen dieser Rechnung trägt

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