Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 9 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 71 verkleiden, daß niemand sie erkennte M-in Gott, man muß sich vor sich selber schämen'" Ach es ist ja alles aus! Bitter so und bitter so*'" Die Maschine war verkauft. Die Betten hatte der rrodler Die Wände standen kahl und leer. Der Vorschuß war auch schon verbraucht' Und die Krämerin . Sie klagte ihm die Not. Es war zum Entlaufen! — Simon nutzte die Stünde- Er ri?f /ein? Jungen heran, Hirschele und Leibke, mit fröhlichem Lachen auf den Lippen und mit Wehmut . . natürlich nur im Herzen „Kommt her! Ich will Euch in die Lehre nehmen. Ihr sollt Schauspieler werden. Du Leibke wirst Haman sein und Hirschele ein braver Jude-' Mordechai." Gittel sah das Spiel mit an. Ihr Kopf war auf die Brust gesunken. Und brennende Tränen rollten ihr die Wangen hinab. Aber Simon wurde immer krampfhafter lustig und witzelte und scherzte (. . oh! was wird aus den Kindern werden? . .) Und über alle dunklen Gedanken hob ihn der Trost hinweg: Auch als Purimspieler kann man etwas Besseres sein! Ein bitterer Trost. Leibke lernte seine Rolle — mit halbem Zwang. Er wußte, warum er sie lernte. Indes Hirschele war voller Lust, mit ganzem Herzen dabei. Den ganzen Fasten-Esther schrie und sang und hüpfte er seine Rolle. Aber Gittel drehte weinend und jammernd drei schnurrige Bärte zusammen. (Fortsetzung folgt.) Literarisches Echo Heinrich Heine: Briefwechsel. Herausgegeben von Friedrich Hirth. Georg Müller, München. 1914. Groß 8°. I. Bd. 643 S. Mit 50 Bildern und 5 Faksimiles. Brosch. M. 7.—, geb. M. 10.—. Heine: Briefe. Ausgewählt und eingeleitet von Hugo Bieber. Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin. 1914. Klein 8°. 444 S. Mit 17 Bildern und einer Handschriftenprobe. Brosch. M. 3.—, geb. M. 4.—. Max Viola: Der Rabbi von Bacharach Heines, fortgesetzt und vollendet. Siegfried Cronbach, Berlin. Klein 8°. 268 S. M. 3.—. Edward Stilgebauer: Harry. Ein Roman aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Reuß & Itta, Konstanz. 1913. Klein 8°. 451 S. Brosch. M. 4.—, geb. M. 5.—. Heine-Porträt. Nach einer Radierung von L. E. Grimm, München 1827. Folio-Handpressen- Kupferdruck auf China. M. 3.—. Verlag F. Bruckniann A.-G., München. Heine nennt seine Briefe einmal selber das Thermometer seiner Gemütsstimmung. Sie sind in der Tat der aufschlußreichste Kommentar zu den äußeren Ereignissen seines Lebens und zu seiner Stimmungswelt. St rodtmann und Karpeles gaben bereits die gesammelten Briefe heraus, doch litten diese Editionen wie auch spatere Teilveröffentlichungen an zahlreichen willkürlichen Verstümmelungen, unrichtigen Lesungen und Irrtümern aller Art, die geeignet waren, das Bild Heines vielfach zu fälschen. Eine neue vollständige Veröffentlichung der Heineschen Briefe nimmt Friedrich Hirth vor Der erste Band umfaßt den Briefwechsel von 1816—31. Einmal vollendet, wird das Werk, obwohl es des textkritischen Apparates ermangelt, sicherlich das grundlegende sein. Denn Hirth hat, WO es möglich war, die Handschriften unterlegt, endlich einen gereinigten, zuverlässigen Text hergestellt, außerdem alles vorhandene Material zusammengetragen und um neues vermehrt. Die Einleitung orientiert aufs umfassendste und mit strenger Kritik über die bisherigen Veröffentlichungen der Briefe und weist auf mannigfache Korrekturen verschiedener Tatsachen hin, die durch die vorliegende Verbesserung des Textes herbeigeführt werden. Es ist zu bedauern, daß die Hirthsche Publikation der bei Bong erschienenen Ausgabe von Heines Briefen in philologischer Hinsicht nicht zugute gekommen ist, denn es sind im Texte einzelne der von Hirth richtiggestellten Irrtümer geblieben, obschon irn ganzen genommen, durchaus nicht kritiklos nachgedruckt wurde. Sehr gut ist die Einführung des Herausgebers Hugo Bieber, die insbesondere mit vielem Glück der Auffassung und Deutung von Heines Judentum modern-jüdische Lichter aufsetzt. Den „Rabbi von Bacharach" zu vollenden, hat Max Viola unternommen. Er hat die Handlung in dem bei mittelalterlich-jüdischen Geschichten üblichen Stil zu Ende geführt, aber den wundersamen poetischen Stimmungsreiz des Originals vermochte er, wie vorauszusehen war, nicht wieder aufleben lassen. „Fehlt leider nur das geistige Band". Der historische Roman ist ein schwieriges Gebiet, auf das sich eigentlich nur die größten Dichter begeben dürften; denn es gilt den Wettkampf mit der Wahrheit selbst. Das Bild Heines lebt in uns zu stark und deutlich, als daß wir an dessen Stelle die schwankende und verzerrte Gestalt des Herrn Stilgebauer treten sehen möchten. In die Sammlung „Bruckmanns Bildnisse berühmter Personen" wurde ein weiteres Bildnis Heines aufgenommen. Als Radierung wurde es am 9. November 1822 von dem Maler Ludwig Emil Grimm nach dem Leben hergestellt, zuerst als Lithographie und 1854 als Stich veröffentlicht. Darunter stehen die Verse: „Verdross'nen Sinn im kalten Herzen hegend, —i Schau ich verdrießlich in die kalte Welt. H. Heine." In einem Briefe aus München vom 28. November 1827 an Varnhagen von Ense charakterisiert der Dichter sein Konterfei als „langes deutsches Gesicht,( die Augen sehnsuchtsvoll gen Himmel gerichtet." W.-St. . J. O. Voelk: Weshalb England uns den Krieg erklärte! Selbstverlag, München, Corneliusstr. 9. 8°. 32 S. Der Verfasser sucht auf Grund seines Aufenthaltes und seiner Beobachtungen in England die letzten Gründe, die es zum Krieg mit Deuschland veranlaßten, darzulegen. Als Beitrag zur Charakteristik Großbritanniens sind einige Briefe Heinrich Heines aus den Jahren 1840 bis 44 wiedergegeben, die interessante Parallelen zwischen damals und heute aufweisen. Besprochene Schriften sind zu beziehen von Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, München, Westenriederstraße 4/i. Telephon 23 804. Bühnen-Echo Rahab, Oper in einem Akte von Baron Clemens von F r a n k e n s t e i n. Text von O s - k a r F. Mayer. Es war nicht unklug, bei der Wohltätigkeitsvorstellung im Prinz-Regenten-Theater am 27.