Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 10 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Skizzen aus dem Felde Von Felix A. Theilhaber. W 1 o c 1 a w e k. Jüdische Notabein sitzen beisammen. Einige sprechen, wie man sagt ein reines Polnisch. Solche, die zu Hause sich nur in Mammeloschen (Muttersprache Jüdisch-Deutsch) verständigt hatten Krieg. Dreimal waren die Deutschen Herren der Stadt, dreimal die Russen Als die Deutschen das erstemal hier waren, taten si~ als wenn sie das Land nicht lassen wollten. Sogar eine offizielle Bahnverbindung mit Deutschland wurde eingeführt. Dann kamen die mißverstandenen strategischen Rückzüge, die Wiederbesetzung durch die Russen, polnische Denunziationen, kosakische Greuel. Niemand weiß den Ausgang des Kampfes, niemand ahnt die Bedingungen des Friedens. Wird Wloclawek österreichisch oder deutsch werden, oder russisch bleiben? Zu große Freundschaft mit den Deutschen kann sehr gefährlich werden. Den Gutsbesitzer Hoffmann, den alle, die um mich herum sitzen, kennen, haben die Russen deshalb aufgehängt. Die Polen haben seit den letzten großen antisemitischen Bewegungen, seit der Boykottaktion die Freundschaftsbande mit den Juden zurückgewiesen. Und die Russen? .... Wenn ich über die Straße gehe, meide ich meine polnisch-jüdischen Freunde. Ich will sie nicht in Verlegenheit bringen. Arme Menschen, wurzellos, rechtlos, die vor der Zukunft bangen müssen, weil sie nicht wissen, für welches Volkstum sie Mars verschachert. * In Wloclawek erscheint ein polnisches Blatt, klerikal-antisemitisch. Da steht: Ein Jude wollte seiner Ware eine jiddisch geschriebene Rechnung beilegen. Da aber polnisch die Amtssprache der Stadt ist, wurde er vom Bürgermeister bestraft. So geschehen unter der deutschen Obrigkeit. Und Tags darauf lese ich: Der Jude bittet die polnischen Leser um Entschuldigung. Er habe zwei Rechnungen beigelegt, eine in Polnisch, eine in Jiddisch, da sein Käufer schlecht Polnisch könne. Natürlich wisse er, daß das Polnische die Amtssprache sei. Armer Jid, lehrt dich der Pole so mores? * Ich bin mit zwei Juden bei der deutschen Verwaltung. Wegen der Herausgabe einer jiddischen Tageszeitung. Aber sie wird nicht gestattet, weil für Jiddisch keine Zensoren da sind. Wenn schoneinmaldie Juden sich auf sich selbst besinnen und ihre eigenen Wege gehen wollen, will es nicht das Schicksal. Sie müssen sich irgend wo anschließen, an die Polen, Deutschen, Russen. Nur nicht für sich selbst. * * * Nachts in K u t n o. Winter und Dunkelheit. Ich forsche nach Tee, finde irgend jemand, den ich kaum sehen kann, und folge ihm, da er uns ee verkaufen will. Durch ein paar Gassen, dann über holpriges Pflaster in einen Flur, Ich taste mich langsam zurecht. Der Mann vor mir packt mich am Arm, um mich zu führen. „Herr Ofnzier , sagt er, „habt keine Furcht vor mir; ich bin ein Jude." * * * Gombin. Elf Uhr, als unser Bataillon einrückt. Alle Häuser belegt, alle Scheunen voll Menschen. Es kommen immer neue Truppen, ich finde mich kaum zurecht. Dort ist unser Bataillon Es geht zu einem Holzbau hinüber. Ich suche mir noch eine Unterkunft beim Stab, der in den zwei kleinen Räumen einer jüdischen Schneiderswitwe unterkommt. Als ich wieder nach den Leuten sehe, höre ich welche noch an der großen Holzbaracke streiten. Einige sind nicht hineingekommen und fluchen fürchterlich. Und ich gehe die Treppen, die von außen sich emporwinden, hinauf. Die, die dort innen gepfercht liegen, sind glücklich. Draußen beneiden sie die Menschen, die noch Platz finden in der Synagoge von Gombin. Noch nie haben sich Nichtjuden so um ein Plätzchen in der Judenschule bemüht. (m.) Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen. Aschaffenburg. Den bayr. Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern erhielt Dr. Rosenthal, Stabsarzt d. Res. Bamberg. Ernst Werner, Train-Leutnant, Sohn des Justizrat Werner, 1. Vorst, d. isr. Kultusgemeinde. — Den bayr. Verdienstorden erhielt Hauptmann Oskar Schlesinger. — Das bayr. Verdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern: Sonnenfeld, Gefr. im 4. bayr. Landwehr-Inf.-Reg. Bayreuth. Dr. Wilhelm Strauß, Oberarzt d. Res., z. Z. Bataillonsarzt bei einem hessischen Regiment. Brückenau. Das bayr. Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern erhielt Willi Finsterwald, Infanterist beim Reg.-Stab des 3. bayr. Armeekorps. München. Ferdinand Braun, Einj.-Freiwill. i. 1. bayr. schweren Reiterreg., stud. phil.; Kurt Guttmann; Max Hecht, Unteroff. i. 7. bayr. Landwehr-Inf.-Reg.; Gust. Mannheimer, Oberleutnant d. Landw., Fabrikbesitzer; Heinrich Löb, Sohn des Herrn S. Löb, Inh. der Firma M. Ulmo Nachf.; James Kayser, Unteroffiz. beim Reserve-Ersatz- Reg. 4. — Das bayr. Militär-Verdienst-Kreuz 2. Klasse erhielt Dr. Fritz Oettinger, Leutnant d. Res. im IL Inf.-Reg.; Rechtsanwalt Siegmund Weil beim 1. bayr. Reserve-Korps; Dr. Alfred Heller, i. Fa. Buchdruckerei B. Heller, im bayr. 1. Landwehr-Inf.-Reg.; den bayr. Milit.-Verdienst- Orden mit Schwertern: Lippmann Ullmann, Unteroff. im 1. bayr. Res.-Inf.-Reg., Teilhaber der Firma Reinemann-Lichtinger. Nürnberg-Fürth. Julius Hirschmann, Gefr. i. 6. Landw.-Inf.-Reg.; Albert Schloßheimer, Offiz.- Stellvertreter im 7. bayr. Landw.-Inf.-Reg.; Fritz Ehrenberger, Vizefeldw.; Hermann Heimann, Unteroffizier; Stefan Roß, Unteroff. d. Res. im 3. bayr. Pionierbat., Diplomingenieur; Willy Berlin, Oberleutnant, Mitglied d. kgl. bayr. freiw. Automobilkorps; Julius Berlin, Mitgl. d. k. b. freiw. Automobilkorps. — Den bayr. Militär-Verdienstorden erhielt Fritz Iglauer, Oberleutnant der Landwehr; die sächsische Verdienstmedaille Max Strimpel, Unteroff., Sohn des Kultusbeamten Strimpel; das bayr. Verdienstkreuz 3. Kl. mit Kr. Dr. Josef Schäler, königl. Staatsanwalt, z. Z. stellvertr. Feldlazarettinspektor. Oberwaldbehrungen (Unterfranken). Das bayr. Verdienskreuz 3. Klasse mit Schwertern erhielt Sali Heinemann, Sohn des Nathan Heinemann. Regensburg. Emil Fischl. Ulm a. Donau. Die württemb. silberne Verdienst-Medaille für Tapferkeit und Treue erhielt